Warum verschleudert VW gerade 200 PS plus DSG?

Man reibt sich die Augen: Ein VW Polo GTI mit DSG für nur 69 Euro im Monat? Nun gut, beim zweiten Blick wird die Sache klarer: Leasing für Gewerbe, dazu noch 19 Prozent Mehrwertsteuer. Aber trotzdem bleibt der Preis auf Schnäppchenniveau. Und das für einen Kleinwagen mit 200 PS, 238 km/h Spitze und einer Sprintzeit von 6,7 Sekunden auf Tempo 100. Warum wird das "Hot Hatch" derzeit fast verschenkt?

Sehen wir uns zunächst das Produkt an: Der aktuelle VW Polo GTI mit Sechsgang-DSG in der Basisausstattung zum Grundpreis von 25.520 Euro. Von dieser Basisversionen gehen viele der Leasingangebote aus. Doch sie ist bereits ordentlich ausgestattet: Klimaanlage, 17-Zöller, Sitzheizung vorne, Parkpiepser an beiden Seiten. Ohne Aufpreis gibt es "Pure White" und "Flash Rot Uni" als Lackierungen. Bei den Extras kann man sich beschränken: ACC (255 Euro), Climatronic (375 Euro) und App-Connect (225 Euro), um Navigation zu haben. Auch in der Versicherung hält sich der VW Polo GTI im Rahmen: Haftpflichtklasse 15, Teilkasko 21, Vollkasko 19.

Kommen wir zu den Leasingangeboten: Unsere Freunde von Vehiculum haben den Polo GTI ab 69 Euro netto (82,11 Euro brutto) ohne Anzahlung im Angebot als Gewerbeleasing mit 24 Monaten Laufzeit und 10.000 Kilometern im Jahr. Für 14,45 Euro kann ein Servicepaket zugebucht werden, Winterräder sind aber nicht inklusive. Wer länger und weiter fahren möchte, bekommt 36 Monate und 15.000 Kilometer im Jahr ab 100 Euro (119 Euro brutto). Vehiculum spricht von bis zu 7.871 Euro Ersparnis, allerdings sind mit Lieferzeiten zwischen drei und fünf Monaten zu rechnen. Hinzu kommen "Werksauslieferungskosten" von 395 Euro, die Zulassung ist inklusive. Auf diese beiden Punkte ist zu achten, andere Anbieter langen hier stärker zu.

Etwa Sixt Leasing mit 616 Euro brutto. Dort kommt es aktuell zu der absurden Situation, dass der VW Polo GTI im Leasing günstiger ist als fast alle anderen "normalen" Polo-Varianten. Inklusive der VW-Winterreifen im Format 16 Zoll und dem Paket "Wartung und Verschleiß", das Inspektionen und Reparaturen an Verschleißteilen wie den Bremsen inkludiert, ist der Power-Polo ohne Anzahlung bei 24 Monaten und 10.000 Kilometern/Jahr für 104,02 Euro netto (123,80 Euro brutto) im Angebot. Auch hier wieder: Ein Preis für Gewerbekunden, wer privat leasen möchte, liegt bei 169,20 Euro brutto.

Volkswagen Polo GTI mit DSG (2019)

Nun kann man sagen: Große Leasingfirmen, Sammelbestellungen gleich niedrige Raten. Doch auch offizielle VW-Autohäuser hauen den Polo GTI günstig raus. Beispiele gefällig? Held und Ströhle in Ulm bietet Privatkunden bei Eintausch eines Gebrauchtwagens, der nicht aus dem Volkswagen-Konzern kommt, 24 Monate Leasing mit 10.000 Kilometer im Jahr für 59 Euro monatlich, allerdings mit einer recht hohen Sonderzahlung von 1.999 Euro. Interessanter ist dort der Hauspreis in bar: 18.990 Euro, also satte 6.530 Euro Ersparnis.

Christl und Schowalter in München bzw. Freising bietet bis Ende November 2019 folgendes Leasing für Privatkunden an: 999 Euro Sonderzahlung, 118 Euro im Monat bei 36 Monaten Laufzeit und 10.000 Kilometer im Jahr. Hinzu kommen auch hier aber noch Kosten für Zulassung und Überführung. So ist es auch beim Autohaus Rosier in Menden und Stendal: Bis zum 31. Dezember gilt hier ein Gewerbeleasing ohne Anzahlung für 99 Euro mit 24 Monaten Laufzeit und 10.000 Kilometer im Jahr für einen Polo GTI in weiß als Bestellfahrzeug.

Die Frage bleibt natürlich: Warum wird der VW Polo GTI beinahe verschenkt? Eine Option wäre, dass VW ihn aufgrund der Emissionen bald aus dem Programm nimmt und Bestände abbauen möchte. Dagegen spricht aber, dass der Polo GTI erst Ende 2017 auf den Markt kam und es sich zumeist um Bestellfahrzeuge handelt, deren Ausstattung angepasst werden kann. So deutet vieles darauf hin, dass VW schlicht den Absatz ankurbeln will. Auch in unseren Tests erwies sich die DSG-Variante eher als mittelprächtig sportlich.

Bildergalerie: Volkswagen Polo GTI mit DSG (2019)