Herausgeputzt und austrainiert: Die Corvette C6 für 2008

Noch 300 Meter bis zur Kurve. Vor mir röhrt der 6,2-Liter-Stoßstangen-V8 sein zorniges Lied, hinter mir bläst er trompetend seine Abgase in den azurblauen Himmel der Provence. Die Hände sind feucht und mein schweißnasser Rücken klebt an der Lehne des weich gepolsterten Sportsitzes. Am linken Seitenfenster fliegt gerade das 200-Meter-Schild vorbei, als ich von rechts ein entspanntes ,und jetzt bremsen" höre. Mein Fuß steigt aufs mittlere Pedal, und die riesigen, gelochten Bremsscheiben verzögern die Corvette brutal. 150 Meter, 100 Meter, keine Zeit auf die Schilder zu schauen.

V8-Power + Rennstrecke =Mordsgaudi
Ich bleibe auf der Bremse und schalte herunter: vierter, dritter, zweiter Gang. Die schneeweiße Amerikanerin krallt sich in den Asphalt der Rennstrecke, bleibt dabei völlig brav und gutmütig. ,Augen jetzt schon zu die Apex, zweite Gang, linke Hand drücke gleichmäßig in die Kurve" tönt es in einer Mischung aus Deutsch, Englisch und Niederländisch neben mir. ,Achtung … Gegenlenken und Gaaas!". Ich ziehe den Sportwagen vom Scheitelpunkt in Richtung Kurvenausgang, stelle ihn gerade und drücke das Spaßpedal zügig aber gleichmäßig auf Vollgas. 437 PS und 585 Newtonmeter pressen mich in den Ledersessel, die Corvette brüllt auf, schwänzelt kurz mit dem Heck und schiebt dann doch unbarmherzig nach vorne. Auf zur nächsten Kurve! Ich schaue zu meinem holländischen Race-Instructor auf dem Beifahrersitz. Der grinst nur und meint: ,So, und jetzt mal ohne den Traktionskontrolle, oder...