EcoRacer und BlueSport: VWs vergessene Dieselträume
Die beiden sportlichen Selbstzünder waren effizient und spaßig – erschienen sind sie dennoch nicht
In den 2000er- und frühen 2010er-Jahren war der Dieselmotor in Europa das Maß aller Dinge. Auf dem Höhepunkt entfielen mehr als die Hälfte aller Neuzulassungen auf Selbstzünder. Volkswagens TDI-Palette reichte damals vom winzigen Lupo bis zur Oberklasse-Limousine Phaeton.
Ferdinand Piëch, der den VW-Konzern in der Diesel-Hochzeit mit eiserner Hand führte, gab dennoch einige wilde Projekte frei: den Touareg V10 TDI etwa oder den vollkommen absurden Audi Q7 V12 TDI.
Und weil VW in dieser Ära Diesel gefühlt in jedes Modell knallte, versuchten die Wolfsburger natürlich auch bei ausgewiesenen Sportwagen ihr Glück. Allerdings ohne Serienerfolg – zumindest in ihrer letzten Konsequenz. Zwar gab es Scirocco Typ13 und TT 8J auch mit 2,0-Liter-TDI, allerdings fristete sowas wie der Audi R8 V12 TDI als Showcar sein dasein. Genauso wie zwei sehr eigenwillige Mittelmotor-Konzepte mit VW-Logo: der EcoRacer (2005) und der BlueSport (2009).
2005 VW EcoRacer Konzept
Volkswagen EcoRacer (2005)
Der EcoRacer war mehr als nur ein Showcar für die Tokyo Motor Show 2005. Es handelte sich um einen voll funktionsfähigen Prototypen mit einem damals neuen 1,5-Liter-Dieselmotor, der 136 PS und 250 Nm Drehmoment leistete, gekoppelt an ein Doppelkupplungsgetriebe. Klingt nicht nach viel für einen Sportwagen – aber man darf nicht vergessen: Der Mazda MX-5 wurde in Europa damals nur mit einem 1,5-Liter-Benziner angeboten, der mit 131 PS und 150 Nm sogar schwächer war. Und niemand würde den Miata als langweilig bezeichnen.
Tatsächlich war der EcoRacer noch leichter als der MX-5. Dank einer Karosserie aus Carbonfaser brachte er nur 850 Kilogramm auf die Waage. Die Gewichtsverteilung lag bei 40:60, und VW entwickelte eigens eine Doppelquerlenker-Vorderachse für das Auto. Hinten nutzten die Ingenieure die Hinterachse des damals aktuellen Golf 5.
Mit seinem geringen Gewicht und dem sparsamen Diesel vereinte der EcoRacer beides: Fahrspaß und Effizienz. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelang in 6,3 Sekunden – etwa eine halbe Sekunde schneller als ein Golf GTI jener Zeit. Die Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h. Beeindruckend für einen so kleinen Selbstzünder.
Und beim Verbrauch legte VW noch einen drauf: 3,4 Liter pro 100 Kilometer sollte der EcoRacer benötigen – möglich durch Motor, Leichtbau und die kompakten Abmessungen (nur 3,77 Meter lang).
Doch nicht nur der Motor war interessant. Die Seitenscheiben klappten wie beim Mercedes 300 SL Flügeltürer nach oben, das Dach ließ sich komplett abnehmen und machte den Wagen zum Roadster. Und wer Lust auf Speedster-Feeling hatte, konnte zusätzlich Windschutzscheibe, Rahmen und oberes Armaturenbrett entfernen.
Die auffälligen LED-Scheinwerfer waren Geschmackssache, aber mutig war das Design allemal – ungewöhnlich für eine Marke, die sonst eher vorsichtig auftrat. Im Innenraum herrschte Retro-Futurismus: übergroße Kippschalter, ein Digitalcockpit, Schalensitze, Sichtcarbon, ein dickes Lenkrad und sogar Zierschrauben auf der Mittelkonsole.
VW beschrieb ihn damals als "Prototyp, der als der wohl sparsamste Sportwagen seiner Zeit Geschichte schreiben könnte." In Serie ging er nie – aber vier Jahre später griff VW die Idee erneut auf.
Volkswagen BlueSport (2009)
Auf der Detroit Auto Show 2009 stellte VW den BlueSport vor – die erwachsenere Variante des Diesel-Sportwagens. Optisch weniger verspielt als der EcoRacer, aber technisch ähnlich: Mittelmotor, Doppelkupplungsgetriebe, zwei Sitze. Unter der Haube diesmal ein größerer 2,0-Liter-TDI mit 180 PS und 350 Nm Drehmoment.
Von Anfang an sprach VW zwar von einer "Designstudie ohne konkrete Produktionspläne". Doch bald kursierten Berichte über eine mögliche Serienfertigung. Jahrelang ging es hin und her, am Ende zog der Konzern den Stecker. R&D-Chef Ulrich Hackenberg erklärte trocken: "Wir haben keinen Markt dafür gefunden. Es gibt kein Business Case."
2009 VW BlueSport Konzept
Bitter, denn der BlueSport war im Prinzip serienreif. Einige Journalisten durften ihn sogar fahren. Technisch war er ein klassisches Teile-Sammelsurium: die Vorderachse stammte vom Polo, die Mehrlenker-Hinterachse vom Golf, die Bremsen vom Golf R32.
Etwas langsamer als der EcoRacer war er auch: 0–100 km/h in 6,6 Sekunden, Spitze 226 km/h. Der Verbrauch lag bei 4,3 Litern auf 100 Kilometer.
Weil der BlueSport keine Carbonkarosserie hatte, war er deutlich schwerer: 1.300 Kilo mit einer Gewichtsverteilung von 45:55. Für die Serie peilte VW immerhin 1.200 Kilo an – kaum mehr als ein MX-5 RF. Praktisch war er auch: Das Stoffverdeck wog nur 27 Kilo, dazu gab es vorne und hinten zusammen über 180 Liter Gepäckraum.
Mit knapp vier Metern Länge war der BlueSport größer als der EcoRacer, aber kleiner als Audi TT oder Porsche Boxster. Wäre er freigegeben worden, hätte die Serienversion 2012 starten können. Auch Ableger von Skoda, Seat, Audi oder Porsche standen im Raum.
Doch ein VW-Sportwagen unterhalb von TT und Boxster wurde nie Realität. Wahrscheinlich hätte es auch Benzinmotoren wie den GTI-Vierzylinder gegeben. Von allen nie gebauten VW-Studien ist der BlueSport wohl das "What if"-Auto schlechthin.
Weder EcoRacer noch BlueSport kamen jemals in Serie. Trotzdem verabschiedete sich VW nicht gänzlich von sportlichen Dieseln. Wie zuvor schon erwähnt, hielten Scirocco und TT kurze Zeit die Fahne hoch – zumindest bis zum Dieselgate-Meltdown. Der Golf GTD hielt sich gar bis Anfang 2024 – dann fiel auch der Diesel-Hot-Hatch beim Facelift endgültig aus dem Programm (auch wenn uns das nicht mal aufgefallen ist).
Eine Neuauflage ist utopisch. Diesel spielen in Europa nur noch eine Nebenrolle: Laut European Automobile Manufacturers' Association (ACEA) machten die Selbstzünder im ersten Halbjahr 2024 nur noch 8,2 Prozent der Neuwagenverkäufe aus. Der Plug-in-Hybrid ist längst der neue Diesel – und der Golf GTE setzt genau da an, wo der GTD aufgehört hat.
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