60-Milliarden-Plan: Stellantis stellt "FaSTLAne 2030" vor
Autokonzern verspricht Wachstum und neue Technik – Europa drohen dennoch harte Einschnitte
Automobilriese Stellantis hat auf dem Investor Day im amerikanischen Auburn Hills die Weichen für die Zukunft gestellt. Mit dem Strategieplan "FaSTLAne 2030" will der Konzern in den nächsten fünf Jahren rund 60 Milliarden Euro investieren. Das Ziel ist klar definiert: Das Wachstum soll beschleunigt und der Gewinn nachhaltig gesteigert werden.
Im Zentrum der Strategie stehen sowohl die Kundenorientierung als auch eine streng auf Rendite fokussierte Kapitalallokation. "FaSTLAne 2030 ist das Ergebnis monatelanger disziplinierter Arbeit im gesamten Unternehmen", erklärt Stellantis-CEO Antonio Filosa die Tragweite des Vorhabens. "Der Plan steht für langfristiges profitables Wachstum."
"Der Kunde steht stets im Mittelpunkt unseres Handelns", betont Filosa weiter. "Somit wird der Strategieplan unseren Unternehmenszweck erfüllen – 'Menschen mit Marken und Produkten zu bewegen, die sie lieben und denen sie vertrauen' – angetrieben durch unsere einzigartige Kombination von Stärken."
Effizienteres Management des Markenportfolios
Stellantis verwaltet aktuell ein enorm breites Spektrum an Automarken, was in der Vergangenheit oft zu internem Kannibalismus und redundanten Entwicklungskosten führte. Die neue Strategie sieht hier ein deutlich strafferes Management vor, was Stellantis-Boss Filosa kürzlich bereits angekündigt hatte.
Bis 2030 plant der Konzern über alle Marken hinweg zwar mehr als 60 Neueinführungen und 50 signifikante Modellaktualisierungen, doch der Löwenanteil der geplanten Investitionen – rund 70 Prozent – fließt gezielt in die ertragsstärksten globalen Zugpferde: Jeep, Ram, Peugeot und Fiat sowie in die Nutzfahrzeugsparte Pro One.
Andere traditionsreiche Marken müssen sich mit regionalen oder sehr spitzen Nischenrollen begnügen. Während Opel, Citroën, Dodge, Chrysler und Alfa Romeo ihre regionalen Stärken ausspielen sollen, werden DS Automobiles und Lancia als reine "Spezialmarken" unter der Führung von Citroën und Fiat weiterentwickelt.
Lancia wird "Spezialmarke" unter der Führung von Fiat
Auffällig ist die Hängepartie bei der Luxusmarke Maserati: Hier kündigt der Konzern lediglich zwei neue Fahrzeuge im E-Segment an, vertröstet Investoren für eine detaillierte Roadmap jedoch auf Dezember 2026. Dennoch zeigt sich der Konzernchef optimistisch: "Jede Marke von Stellantis wird eine klare Rolle bei der Erfüllung unserer FaSTLAne 2030-Ziele spielen."
Milliarden für Technologie und schnelle Zyklen
Um in der hart umkämpften Branche wettbewerbsfähig zu bleiben, fließen in den nächsten fünf Jahren insgesamt 24 Milliarden Euro in globale Plattformen und neue Technologien. Das entspricht 40 Prozent der gesamten Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Stellantis setzt dabei stark auf Modularität und die neue "STLA One"-Architektur.
Bis 2030 soll die Hälfte der weltweiten Produktion auf nur noch drei Plattformen basieren. Technologisch verabschiedet sich Stellantis von einer reinen Elektro-Strategie und propagiert stattdessen einen "Multi-Energie-Ansatz", der neben neuen Elektrofahrzeugen auch Plug-in-Hybride und hocheffiziente Verbrennungsmotoren umfasst.
Gleichzeitig will das Unternehmen durch ein sogenanntes "Wertschöpfungsprogramm" massiv Kosten senken. Bis 2028 sollen jährlich sechs Milliarden Euro eingespart werden. Einen großen Hebel sieht das Management hierbei in der radikalen Verkürzung der Entwicklungszyklen von derzeit bis zu 40 Monaten auf künftig nur noch 24 Monate.
Kapazitätsabbau in Europa und neue Partnerschaften
Besonders kritisch für den europäischen Standort dürften allerdings die Pläne zur "Optimierung der Produktionsstandorte" ausfallen, denn hinter diesem Begriff verbirgt sich ein massiver Kapazitätsabbau: In Europa sollen die Produktionskapazitäten um mehr als 800.000 Einheiten reduziert werden.
Der Konzern begründet diesen Schritt mit dem Ziel, die Auslastung der verbleibenden Werke bis 2030 von derzeit 60 Prozent auf 80 Prozent zu steigern. Um die Arbeitsplätze dennoch zu erhalten, spricht Stellantis von der Umwidmung von Werken, etwa im französischen Poissy, und einer verstärkten Zusammenarbeit mit asiatischen Partnern.
Tatsächlich öffnet Stellantis den chinesischen Autobauern zunehmend die Tür nach Europa, um den "Made-in-Europe"-Anforderungen gerecht zu werden. So sollen in den Werken in Madrid und Saragossa (beides Spanien) künftig gemeinsame Projekte mit Leapmotor umgesetzt werden, an dem Stellantis bereits die Mehrheit hält. Opel hatte bereits angekündigt, 2028 ein SUV mit Leapmotor-Technik zu bringen.
Ein weiteres Joint Venture ist mit dem langjährigen Partner Dongfeng geplant, dessen Produktion im französischen Rennes anlaufen soll. Während in Europa der Rotstift angesetzt wird, fließen im Gegensatz dazu 60 Prozent der globalen Produkt- und Markeninvestitionen nach Nordamerika, wo Stellantis ein Umsatzwachstum von 25 Prozent anstrebt.
Stellantis "FaSTLAne 2030": Der Weg in die Umsetzung
Trotz der harten Einschnitte und der extrem ehrgeizigen Kostenziele gibt sich die Führungsriege geschlossen und siegessicher. Filosa hob die Bedeutung der Belegschaft für die Mammutaufgabe hervor, auch wenn die Strategie zweifellos eine enorme Belastungsprobe für ebenjene darstellen wird. "Wir haben großartige Mitarbeiter, die Kraft globaler Größe und unvergleichliche Marken, die Menschen verbinden und inspirieren", sagt der Stellantis-Boss.
Bildergalerie: Antonio Filosa, neuer CEO von Stellantis
"Zudem haben wir tiefe lokale Wurzeln in unseren Regionen und bei unseren Handelspartnern, um die besonderen Bedürfnisse unserer Kunden zu erfüllen, sowie einen unermüdlichen Fokus auf Innovation und Exzellenz in der Umsetzung. Mit diesen Stärken sind wir einzigartig positioniert, um Freude, Funktionalität und Erschwinglichkeit zu bieten. Hinzu kommen die sich beschleunigenden und verstärkenden Vorteile unserer Win-Win-Partnerschaften. Damit haben wir alles, was wir brauchen, um unsere FaSTLAne 2030-Ziele zu erreichen.", so Filosa.
"Der Erfolg von FaSTLAne 2030 basiert auf dem großen Talent und dem starken Engagement unseres Stellantis-Teams. Wir werden als ein Team mit vollem Einsatz arbeiten, um schrittweise profitables Wachstum zum Wohle aller unserer Stakeholder zu erzielen." Ob diese ambitionierte Rechnung angesichts des schwierigen Marktumfelds und der tiefgreifenden Umstrukturierungen in Europa am Ende aufgeht, werden die kommenden fünf Jahre zeigen müssen.
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