Kooperation mit Chery soll größtes Nissan-Werk in Europa retten
Im englischen Nissan-Werk Sunderland könnte ab 2027 die Serienproduktion chinesischer Fahrzeuge starten
Es ist eine Entwicklung, die den tiefgreifenden Wandel der globalen Automobilindustrie kaum deutlicher illustrieren könnte: Im Nissan-Werk Sunderland, der größten Autofabrik Großbritanniens, könnten schon bald chinesische Fahrzeuge vom Band rollen. Die Pläne, die im Frühjahr noch als theoretische Möglichkeit gehandelt wurden, nehmen konkrete Formen an.
Automobilhersteller Nissan und Chery International UK haben eine unverbindliche Absichtserklärung, ein sogenanntes Memorandum of Understanding (kurz MoU), unterzeichnet. Ziel der Vereinbarung ist es, die weitreichenden Möglichkeiten einer künftigen Auftragsfertigung auszuloten. Für die europäische Industrie ist dies ein historischer Wendepunkt, denn es wäre die erste Serienproduktion chinesischer Autos auf britischem Boden.
Noch sind die Verhandlungen nicht rechtlich bindend und weitere Details bleiben vorerst unter Verschluss, doch die Weichen für eine fundamentale Partnerschaft sind bereits gestellt. Sollte der Deal finalisiert werden, beinhaltet die Vereinbarung die Option, dass Nissan ab dem Geschäftsjahr 2027 die Produktion von Fahrzeugen des chinesischen Herstellers aufnehmen könnte. Dafür ist die Produktionslinie eins vorgesehen.
Rettungsanker für das Nissan-Werk Sunderland
Dieser strategische Schritt folgt auf eine Ankündigung von Nissan aus dem Mai, in der das Unternehmen mitteilte, seine eigenen Produktionsaktivitäten auf die Linie zwei zu konsolidieren. Ziel dieser Maßnahme war es, die Auslastung des Werks weiter zu optimieren und neue Nutzungsmöglichkeiten für die freigewordenen Kapazitäten zu prüfen.
Der Hintergrund dieser Entwicklung liegt in den aktuellen Herausforderungen des Standorts: Das größte Automobilwerk Großbritanniens, in dem Nissan aktuell Modelle wie das SUV Qashqai, den Juke und das Elektroauto Leaf fertigt, operierte zuletzt spürbar unter seiner Maximalkapazität von rund 600.000 Einheiten. Im vergangenen Jahr liefen dort lediglich knapp über 270.000 Fahrzeuge vom Band.
Eine Auftragsfertigung könnte somit ein entscheidender Hebel sein, um die Auslastung zu steigern und langfristig Arbeitsplätze in der durch globale Umstrukturierungen geprägten Zeit zu sichern. Massimiliano Messina, Chairman der Nissan AMIEO Region (Afrika, Naher Osten, Indien, Europa und Ozeanien) erklärt: "Dies ist ein wichtiger Schritt für unsere Fertigungsaktivitäten in Europa. Wir freuen uns darauf, in den kommenden Monaten gemeinsam mit Chery International UK an einer für beide Partner optimalen Lösung zu arbeiten."
Der unaufhaltsame Aufstieg der neuen Konkurrenz
Die mögliche Zusammenarbeit markiert einen bedeutsamen Wandel in der europäischen Automobilindustrie, weil es sich um die erste Serienproduktion chinesischer Autos in Großbritannien handeln würde. Der teilweise in Staatsbesitz befindliche Chery-Konzern baut seine Präsenz auf dem britischen Markt derzeit massiv aus und konnte mit neu eingeführten Modellen der Marken Omoda und Jaecoo bereits beachtliche Verkaufserfolge verzeichnen.
Zudem untermauert das Unternehmen seine ehrgeizigen Ambitionen durch ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum für Nutzfahrzeuge in Liverpool. Die Annäherung zwischen Nissan und Chery kommt nicht völlig überraschend, nachdem der japanische Hersteller in der jüngeren Vergangenheit bereits Fabriken in Spanien und Südafrika an Chery veräußert hatte.
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