Volvo EX30 Cross Country im Dauertest (3): Trotzdem geliebt
428 PS, Dachkorb und kleine Macken: Nach drei Monaten Dauertest ziehen wir Bilanz
Ein Rasenmäher auf dem Dach eines 428 PS starken Elektroautos klingt nicht unbedingt nach skandinavischem Abenteuer. Für unseren Volvo EX30 Cross Country war es trotzdem der passende Abschluss. Nach drei Monaten und mehr als 5.700 Kilometern endet unser Dauertest und der kleine Schwede hinterlässt gemischte, aber erstaunlich emotionale Gefühle.
Der Dachkorb durfte zum Schluss tatsächlich arbeiten. Rasenmäher, Autoreifen, Holz und anderes sperriges Zeug lassen sich dort problemlos transportieren, während der Kofferraum sauber bleibt. Praktisch ist das durchaus. Dauerhaft würden wir ihn trotzdem nicht montiert lassen. Schon ab etwa 80 bis 90 km/h wird der Korb hörbar, auf der Autobahn entwickelt sich daraus ein ziemlich penetrantes Rauschen.
Dabei passt das Teil optisch hervorragend zum Cross Country. Mit groben Reifen, Schmutzfängern und Dachkorb sieht der 4,23 Meter kurze Volvo ein bisschen aus wie ein elektrisches Suzuki-Jimny-Försterauto. Unter dem Outdoor-Kostüm steckt allerdings ein ziemlich absurdes Kraftpaket: Zwei Elektromotoren liefern zusammen 315 kW (428 PS) und 543 Nm. Tempo 100 fällt nach 3,7 Sekunden.
Brauchen? Eher nicht. Spaß machen? Definitiv. Im normalen Alltag fährt der EX30 angenehm gelassen, komfortabel und unkompliziert. Erst beim beherzten Tritt aufs Strompedal zeigt er, was in ihm steckt. Dann schiebt der kleine Allradler derart vehement an, dass seine Förster-Optik endgültig zur Tarnung wird.
Ganz so lustig ist der Blick auf den Verbrauch nicht. Nach exakt 5.712,5 Kilometern standen durchschnittlich 21,9 kWh/100 km im Bordcomputer. Mit dem 65-kWh-Akku bedeutete das im Alltag meist rund 280 bis 300 Kilometer Reichweite. Die All-Terrain-Reifen und der aerodynamisch wenig hilfreiche Dachkorb dürften ihren Teil dazu beigetragen haben. Ein Effizienzkünstler ist der EX30 Cross Country trotzdem nicht.
Beim Laden sieht es besser aus. An der Schnellladesäule erreichte unser Volvo kurzzeitig 157 kW, bereits nach 43 Sekunden lagen 151 kW an. Dazu kommt ein weiterer Pluspunkt unseres Testwagens: der 22-kW-Onboard-Charger. An einer passenden AC-Säule lässt sich der Akku damit in gut vier Stunden wieder füllen.
Im Innenraum blieben dagegen einige Dinge nervig. Spiegelverstellung über Display und Lenkradtasten, digital öffnendes Handschuhfach oder die Umschaltung der Fensterheber zwischen Vorder- und Hintertüren haben uns auch nach drei Monaten nicht überzeugt. Das Google-basierte Infotainment funktionierte dagegen schnell und zuverlässig.
Und der Platz? Allein oder zu zweit funktioniert der EX30 prima. Als Familienauto mit Kind, Hund und Gepäck wurde es uns auf Dauer zu eng. Der Kofferraum fasst 318 bis 1.000 Liter, hinten wird es hinter großen Fahrern knapp. Als Zweitwagen würden wir ihn sofort nehmen, als einziges Familienauto eher nicht.
Bleibt die entscheidende Frage: Braucht man den Cross Country? Nein. Der Dachkorb ist laut, die robuste Optik schafft keinen zusätzlichen Platz und 428 PS sind in einem 4,23-Meter-SUV ungefähr so notwendig wie eine Motorsäge beim Sonntagsspaziergang. Trotzdem war der EX30 Cross Country einer der emotionalsten Stromer in unserem Dauertest. Er sieht klasse aus, fährt gut und hat Charakter. Oder anders gesagt: Wir mochten den kleinen Scheißer.
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