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Abarth-Alfa Romeo 1300 Berlinetta (1959): Colani der Zeit voraus

Der Prototyp entstand auf der Basis der Giulietta Spider – eine futuristische Aerodynamik traf auf 110 PS und 780 kg

Abarth 1300 Colani (1959)
Bild von: Abarth

Es gibt Automobile, die gebaut wurden, um Rennen zu gewinnen, und andere, die zu Symbolen der Innovation werden. Der Abarth Alfa Romeo 1300 Berlinetta von Colani gehört zweifellos in beide Kategorien.

Der 1959 vorgestellte außergewöhnliche Einzelgänger vereint das technische Genie von Carlo Abarth mit der visionären Kreativität des deutschen Designers Luigi "Lutz" Colani. Das Ergebnis ist ein Coupé mit revolutionären Formen, das den Wind herausfordern sollte, noch bevor es gegen seine Gegner antrat. 

Abarth 1300 Colani (1959)

Abarth 1300 Colani (1959)

Bild von: Abarth

Die Zusammenarbeit von Carlo Abarth und Luigi Colani

Ende der 1950er-Jahre konzentriert sich Carlo Abarth stark auf die Leistungssteigerung von Fahrzeugen mit kleinem Hubraum. Überzeugt davon, dass höhere Geschwindigkeiten nicht allein durch mehr Leistung erreicht werden, widmet er der Aerodynamik große Aufmerksamkeit. Seine Fahrzeuge, oft mit Motoren zwischen 350 und 1.300 ccm ausgestattet, stellen dank der effizienten Karosserie zahlreiche internationale Rekorde auf.

Für ein noch ambitionierteres Projekt beauftragt er 1957 Colani mit der Entwicklung einer experimentellen Karosserie auf Basis der Plattform des Alfa Romeo Giulietta Spider. Nach einem Unfall mit einem früheren Abarth-Alfa-Romeo-Prototypen entwirft Colani das Fahrzeug vollständig neu und formt daraus die berühmte 1300 Berlinetta, die 1959 vorgestellt wird.

Das Auto fällt sofort durch eine Optik auf, die sich deutlich von den Sportwagen jener Zeit unterscheidet. Colani setzt seine "biodynamische" Philosophie um, die auf weichen, fließenden und von der Natur inspirierten Formen basiert. 

Die Front prägt eine lange, schlanke Motorhaube, die an einige von Pininfarina untersuchte Lösungen erinnert, während die markante Dachlinie mit Doppelhutze an die sportliche Tradition von Abarth anknüpft. Noch innovativer ist das Heck, das so gestaltet wurde, dass es Turbulenzen reduziert und die Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten verbessert.

Abarth 1300 Colani (1959)

Abarth 1300 Colani (1959)

Bild von: Abarth

Besondere Aufmerksamkeit gilt auch dem Unterboden des Fahrzeugs. Colani entwickelt dafür spezielle Lösungen zur Optimierung der Luftströme und nimmt damit eine Konstruktionsphilosophie vorweg, die erst viele Jahrzehnte später grundlegend werden sollte.

Erstaunliche Fahrleistungen

Die Berlinetta wird von einem 1,3-Liter-Alfa Romeo-Motor angetrieben, der rund 81 kW (110 PS) leistet. Bei einem Gewicht von nur 780 Kilo reicht das für spannende Fahrwerte aus. Dank des exzellenten Leistungsgewichts und der extrem aerodynamischen Karosserie erreicht das schlanke Ding eine Höchstgeschwindigkeit von rund 210 km/h.

Die fahrdynamischen Qualitäten stellt die Berlinetta außerdem auf dem Nürburgring unter Beweis, wo sie eine Runde in weniger als zehn Minuten absolvieren kann.

Zur Serienproduktion kommt es bei der 1300 Berlinetta allerdings nie. Sie bleibt ein Einzelstück, das in erster Linie als Technologieträger entstand. Gerade diese Exklusivität macht sie jedoch zu einer der faszinierendsten Konzeptstudien der europäischen Automobilgeschichte.

Bildergalerie: Abarth 1300 Colani (1959)