So feiert Amerika unsere Autos: Legends of the Autobahn 2026
Hunderte deutsche Autos auf einem Golfplatz, wilde Mercedes-Umbauten und jede Menge BMW: Wir waren bei den Legends of the Autobahn
Wer während der Monterey Car Week genug von millionenschweren Ferrari und streng bewerteten Concours-Klassikern hat, sollte nach Pacific Grove fahren. Dort treffen sich einmal im Jahr BMW, Mercedes und Audi auf einem Golfplatz. 2026 waren wir bei den "Legends of the Autobahn" dabei. Und schnell wurde klar, dass die drei deutschen Marken höchst unterschiedlich auftreten.
Die 16. Ausgabe fand am Donnerstag, 13. August, auf den Pacific Grove Golf Links statt. Nach anderen Austragungsorten kehrte das Treffen damit an die Anlage direkt am Pazifik zurück. Hinter der Veranstaltung stehen der BMW Car Club of America, der Mercedes-Benz Club of America und der Audi Club North America. Neben bewerteten Concours-Klassen gibt es sogenannte Corrals für Autos, deren Besitzer einfach dabei sein wollen.
Bildergalerie: Legends of the Autobahn 2026
Und davon gibt es normalerweise reichlich. Die Veranstalter sprechen von typischerweise 350 bis 400 Fahrzeugen. Eine endgültige Zahl für 2026 wurde bislang nicht veröffentlicht. Für Zuschauer ist der Eintritt sogar kostenlos. Das alles macht die Veranstaltung deutlich zugänglicher als viele andere Programmpunkte der Monterey Car Week.
Erst Regen, dann Sonne
Das kalifornische Bilderbuchwetter hatte am Donnerstagmorgen allerdings frei. Leichter Nieselregen lag über dem Golfplatz und machte die ersten Stunden ziemlich feucht. Später kam die Sonne heraus und mit ihr wurden die Wege zwischen den Autos merklich voller.
Die Fahrzeuge stehen nach Marken sortiert auf dem kurz geschnittenen Rasen. Und schon beim ersten Rundgang fällt auf, wer hier zahlenmäßig den Ton angibt. BMW. Die Münchner stellen mit Abstand das größte Feld. Gefühlt nimmt die BMW-Abteilung einen erheblichen Teil des Golfplatzes ein.
Bei BMW fehlt eigentlich nichts
Wer BMW mag, kann hier viel Zeit verbringen. Vom Z1 über den Z8 und mehrere 2002 bis hin zum M1 und 850 CSi findet sich fast alles, was in den vergangenen Jahrzehnten selten, schnell oder einfach interessant war. Dazu kommen alte 6er, zahlreiche M-Modelle und weniger offensichtliche Kandidaten.
BMW North America nutzte die Veranstaltung außerdem für einen Rückblick auf 40 Jahre M3. 2026 feiert das Modell tatsächlich seinen 40. Geburtstag, nachdem der erste M3 1986 erschien. Entsprechend reichte die ausgestellte Ahnenreihe vom E30 bis zur aktuellen Generation. Das M3-Jubiläum zieht sich ohnehin durch mehrere Veranstaltungen der diesjährigen Monterey Car Week.
Bei aller Hochwertigkeit fühlt sich das hier trotzdem nicht nach einem steifen Concours an. Viele Fahrzeuge gehören Clubmitgliedern und privaten Enthusiasten. Wer will, lässt sein Auto bewerten und tritt gegen andere Teilnehmer an. Wer darauf keine Lust hat, stellt es einfach im Corral ab.
Mercedes darf deutlich wilder sein
Noch interessanter wird es bei Mercedes. Der Mercedes-Benz Club of America feiert 2026 seinen 70. Geburtstag. Entsprechend breit fällt die Auswahl aus. Neben original erhaltenen Klassikern finden sich stark modifizierte Umbauten, Patina-Autos und einige Exemplare, bei denen Puristen vermutlich lieber zweimal wegsehen.
Besonders der Club S aus Los Angeles lässt die Besucher einiges aushalten. Da steht etwa eine Maybach S-Klasse, deren Dach kurzerhand verschwunden ist. Der Umbau zum Landaulet gibt von hinten den Blick auf Teile der Instrumentierung frei. Daneben finden sich tiefergelegte S-Klassen, wilde Umbauten, bunte Mercedes und Autos mit reichlich Patina.
Manches ist spektakulär, anderes schwer zu verdauen. Ein massiv umgebauter 300 SL gehört für uns eindeutig in die zweite Kategorie. Aber genau darum geht es den Besitzern offenbar. Sie wollen nicht jedem gefallen. Zwischen diesen Provokationen stehen wiederum wunderschöne, teilweise sehr alte Mercedes in hervorragendem Zustand.
Eine schöne Ergänzung ist die Replika des Benz Patent-Motorwagens. Neben all den M-Modellen, RS-Audis und getunten S-Klassen wirkt das dreirädrige Gefährt beinahe zerbrechlich. Und erinnert ganz nebenbei daran, wo die Geschichte des Automobils einmal angefangen hat.
Sogar ein 1.200-PS-Lotec steht da
Ein weiteres Highlight liefert ebenfalls die Mercedes-Fraktion. Auf dem Golfplatz steht ein Lotec Sirius. Der extrem seltene deutsche Supersportwagen nutzt einen Mercedes-V12 und soll in dieser Ausführung 1.200 PS leisten. Ein Auto, das selbst zwischen den vielen Exoten der Monterey Car Week nicht gerade alltäglich ist.
Die Mischung macht Mercedes für uns zum unterhaltsamsten Bereich der Veranstaltung. Hier steht Original neben Umbau, Hochglanz neben Patina und historische Bedeutung neben kalifornischer Tuning-Kultur. Nicht jedes Ergebnis gefällt, aber langweilig wird es nie.
Audi bleibt ziemlich brav
Und Audi? Da hatten wir uns ehrlich gesagt mehr erhofft. Zwei Ur-quattro, ein Audi V8 sowie RS2, RS4 und verschiedene RS6 sorgen durchaus für interessante Momente. Dazu kommen weitere sportliche Modelle aus mehreren Generationen.
Aber im direkten Vergleich mit der schieren BMW-Masse und dem teilweise komplett entfesselten Mercedes-Auftritt bleibt Audi erstaunlich zurückhaltend. Gerade bei einem Treffen dieser Art hätten ein paar wirklich seltene Sondermodelle oder ungewöhnliche Klassiker gutgetan. Schöne Autos gibt es genug, den ganz großen Überraschungsmoment dagegen kaum.
Vielleicht ist das ungerecht. Ein Ur-quattro oder RS2 ist schließlich alles andere als langweilig. Aber bei den "Legends of the Autobahn" steht so viel außergewöhnliches Material herum, dass die Messlatte ziemlich hoch liegt. Für uns war das Audi-Feld jedenfalls der Teil des Golfplatzes, den man am schnellsten durchquert hatte.
Vielleicht ist genau das der Reiz
Was die "Legends of the Autobahn" von vielen anderen Veranstaltungen der Monterey Car Week unterscheidet, sind ohnehin weniger die Autos als deren Besitzer. Hier stehen keine Absperrungen zwischen Besucher und Fahrzeug. Man kommt ins Gespräch, Motorhauben werden geöffnet, Details erklärt und Geschichten erzählt.
Vor allem fällt auf, wie entspannt die amerikanische Szene miteinander umgeht. Der eine hat einen perfekten Klassiker, der nächste einen wilden Umbau und ein paar Meter weiter steht ein Auto, dessen Wert längst sechsstellig sein dürfte. Trotzdem hat man selten das Gefühl, dass sich hier jemand über den anderen stellen muss.
Dazu kommen ein paar Verkaufsstände, Clubzelte und die Preisverleihung. Im Kern bleibt das Ganze aber ein großes, ziemlich hochwertiges Autotreffen auf einem Golfplatz. Genau das macht den Charme aus. Weniger steif als ein klassischer Concours, aber mit einer Fahrzeugauswahl, für die sich der Weg nach Pacific Grove definitiv lohnt.
Und wer sich über die auffällige Porsche-Abstinenz wundert: Die Zuffenhausener haben während der Monterey Car Week ihre eigene Veranstaltung. Bei den "Legends" gehört der Rasen deshalb vor allem BMW, Mercedes und Audi. 2026 mit einem ziemlich eindeutigen Kräfteverhältnis: BMW bringt die Masse und viele der Raritäten, Mercedes den Mut zum Wahnsinn und Audi die vernünftigste Auswahl.
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