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So will der Volkswagen-Konzern seine Teilevielfalt vereinfachen

90 Prozent weniger Sitzvarianten für die Luxusmarken, die zudem die Hälfte ihrer Räderoptionen verlieren sollen

beleuchtetes VW-Logo
Bild von: Volkswagen

Nach vielen profitablen Jahrzehnten ist China für die etablierten Autohersteller keine Gelddruckmaschine mehr. Seit mehreren Jahren befinden sich praktisch alle westlichen Marken im weltweit größten Automarkt auf abschüssiger Bahn. Dabei ist nicht nur der Selbstläufer vorbei.

Der kometenhafte Aufstieg chinesischer Marken macht sich inzwischen auch in anderen Teilen der Welt deutlich bemerkbar. Im vergangenen Monat kamen SAIC, BYD und Geely zusammen auf einen Marktanteil von 10,9 Prozent am europäischen Neuwagenmarkt, wie aus von Automotive News Europe zitierten Dataforce-Zahlen hervorgeht.

Bildergalerie: BYD Dolphin G DM-i (2026)

Die traditionsreichen Hersteller versuchen mit einer schnellen Flut neuer Modelle gegenzuhalten, wissen aber, dass das allein weder Vorstände noch Controller zufriedenstellen wird. Drastische Sparmaßnahmen sind notwendig, und der Volkswagen-Konzern hat besonders deutlich gemacht, wie er zu einem schlankeren und effizienteren Automobilhersteller werden will. Angekündigt ist eine faktische Ausdünnung des Produktportfolios durch den Wegfall von bis zu der Hälfte der Modelle.

Als wäre das nicht schon brisant genug, soll auch die Zahl der verfügbaren Optionen um satte 75 Prozent sinken. In einem offiziellen Dokument für Investoren im Anschluss an die Halbjahreszahlen erläutert der deutsche Automobilkonzern genauer, wie die Variantenvielfalt bei Komponenten radikal verschlankt werden soll.

Reduzierung der Komponentenvielfalt im Volkswagen Konzern
Foto: Volkswagen

Mainstream- und Premiummarken gleichermaßen betroffen

BGC bezeichnet die Hersteller der Brand Group Core: Volkswagen, Skoda, Seat, Cupra und VW Nutzfahrzeuge. Bei diesen Marken soll die Variantenvielfalt bei Scheinwerfer-Komponenten um bis zu 60 Prozent reduziert werden. Zudem will der Konzern die Zahl der Teile für Frontstoßfänger halbieren und die Anzahl der Hauptmodule für Sitze um 30 Prozent senken.

BGP steht für Brand Group Progressive und umfasst Audi, Bentley und Lamborghini. Auch bei diesen höher positionierten Marken wird das Teileprogramm vereinfacht: Die Variantenvielfalt bei Sitz-Komponenten soll um 90 Prozent sinken, die Zahl der Lenkräder um 60 Prozent. Gleichzeitig wird die Auswahl an Leichtmetallrädern im Vergleich zum heutigen Angebot halbiert.

Porsche ist das einzige Mitglied der Division Brand Group Sport Luxury und scheint von solchen Kürzungen verschont zu bleiben. Ganz unproblematisch ist die Lage in Zuffenhausen dennoch nicht. Erst gestern kündigte das Unternehmen an, bis 2035 5.000 Stellen abzubauen. Weihnachtsboni werden von bis zu 100 Prozent eines Monatsgehalts auf 60 Prozent reduziert, weitere Gehaltserhöhungen wurden zudem auf 2035 verschoben. Eine Prämie für IG-Metall-Mitglieder gibt es dennoch.

Nachdem Porsche seinen Anteil am Joint-Venture Bugatti Rimac kürzlich verkauft hat, kappt die Marke aus Molsheim die Verbindungen zum VW-Konzern, unter dessen Dach sie seit 1998 gehörte.

Produktionskürzungen

Reduzierung der Produktionskapazitäten im Volkswagen Konzern
Foto: Volkswagen

Neben der Reduzierung des Modellprogramms um bis zu 50 Prozent und der Kürzung der Teilevielfalt um 75 Prozent baut der VW-Konzern auch Produktionskapazitäten ab. Bereits geschlossen wurde das Werk in Brüssel, Belgien, in dem bis 2025 der Audi Q8 e-tron und der Q8 Sportback e-tron gebaut wurden. Das Dresdner Werk, einst Heimat des Phaeton und später des ID.3, wurde in einen Technologie-Campus umgewandelt.

Andernorts wurden die Standorte Nanjing, Ningbo I und Urumqi in China entweder bereits geschlossen oder befinden sich im Prozess der Betriebsbeendigung. Zudem fährt der VW-Konzern die Produktion an sechs deutschen Werken und zwei chinesischen Standorten zurück: Wolfsburg, Ingolstadt, Zwickau, Neckarsulm, Emden, Hannover, Anting I und Changchun I.

Durch diese Maßnahmen sinkt die jährliche Produktionskapazität von 12 Millionen auf 10 Millionen Fahrzeuge. Nach Angaben des Unternehmens müssen in Europa jedoch weitere 500.000 Einheiten und in China nochmals 500.000 Einheiten wegfallen, um die gesamte Jahreskapazität auf 9 Millionen Fahrzeuge zu senken.

Reduzierung des Produktportfolios im Volkswagen Konzern
Foto: Volkswagen

Der VW-Konzern war einst stolz auf eine enorme Modellvielfalt und umfangreiche Optionslisten, doch diese Zeiten gehen zu Ende. Eine derart komplexe Aufstellung zu pflegen, reicht nicht mehr aus, um profitabel zu bleiben. Angesichts des verschärften Wettbewerbs werden tiefgreifende Einschnitte zur dringenden Notwendigkeit.

Es spricht vieles dafür, dass Online-Konfiguratoren in den kommenden Jahren deutlich einfacher werden, denn alle Zeichen deuten auf einen beispiellosen Standardisierungskurs bei einem Konzern hin, der lange als kaum zu schlagender Auto-Gigant galt.