Der Wettlauf um die Elektrifizierung der Automobilindustrie zwischen dem Westen und Asien läuft auf Hochtouren. Schon in naher Zukunft soll ein großer Teil der Weltbevölkerung emissionsfreie Fahrzeuge fahren. Viele Autohersteller versuchen daher, sich am Markt zu positionieren, um auch langfristig eine wichtige Rolle zu spielen.

China gibt bei der vollelektrischen Mobilität momentan global das Tempo vor. Der Westen schaut zu und versucht die klaffende Lücke irgendwie zu schließen. Die europäischen Automobilhersteller wollen Zeit gewinnen und kooperieren daher immer öfter mit ihren schnell wachsenden Konkurrenten.

Bildergalerie: Leapmotor T03

Nachdem die chinesische Automobilindustrie jahrzehntelang von anderen gelernt hat, beweist diese selbst inzwischen, dass sie ihre Vorbilder nicht nur bei den weltweiten Verkäufen überholt haben, sondern ebenfalls in der Lage sind, qualitativ hochwertige, effiziente und erschwingliche Autos herzustellen. Wenn die Lösung der Klimakrise auch in der Elektromobilität liegen soll, brauchen Europa, die USA, Korea und Japan die Fertigkeiten Chinas.

Die Vorteile der Zusammenarbeit

Das zeigt auch Stellantis jüngster Erwerb eines 20 prozentigen Anteils an Leapmotor, der einer Reihe weiterer Vereinbarungen, wie denen zwischen BMW und Great Wall Motor (GWM), Mercedes und Geely und VW mit Xpeng folgt. Doch wie erfolgversprechend ist Leapmotor für Stellantis?

<p>Sprungmotor T03</p>

Sprungmotor T03

<p>Sprungmotor C10</p>

Sprungmotor C10

Die Kooperation zwischen den beiden Unternehmen scheint eine Win-Win-Situation. Leapmotor gehört zwar nicht zu den großen acht chinesischen Unternehmen (BYD, Chery, Changan, Dongfeng, Geely, GAC, GWM und SAIC), steckt jedoch ebenfalls nicht in finanziellen Schwierigkeiten. Im vergangenen Jahr verkaufte das Unternehmen rund 144.000 Neuwagen, davon 99.500 vollelektrisierte Fahrzeuge. Leapmotor gilt als wichtiges und gesundes Start-Up-Unternehmen. Ebenso wie NIO (160.000 Einheiten), Xpeng (142.000 Einheiten), Hozon (127.000) und Li Auto (376.000 Einheiten).

Leapmotor kann Stellantis also nicht nur mit Auftragsvolumen, sondern auch mit Kenntnissen von Elektroautos und deren Technologien versorgen. Pläne, diesen Vorteil in Europa mit der Einführung der chinesischen Marke ab September 2024 zu nutzen, wurden bereits kommuniziert.

Was schief gehen könnte

Mit Blick auf die Produktpalette der chinesischen Marke könnte das Vorhaben jedoch ins Stocken geraten. Geplant ist die Einführung des Leapmotor T03 und C10 auf neun europäischen Märkten. Diese beiden Fahrzeuge sind Teil einer breiteren Palette, zu der auch die Modelle C01, C11 und C16 gehören. Zusammengefasst handelt es sich um zwei mittelgroße SUVs, einen großen SUV, eine Limousine und ein Stadtauto. Keines dieser Modelle wird wohl für europäische Autofahrer von Interesse sein.

Motor1 Numbers: Wie sinnvoll ist Leapmotor für Stellantis?

Der T03 ist ein kleines Elektroauto. Stellantis dürfte dank des Fiat 500 und des Panda (der in Italien sehr gut läuft) die solide Position im A-Segment in Europa aus Mangel an Konkurrenz behalten, auch wenn die Verkäufe in diesem Segment weiterhin rückläufig sind.

Im Jahr 2014 machten diese Fahrzeuge 8,9 Prozent der Gesamtzulassungen in Europa aus. In diesem Jahr lag ihr Marktanteil bis April nur noch bei 4,9 Prozent. Stellt sich die Frage, ob europäische Autofahrer wirklich ein weiteres Stadtauto einer unbekannten Marke brauchen.

Dann ist da noch der C10: mit 4,73 Meter ein fünfsitziges Elektro-SUV mittlerer Größe. In etwa die selbe Größe besitzen Tesla Model Y (4,75 Meter), Toyota bZ4X (4,69 Meter) und der siebensitzige Mercedes EQB (4,68 Meter). Bislang ist jedoch jeder Versuch, die solide Position des Model Y zu untergraben, gescheitert. Warum sollte ein (für europäische Verhältnisse) unbekanntes weiteres SUV jetzt plötzlich erfolgreicher sein?

Der einzige Vorteil, der Stellantis und Leapmotor mit einer Einführung der Marke bleibt, dürfte ein äußerst konkurrenzfähiger Preis sein.