Diese Baureihen könnte der Volkswagen-Konzern bis 2030 streichen
Fest steht: Die Modellpalette wird schrittweise um bis zu 50 Prozent gestrafft
Der Volkswagen-Konzern setzt den ganz dicken Rotstift an. Laut den jüngst veröffentlichten Plänen will man Komplexität und Variantenvielfalt im Produktportfolio reduzieren, Produkte, Technologien und Entwicklung noch regionaler an den Märkten ausrichten, Kapazitäten im Produktionsnetzwerk an die Markterwartungen anpassen sowie die Strukturen und das Beteiligungsportfolio straffen.
Bedeutet: Die Schließung von deutschen Werken und ein Abbau von Arbeitsplätzen ist nicht unwahrscheinlich. Hierzu gibt es aber noch keine Konkretisierungen. Fest steht hingegen: Die Modellpalette wird schrittweise um bis zu 50 Prozent gestrafft und konzentriert sich auf die attraktivsten Marktsegmente.
Auf der Kippe? Das VW-Fahrzeugwerk in Zwickau
Gleichzeitig schraubt der VW-Konzern seine jährliche Produktionskapazität auf nur noch neun Millionen Fahrzeuge herunter. Das ist ein meilenweiter Unterschied zu den Zeiten vor Corona, als das Unternehmen noch kräftig investierte, um die Kapazitäten auf rund 12 Millionen Autos auszuweiten. Seit der Pandemie hat Volkswagen die Produktion bereits um zwei Millionen Einheiten gedrosselt und will nun nochmals eine Million streichen.
Die Angebotskomplexität (zum Beispiel die Anzahl möglicher Ausstattungsoptionen) wird um bis zu 75 Prozent reduziert. Damit werden Investitionen und Entwicklungsressourcen auf die Produkte und Technologien fokussiert, die den größten Mehrwert für Kundinnen und Kunden sowie den höchsten Wertbeitrag für den Konzern liefern.
Eine Aufgabe, die in erster Linie dem Vertrieb zufällt. Er wird auswerten, welche Ausstattungsoptionen nur wenig nachgefragt sind. Gleiches gilt für ganze Baureihen. Wir schauen uns trotzdem einmal an, welche Modelle in Europa wegfallen könnten. Wohlgemerkt: könnten, denn zum jetzigen Zeitpunkt sind dies alles nur Spekulationen. Beginnen wir alphabetisch.
Audi
Auch bei Audi lichten sich die Reihen: Nach dem Aus für TT, R8 und Q8 e-tron in den letzten Jahren haben sich die Ingolstädter kürzlich auch vom Kleinwagen A1 und dem City-SUV Q2 verabschiedet. Neu ins Programm rückt hingegen ein A2 e-tron auf der Basis des VW ID.3 Neo.
Ebenso kommen ein neuer Q7 und erstmals ein Q9. Generell sind die SUVs von Audi erfolgreich, doch die Sportback-Varianten von Q3 und Q5 könnten zu Sparopfern werden. Auch ein Nachfolger für den Audi A8 erscheint nun fraglich. Eventuell weist man dem Q9 diese Rolle zu. Zu vernachlässigen ist der Supersportwagen Nuvolari, seine 499 Exemplare dürften längst ihre Liebhaber gefunden haben. Apropos Sport: Ein neuer TT steht in den Sternen, vielleicht dockt Audi hier an den Porsche 718 Elektro an, um Skaleneffekte zu erzeugen.
Bentley
Bentley Torcal (2026) Teaser
"Wir sind im siebten Jahr hintereinander profitabel", sagte Bentley-CEO Frank-Steffen Waliser bei der Vorlage der Bilanzzahlen für 2025. Die Briten bereiten sich derzeit auf die Einführung des Torcal vor, eines Elektro-SUVs. Die Luxusmarke erzielte 2025 einen Umsatz von 2,6 Milliarden Euro. Die Auslieferungen gingen um fünf Prozent zurück, während der Umsatz nur um ein Prozent sank. Ursache ist eine stärkere Nachfrage nach margenstarken Derivaten und individualisierten Mulliner-Modellen. Der Bentayga bleibt das meistverkaufte Modell, unterstützt durch den Markteintritt des Bentayga Speed.
Cupra
Cupra Raval VZ (2026) im Test
Erst seit ein paar Jahren existiert Cupra als eigenständige Marke. Doch die Resultate können sich sehen lassen: 2025 feierte Cupra den Verkauf seines weltweit millionsten Fahrzeugs und erzielte mit insgesamt 328.800 Auslieferungen auf allen Märkten, einem Plus von 32,5 Prozent gegenüber 2024 (248.100). Trotzdem dürften die Tage des inzwischen acht Jahre alten Cupra Ateca gezählt sein. Offen ist die Zukunft des Cupra Leon, der beliebte Formentor erhielt 2024 ein Facelift. Neue Impulse wird der rein elektrische Raval geben, der eng mit dem VW ID. Polo verwandt ist.
Lamborghini
Lamborghini Urus SE Perfomante
Temerario, Revuelto, Urus: Lamborghini hat nur drei Baureihen im Portfolio. Und zudem sehr gute Zahlen in der Bilanz. Eine Cash Cow, an der wohl nicht gerüttelt wird. CEO Winkelmann plant für die nächste Zukunft keine reine Elektro-Baureihe.
Porsche
Da wir gerade von den Goldeseln sprechen: Am 911 verdient Porsche viel Geld, weshalb es hier inzwischen unzählige Spezialmodelle gibt. Zudem bekräftigt Firmenchef Michael Leiters, dass es niemals einen rein elektrischen Elfer geben wird. Porsche hat den 718 Boxster und Cayman vergangenen Oktober in den Ruhestand geschickt und beendet Ende dieses Monats die Produktion des ursprünglichen Macan mit Verbrenner.
Porsche 911 GT3 S/C (2026) in Slate Grey Neo
Weltweit verkauft Porsche fünfmal mehr 911 als Taycan. In den USA wurden der Taycan Sport Turismo und Cross Turismo bereits vom Markt genommen, andere Teile der Welt dürften folgen. Die elektrischen Nachfolger der 718-Baureihe werden kommen, aber wie der neue Macan wohl um einen Hybrid ergänzt werden. Fraglich bleibt die Zukunft des Panamera und des geplanten extra großen SUV. Das elektrische Cayenne Coupé ist noch zu neu, sein älteres Verbrenner-Pendant könnte dagegen verzichtbar werden.
Seat
Seat Arona (2026)
Seat feierte sein 75-jähriges Jubiläum mit 257.400 verkauften Einheiten. Ein Minus von 17 Prozent gegenüber 2024, was die branchenweiten Schwierigkeiten widerspiegelt. Die Modellpalette der spanischen Marke ist veraltet, noch verkaufen sich Arona, Ibiza und Leon aber gut. In einem Interview mit dem britischen Magazin Autocar sagte Seat-Vorstand und Volkswagen-Markenchef Thomas Schäfer: "Wir lassen Seat nicht sterben. Wir müssen nur über die Zukunft der Marke entscheiden." Laut Schäfer ist Seat "bis 2028 oder 2029 in Ordnung". Was danach passieren wird, ist allerdings unklar.
Skoda
Für Skoda verlief das Jahr 2025 äußerst erfolgreich und brachte dem Automobilhersteller neue Rekordwerte. Dank eines deutlichen Absatzplus stiegen die weltweiten Auslieferungen auf insgesamt 1,04 Millionen Fahrzeuge, wobei der Octavia, Kodiaq, Kamiq und Fabia die gefragtesten Modelle blieben.
Im Elektrobereich etablierte sich der Elroq mit 110.000 verkauften Einheiten als stärkste Kraft. Dieser Verkaufserfolg trieb den Gesamtumsatz des Unternehmens um 9,1 Prozent auf 27,8 Milliarden Euro nach oben. Aktuell bringt Skoda die beiden Elektroautos Epiq und Peaq auf den Markt. Auch in Deutschland punkten die Tschechen und sind mit 8,6 Prozent Marktanteil die stärkste Importmarke.
Ein Streichkandidat ist der Scala, während Fabia und Kamiq langfristig vom Epiq absorbiert werden könnten. Mit dem Vision O wurde bereits ein Ausblick auf den elektrischen Octavia-Nachfolger gegeben, der aber nicht vor 2029 erscheint.
Volkswagen
Die Marke Volkswagen hat zwar derzeit 18,4 Prozent Marktanteil in Deutschland. Aber auch 17 Baureihen. Ergo wird hier der Rasenmäher besonders stark zum Einsatz kommen. Bislang steht fest, dass der VW Touareg und der Kompaktvan Touran bereits eingestellt wurden. Das T-Roc Cabriolet wird ihnen 2027 auf den Autofriedhof folgen. Für das Werk in Osnabrück stehen Rüstungsaufträge im Raum.
Die meisten SUV-Baureihen dürfen ob ihrer Beliebtheit als gesichert gelten. Hier wird höchstens bei Antrieben und Ausstattungen der Rotstift angesetzt. Einzig der Taigo könnte verschwinden. Drei Modelle sind seit über 50 Jahren der Kern von VW: Polo, Golf und Passat. Aber ihre Produktion wurde oder wird verlagert. Der Polo kommt inzwischen aus Südafrika, der Golf ab 2027 aus Mexiko, der Passat entsteht gemeinsam mit dem Skoda Superb in der Slowakei.
VW ID. Polo (2026) vs. VW Polo (2026)
Wir vermuten, dass die Marke VW sich langfristig keine doppelten Strukturen in einer Fahrzeugklasse erlauben kann. Das bedeutet: Der aktuelle Verbrenner-Polo bekommt keinen Nachfolger, sondern wird langfristig vom elektrischen ID. Polo ersetzt. Ähnlich beim künftigen ID. Golf und ID. Passat. Allerdings nicht vor 2030, nur beim Polo vielleicht schon früher.
Bis dahin wird die Antriebsvielfalt bei den Verbrennern modifiziert. In Großbritannien ist der Golf Diesel bereits entfallen. Deutsche Kunden werden den Selbstzünder noch behalten dürfen, hierzulande beträgt sein Anteil im Golf gut 16 Prozent. 2026 kommt erstmals ein Vollhybrid im Golf und T-Roc (dessen Neuauflage schon keinen Diesel mehr hat), der auf lange Sicht den Diesel ersetzen könnte. Der im Flottengeschäft wichtige Passat dürfte hingegen noch längere Zeit dieseln.
Und die Nutzfahrzeuge? Dort kooperiert man bereits mit Ford. Ein langfristiges Aus für den Multivan und den ID. Buzz könnte aber die derzeit unübersichtliche Bulli-Palette versachlichen.
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