Audi Nuvolari (2027): 1.001-PS-Carbon-Supercar schockt die Welt
Und ja, der geht so in Serie. V8 + 3-E-Motoren, prädiktiver Allrad, unfassbare Materialqualität und ein horrendes Preisschild
Ich sage es frei heraus: Manchmal, eher ganz selten, steht man nach inzwischen 17 Jahren in diesem Job vor einem neuen Auto und ist sprachlos (nicht Luce-sprachlos, das richtige sprachlos). Wirklich ergriffen. Das Tuch wird herunter gezogen, die Augen weiten sich, ein ungläubiges Lächeln huscht einem über die Lippen und man denkt sich: Heilige Scheiße, ist das geil.
So geschehen letzte Woche in einem Designstudio in Ingolstadt. Sagen Sie Hallo zum neuen Audi Nuvolari. Und ja, der geht genau so in Serie.
Bildergalerie: Audi Nuvolari (2026)
Dazu sei gesagt: Es kommt eher noch seltener vor, dass wir Nervensägen von der Presse wirklich gar keinen Schimmer von einem neuen Modell haben, ehe es präsentiert wird. Umso mehr, wenn es sich um ein derart spektakuläres Gefährt handelt. Audis Chief Tecnical Officer Rouven Mohr muss dann auch ein wenig schmunzeln als er sagt: "Klar, die Tests haben wir alle mit Lambo-Karossen gefahren, da dachte jeder das wird vielleicht eine neue Sonderedition. Tja, und jetzt ist er hier."
Keine eineinhalb Jahre Entwicklung
Mohr ist ein absoluter Glücksgriff für Audi und deren neu entdeckte Liebe für das Außergewöhnliche. Zuvor war der Saarländer CTO bei Lamborghini, jetzt darf "Dr. Crazy" Audi neuen und dringend benötigten Hochglanz verleihen. Die Zeit für ein neues Halo Car ist günstig: Der Formel 1-Einstieg zwingt ja förmlich dazu. Also lud Audi-Chef Gernot Döllner im Spätherbst 2024 eine kleine Gruppe Vertrauter zum Brainstorming.
Drei Szenarien wurden diskutiert, aber Mohr sagt, er habe noch nie erlebt, dass man sich so schnell einig war. Der Nuvolari (übrigens der erste Audi mit einem "richtigen" Namen seit den 1960er Jahren) sollte es sein. Nicht mal eineinhalb Jahre später sehen wir das fertige Auto. 20 bis 30 hochmotivierte Menschen waren an dem Top-Secret-Projekt beteiligt, unterschrieben Verschwiegenheitserklärungen.
Audi Nuvolari (2026)
Die Eckdaten des neuen Über-Audi passen dann auch ziemlich gut zu einem waschechten Ultrageheim-Projekt. Und zu seinem atemberaubenden Erscheinungsbild. V8-Biturbo, drei Elektromotoren, 1.001 PS, ein Trockengewicht von um die 1.730 Kilo, 0-100 in 2,6 Sekunden, 0-200 km/h in unter 6,8 Sekunden, Alu-Spaceframe, vollständige Carbon-Karosserie, 499 Exemplare und ein Preis von irgendwas um die 600.000 Euro.
So gesehen ist der Nuvolari auch kein R8-Nachfolger. Dafür ist er viel zu exotisch, teuer und limitiert. Mit der heute geplatzten Bombe wollen die Ingolstädter viel mehr zeigen, dass sie noch da sind und dass sie ganz weit vorne mitspielen können, wenn alle an einem Strang ziehen. Hat man ja durchaus ein wenig vermisst die letzten Jahre.
Dabei geht es um die Rückbesinnung auf einstige eigene Ansprüche bezüglich technologischer Brillanz, Design und - ganz wichtig - Qualität. Dass wir uns nicht beschweren würden, wenn Audi künftig Autos baut, die auch nur ein bisschen so aussehen, wie der Nuvolari, dürfte klar sein.
Qualitäts- und Aero-Wahnsinn
Der Mix aus bisherigem R8, der neuen Concept-C-Brachial-Designsprache und einem guten Schuss Lambo (achten sie mal auf die irre monolithischen Flächen über den hinteren Radhäusern) kickt schon ordentlich. Leider geben die ersten Bilder das nur bedingt wieder. In echt ist das Auto eine absolute Schau.
Es geht um maximale Abgrenzung zu den üblichen, sehr marktschreierisch gestalteten Supercars mit Unmengen an Flicks, Flügeln et cetera. Mohr sagt, der Nuvolari sei durch und durch ein Massimo-Frascella-Auto. Der neue Designchef tut der Marke offensichtlich sehr gut.
Audi Nuvolari (2026)
Der Nuvolari ist 4,74 Meter lang, steht auf 20-Zöllern vorne und 21-Zöllern hinten. Hier sehen Sie den Farbton "Titanium". Extrovertiertere Naturen werden allerdings auch die Möglichkeit haben, eine komplette Sichtcarbon-Karosserie zu ordern. Dann wird man sich dann endgültig als neuer Batman bewerben können.
Richtig abgefahren wird es auch, wenn man sich mit der Materialität des Autos befasst. Alle Lüftungsgitter sind aus Aluminium. Genauso wie der Grill, dessen viele kleine Plättchen aus Aero-Gründen unterschiedlich gebogen sind.
Eine Material- und Detailqualität wie beim Nuvolari habe ich so noch nicht gesehen. Auch innen, dazu kommen wir gleich noch. Klar, er ist sehr selten und schweineteuer, da sind die Spielverderber vom Controlling deutlich lockerer drauf.
Allerdings versprach man uns beim Termin, dass man sich auch bei kommenden Standard-Modellen an der Wertigkeit des neuen Super-Flaggschiffs orientieren möchte. Man wird sich an derartigen Aussagen messen lassen müssen.
Audi Nuvolari (2026)
Kommen wir zur Aerodynamik. Auch die ist im Detail ziemlich wild. Ein Beispiel ist die Non-Existenz eines vorderen Kofferraums. Der Grund dafür ist ein durchströmter Vorderwagen, der sogenannte S‑Duct. Vorne an der Haube können Sie also mit der Hand einfach durchgreifen. Für zusätzlichen Abtrieb, reduzierten Auftrieb bei hohen Geschwindigkeiten und optimale Kühlung des Antriebs, sagt Audi.
Hinter den Türen fallen mehrere massive Öffnungen auf. Zum einen verstecken sie ziemlich gut den Türgriff, zum anderen schaufeln sie ordentlich Luft Richtung Motor und ermöglichen so die Mega-Monolith-Flächen im Schulterbereich.
Laut Mohr war das die größte Challenge am Auto, doch auch die Formung der Streben über der Motorabdeckung erwies sich als zäher Kampf. Es gelang, sie so zu bauen, dass man keinen Entenbürzel-Heckspoiler benötigt, sondern eine perfekt glatte und bündige Form des Heckabschlusses erreichen konnte.
Absolutes Nerd- und Qualitätsdetail in diesem Zusammenhang: die flächenbündig in den ausfahrbaren Heckflügel integrierten Audi-Ringe aus massivem Metall. Würden sie nur ein paar Millimeter überstehen, würde das Auto laut Mohr schwer zu fassende fünf Prozent Downforce verlieren.
Audi Nuvolari (2026)
Zentraler Bestandteil des aktiven Aerodynamiksystems ist der ausfahrbare, adaptive Heckflügel. Er steuert Abtrieb und Luftwiderstand über drei Konfigurationen: Closed, Low Downforce (LD) und High Downforce (HD). In letzterer erreicht das Auto je nach Fahrsituation mehr als 400 Kilo Abtrieb.
Als Schmankerl für die Fans gibt es obendrein das aus der Formel 1 bekannte Drag Reduction System (DRS), das sich manuell am Lenkrad aktivieren lässt. Es senkt den Heckflügel weiter ab, reduziert den Luftwiderstand und erhöht die Endgeschwindigkeit.
Irgendwo zwischen Lamborghini Temerario und Revuelto
Angetrieben wird der Audi Nuvolari von einem Achtzylinder-Hybridantrieb, wie wir ihn mehr oder weniger vom Lamborghini Temerario kennen. Allerdings gibt es hier deutlich mehr Dampf. Während der Lambo auf 920 PS kommt, wartet der Audi mit einer maximalen Systemleistung von 1.001 PS auf, womit er näher am größeren Lamborghini Revuelto mit V12-Hybrid (1.015 PS) ist.
Hierfür setzt Audi auf die Kombination aus einem 4,0-Liter V8 Biturbo mit 588 kW (800 PS) und drei Axialfluss-Elektromotoren (jeweils 110 kW). Die Lithium-Ionen-Batterie besitzt eine Bruttokapazität von 7,3 kWh.
Der Verbrennungsmotor stellt ein maximales Drehmoment von 730 Nm bereit und erreicht wie der Temerario luftige Drehzahlen von bis zu 10.000 U/min. An der Vorderachse liefern zwei ölgekühlte Axialfluss-Elektromotoren bis zu 2.150 Nm Drehmoment. Zudem sitzt ein dritter E-Motor zwischen V8-Mittelmotor und Getriebe. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von "mehr als 350 km/h" ist der Nuvolari auch der schnellste Serien-Audi aller Zeiten.
Neuer quattro-Allrad denkt voraus
"Quattro predictive ride" klingt natürlich mordsmäßig fancy. Ein vorausschauender Allradantrieb? Nun, Audi gibt beim Thema Fahrdynamik in letzter Zeit eh ordentlich Gas, entdeckt mehr und mehr die Gaudi, wie zuletzt schon neue Systeme im S5 und noch fokussierter im RS 5 zeigen.
Hier geht man jetzt noch einen Schritt weiter. Rouven Mohr spricht vom intelligentesten Allrad-System der Welt. Gestützt auf haufenweise Sensordaten fließen Beschleunigung, Lenkwinkel, Gierrate (die Drehbewegung um die Hochachse) und das aktuelle Grip-Niveau kontinuierlich in die Systemregelung ein. Antizipiert das System beispielsweise in einer Kurve einen drohenden Grip-Verlust, greift es vorausschauend ein – als integriertes Gesamtsystem.
Die Antriebseinheiten verteilen das Drehmoment gezielt in Längs- und Querrichtung. Dazu kommen, wenn nötig, Bremseingriffe, die stabilisieren und Schlupf reduzieren sollen. Auch die Aerodynamik macht mit, passt den Abtrieb situativ an.
Audi Nuvolari (2026)
Viel Fahrdynamik-Tamtam machen natürlich auch die beiden Elektromotoren an der Vorderachse. Sie ermöglichen variables elektrisches Torque Vectoring. Über einen Drehsteller am Lenkrad stehen vier Fahrmodi zur Auswahl, die Antrieb, Fahrdynamik und Effizienz jeweils unterschiedlich priorisieren. Von E-Hybrid, wo das Auto dann auch lautlos startet über Balanced und Dynamic bis hin zu Dynamic+.
Dazu kommt ein Track-Modus, der "eine gezielte Anpassung der Traktionskontrolle an Fahrstil und
Grip‑Niveau" ermöglichen soll. Die ebenfalls am Volant einstellbaren Stufen reichen von Wet über Dry und Race bis hin zu Traction Control off (TC Off). Wenn Sie mit ihrem 600.000-Euro-Audi also auch mal etwas rauchigen Nervenkitzel wollen - quer wird der Nuvolari auf jeden Fall fahren.
Das Auto steht auf non-adaptiven Dämpfern, die jedoch in Zug- und Druckstufe einstellbar sind. Und es verfügt über ziemlich große Anker. Die neue „Ceramic Pro“-Bremse greift auf Zehnkolben-Festsättel vorne und Vierkolben-Sättel hinten zurück, mit 420-mm-Scheiben vorne und 410er-Tellern hinten. Das Brake-by-Wire-System ermöglicht eine Energieaufnahme von bis zu 2,8 Megawatt. Im Alltag erfolgt ein Großteil der Bremsarbeit bis 0,3 g rein elektrisch, was nicht nur die 7,3-kWh-Batterie lädt, sondern auch die Standfestigkeit auf der Rennstrecke erhöhen soll.
Hoffnung für die Zukunft des Audi-Interieurs
Nicht nur äußerlich, auch im Innenraum lässt Audis neuer Image-Träger viele aktuelle Design-Ergüsse der Konkurrenz mit seiner Reduziertheit und Qualität ziemlich lächerlich aussehen. Na gut, eigentlich nicht nur die der Konkurrenz. Was Audi zuletzt in seine Neuerscheinungen um A5, Q6 e-tron, A6 und Co. einbaute, zählt sicher auch nicht zu den Sternstunden automobiler Wohnkunst.
Audi Nuvolari (2026)
Wie man es richtig macht, zeigt nun der Nuvolari. Auch hier wieder: maximale Abgrenzung zur Konkurrenz mit ihren XXL-Screens, Kontrastnähten, Stickereien und Knallbunt-Lederausstattungen. Mohr sagt: "Wir wollten ein einzigartiges und sehr reduziertes Interieur. Und jedes Material ist sogar zehn Prozent besser als in der Vergangenheit". Womit er auf die Hochzeiten des ersten TT und Konsorten anspielt.
Ein Instrumentendisplay und ein relativ kompakter Infotainment-Screen sind bei den derzeit allgegenwärtigen Bildschirm-Orgien ein wahrer Segen für die Augen. Alles, was Sie in diesem Interieur metallisch anschimmert, ist aus dem vollen gefrästes eloxiertes Aluminium und fasst sich wahnsinnig hochwertig an.
Besonders schön daran: Ein Audi-Offizieller bestätigte uns, dass Teile des Cockpits, etwa das ein oder andere Alu-Element bald auch in normalen Audi-Modellen zum Einsatz kommen werden. Zur maximalen Reduzierung passen auch die sehr nüchtern gestalteten und Ton-in-Ton bezogenen Carbon-Schalensitze. Zudem hat man sich für ein Lenkrad mit richtigen Tasten entschieden. Besonders gepäckreich sollten Ausfahrten mit diesem Auto allerdings nicht ausfallen. Kofferräume gibt es ja nicht, doch passen wohl zwei Weekender hinter das Gestühl.
So muss es gehen
Auch wenn der Nuvolari ein schwindelerregend kostspieliger Spielkamerad für 499 sehr wohlhabende Menschen sein wird, dürfte er Audi imagemäßig einen gehörigen Push verpassen. Selbiger käme allemal gelegen. Die Vier Ringe scheinen verstanden zu haben, was zuletzt schief lief und wo man wieder hin möchte (oder muss).
Als Vorbote einer neuen Design- und Qualitätsoffensive hätte man sich kein spektakuläreres Gefährt ausdenken können. Ab Ende 2026 kann bestellt werden. Ab 2027 starten die Auslieferungen. Gebaut wird in Italien und Deutschland größtenteils in Handarbeit. Die Produktion wird sich deshalb über gut 18 Monate erstrecken.
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