Heute ist die Marke Dacia ein etablierter Bestandteil des europäischen Automarktes und ihre Modelle avancieren zu Bestsellern. In Spanien war der Sandero der meistverkaufte Neuwagen 2023, in Frankreich und Italien liegt er in den Top 3. 2024 verspricht der neue Duster zum Verkaufsschlager zu werden. Vor 20 Jahren begann das erfolgreiche Comeback der Marke Dacia. Wir blicken zurück auf den ersten Logan.

Benannt nach der der römischen Provinz auf dem Gebiet des heutigen Rumänien, wurde Dacia anno 1966 gegründet und baute zunächst den Renault 8 und ab 1969 den Renault 12 in Lizenz. Beschränkt auf die Märkte des damaligen Ostblocks mutierte die Limousine nach Ende der Lizenz zum 1310, der bis 2004 in Produktion blieb. 1995 brachte Dacia als neue Baureihe den Nova auf Basis des Peugeot 309 heraus.

Bildergalerie: Dacia Logan (2004-2013)

1998 kaufte Renault schließlich Dacia, nachdem man Jahre zuvor bei Skoda nicht erfolgreich gewesen war. Den Impuls zur Entwicklung des Logan gab ein Besuch des französischen Präsidenten Jacques Chirac in Russland. Dort stellte der damalige Renault-CEO Louis Schweitzer fest, dass sich die 6.000 Euro teuren Ladas bei den Lada- und Renault-Händlern sehr gut verkauften, während die 12.000 Euro teuren Renaults in den Ausstellungsräumen standen.

Schweitzer: "Als ich diese veralteten Autos sah, fand ich es inakzeptabel, dass der technische Fortschritt die Herstellung eines guten Autos für 6.000 Euro verhindert." Später korrigierte er dieses Ziel sogar auf 5.000 Euro.

Der Logan der ersten Generation wurde im Technocentre von Renault in der Nähe von Paris entworfen und war das Ergebnis einer vierjährigen Entwicklungsphase des sogenannten X90-Projekts. Woher der Name Logan kommt, ist übrigens unklar. Zu vermuten ist eine Nähe von "Lo" zu "Low" wegen "Low Cost".

Dacia Logan (2004-2013)
Dacia Logan (2004-2013)

Der Logan entstand auf einem leeren Blatt Papier, wobei der Preis für die Vermarktung als grundlegende Einschränkung galt. Von Anfang bis Ende wurde die damals in der Automobilbranche völlig neue Methode des "Design to Cost" angewandt. Bedeutet: Das Auto sollte keine Schönheit sein, sondern maximal günstig.

Das Lastenheft des X90 alias Logan entsprach nicht nur wirtschaftlichen Entscheidungen, sondern auch der Zuverlässigkeit: Er musste jedem Klima und jeder Straße standhalten, von den Pflastersteinen in Rumänien bis zum den Pisten in der Sahara. Er musste zudem in der Lage sein, mit minderwertigem Benzin zu fahren. Da es in den am wenigsten industrialisierten Ländern kaum Werkstätten gibt, sollte der Wagen auch sehr lange Zeiträume ohne Inspektion überstehen.

Die Motoren (Saugbenziner mit 1,2, 1,4 und 1,6 Liter Hubraum (teilweise optional mit LPG), später auch ein 1,5-Liter-Diesel) und das Getriebe (JH) waren zwar nicht modern, aber bewährt. Darüber hinaus sollte alles leicht zu reparieren sein.

Dacia Logan (2004-2013)

Der erste Dacia Logan basierte auf der damals neuen B-Plattform der Renault-Nissan-Allianz, die mit dem Nissan Cube I und dem Nissan Micra K12 eingeführt und später in den Renault Modus und den Renault Clio III übernommen wurde. Es handelte sich um eine Version mit verlängertem Radstand dieser Plattform, die als B0 bezeichnet wird und eine Maximierung des Innenraums des Fahrzeugs ermöglichte. Die erste Karosserie, die auf den Markt kam, war eine 4,25 Meter lange Limousine mit dem internen Codenamen L907.

Für den Dacia Logan griffen die Entwickler ins Renault-Konzernregal: So hatte er die Vorderachse des Clio II und die Hinterachse des Modus. Die Türgriffe, das Lenkrad, die Lenkung, der Drehzahlmesser und die Hinterradbremsen stammen aus dem Clio II, die Lüftungsdüsen jedoch aus dem Dacia Solenza. Die Bedienelemente, der Bremsflüssigkeitsbehälter und der Ausgleichsbehälter stammen vom Megane II, der Aschenbecher und einige Belüftungsdüsen aus dem Espace IV und der Schaltknauf vom Espace III.

Dacia Logan (2004-2013)

Das ABS-System wurde vom Megane II übernommen, das Getriebe vom Megane II und Laguna II und der Motor vom Kangoo. Beispiele für Einsparungen bei der Konstruktion:
die vorne positionierte Antenne, um ein passives Modell (billiger) verwenden zu können und Verkabelung einzusparen, die Verwendung identischer Teile auf der linken und rechten Seite des Autos, wie bei den Seitenleisten oder den Rückspiegeln-

Oder auch der Guss eines einteiligen Armaturenbretts anstelle von fünf Teilen (was das klassische Verfahren ist), um die Anzahl der Gussformen und die Handhabung zu verringern oder auch die geringe Krümmung der Front- und Heckscheiben.

Der Logan wurde zunächst in Rumänien produziert, wo der Nachfolger des Solenza ab Herbst 2004 unter dem Markennamen Dacia verkauft wurde. In den folgenden Wochen führte man den Logan auch in umliegenden Ländern (Mitteleuropa, Türkei) ein, ab Mitte 2005 dann auch in Algerien, Marokko, Westeuropa, Russland und Kolumbien. Später schaffte er es zum globalen Modell mit vielen Namen: Nissan Aprio, Renault Tondar 90 oder auch Mahindra Verito.

Dacia Logan (2004-2013)
Dacia Logan (2004-2013)

Allerdings konnte man das 5.000-Euro-Ziel nicht ganz halten. In Rumänien begann der Logan bei 6.280 Euro. In Deutschland gelangte er ab Mitte 2005 mit angepasster Sicherheitsausstattung (zwei Airbags und ABS) ab etwa 7.200 Euro in den Handel. Der Logan zählte damit zu den preisgünstigsten Neuwagen seiner Klasse in Deutschland. In Österreich wurde er ab 7.960 Euro inklusive Umsatzsteuer angeboten.

Im Februar 2006 präsentierte Dacia mit dem Logan Steppe Concept eine Studie, die den späteren Kombi Logan MCV vorwegnahm, der 2007 auf den Markt kam. Ihm zur Seite gestellt wurden ein Lieferwagen namens Van und ein Pick-Up.

Dacia Logan (2004-2013)

Dacia Logan Van

Dacia Logan (2004-2013)

Dacia Logan Pick-Up

Dacia Logan (2004-2013)

Dacia Logan MCV

Im Juli 2008 kam eine überarbeitete Version der Logan Limousine auf den Markt. Das am Dacia Sandero orientierte Modell umfasst ausschließlich optische Retuschen, die Technik bleibt unverändert. Die Front erhielt größere Scheinwerfer und einen breiteren Kühlergrill mit neuem Dacia-Logo, der in den zwei teureren Varianten eine verchromte Zierleiste enthielt.

Außerdem gab es einen neuen Stoßfänger und einen breiteren Lufteinlass in der neuen Frontschürze. Der Kofferraumdeckel wurde verändert und um eine Abrisskante ergänzt. Auch die Rückleuchten und der Stoßfänger wurden modifiziert. Bei der höchsten Ausstattungslinie befand sich außerdem eine Chromleiste am Heck.

Im Sommer 2010 wurde der Verkauf der Stufenhecklimousine in Deutschland aufgrund immer geringerer Nachfrage eingestellt, 2013 erfolgte die Ablösung des Logan durch die zweite Generation. Inzwischen gibt es die Limousine global in der dritten Generation. Und das nicht unerfolgreich. Seit 2004 wurden rund zwei Millionen Einheiten verkauft. 

Mittlerweile ist die erste Logan-Generation in Ländern wie Deutschland recht selten geworden, aber dennoch günstig. Jetzt billig sich einen sichern und zum Oldtimer reifen lassen? Warum nicht. Schließlich ist der erste Neo-Dacia durchaus ein ähnlicher Meilenstein der Massenproduktion wie ein Ford Model T oder VW Käfer.