Zittern bei BMW und Mercedes? Wie China den Premium-Markt aufwühlt
2025 haben klassische Premium-Marken verloren, während neue chinesische Player wachsen
Über Jahrzehnte war General Motors der größte Automobilhersteller der Welt – vor allem dank der Verkäufe in den USA, die global bis 2013 der größte Einzelmarkt waren. Doch die Dominanz des US-Konzerns hat Wettbewerber nicht daran gehindert, ihre Wettbewerbsfähigkeit kontinuierlich auszubauen.
So gelang es dem Volkswagen Konzern, GM zu überholen und für einige Jahre zum weltweit größten Hersteller aufzusteigen – bevor die Wolfsburger ihrerseits von Toyota überholt wurden.
Im Segment der Premium-Autos blieben die Kräfteverhältnisse hingegen deutlich stabiler. Mercedes und BMW prägten den Bereich über Jahrzehnte. Ihr Erfolg motivierte viele andere Hersteller, den Weg ins Luxussegment zu suchen. Die Renaissance von Audi sowie die Entstehung von Marken wie Lexus, Infiniti und Acura in den 1980er-Jahren sind dafür ein prägnantes Beispiel.
Heute stehen sowohl die deutschen Premium-Marken als auch Anbieter anderer Herkunft (Lexus, Volvo, Land Rover, Cadillac, Lincoln, Acura, Infiniti, DS, Alfa Romeo, Jaguar und Genesis) vor einer neuen Bedrohung. Und ja: Sie kommt aus China. Dabei geht es nicht nur um Produkte – sondern vor allem um eine neue Definition dessen, was "Premium" überhaupt bedeutet.
Das einzige Segment mit Rückgang
Im Jahr 2025 verkauften Premium-Marken weltweit 9,28 Millionen Fahrzeuge – das entspricht 10 Prozent der globalen Verkäufe von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen. Es ist das einzige Segment, das gegenüber 2024 rückläufig war, mit einem Minus von 4 Prozent.
Gleichzeitig reagieren chinesische Hersteller nicht nur mit ihren traditionellen Premium-Marken, sondern vor allem mit Hightech. Die Daten zeigen, dass diese neuen Akteure zusammen 4,81 Millionen Fahrzeuge verkauft haben – ein Plus von 14 Prozent. Auch wenn ein relevanter Teil dieses Volumens auf Tesla entfällt, stehen chinesische Marken für 64 Prozent des Gesamtvolumens.
Doch mehr als die Verkaufszahlen ist die eigentliche Herausforderung für das Premium-Establishment die neue Vorstellung von Exklusivität, die sich gerade herausbildet. China setzt auf Innenraum-Technologie, um das Konzept des Premium-Autos neu zu definieren.
AITO 9 auf dem Salone di Monaco 2025
Fortschrittliche Software, intuitive Infotainment-Systeme, neue Funktionen für Freizeit und Alltag sowie Fortschritte beim automatisierten Fahren gehören heute zu den Merkmalen, die Käuferinnen und Käufer im oberen Segment besonders stark nachfragen.
Marken wie Xpeng, Aito, Xiaomi und Li Auto sind in diesen Bereichen bereits sehr weit – und beginnen, Kunden von den traditionellen Premium-Herstellern abzuziehen.
Die Zahlen der Überholspur
In den ersten beiden Monaten des Jahres hat Xiaomi in China mehr Fahrzeuge verkauft als Mercedes, während der Maextro S800 mehr Kundinnen und Kunden gewann als die Mercedes-Maybach S-Klasse. Li Auto wiederum setzte von seinen großen SUV L8 und L9 mehr Exemplare ab als BMW vom X7.
Insgesamt verkauften chinesische Hightech-Automarken in China zwischen Januar und Februar 333.700 Fahrzeuge – und übertrafen damit die 332.300 Einheiten, die ausländische Premium-Marken neu zugelassen haben. Ein Jahr zuvor, im gleichen Zeitraum 2025, hatten die ausländischen Hersteller noch 9 Prozent mehr Autos verkauft als die lokalen Wettbewerber.
Lepas L8
BMW X7
Die Frage liegt nun auf der Hand: Werden wir dasselbe Phänomen auch außerhalb Chinas erleben?
Der Autor des Artikels, Felipe Munoz, ist Analyst mit Schwerpunkt Automobilindustrie und Content Creator von Car Industry Analysis in sozialen Medien.
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