G20-Gipfel in Rio 2024 - Olaf im Outlander
Die Autos der Staatsoberhäupter zeigen sich protzig oder bescheiden
Stellen Sie sich vor, Sie machen Ihren täglichen Spaziergang zum Strand von Leme in Rio de Janeiro und stoßen auf "The Beast" - die berühmte Limousine des US-Präsidenten -, die gerade in einer kleinen Straße hinter dem Hilton-Hotel parkt und auf Joe Biden wartet.
Auf dem Heimweg sehen Sie Chinesen auf den Bürgersteigen, die rote Fahnen schwenken, Marinesoldaten auf Harley-Davidson-Motorrädern, und es kommt die dicke Hongqi-Limousine von Präsident Xi Jinping geräuschlos um die Ecke gefahren.
Bildergalerie: G20-Gipfel in Rio 2024 - die Autos der Staatsoberhäupter
Wow... Bei einem einfachen Morgenspaziergang sehen wir die Staatslimousinen der beiden mächtigsten Herrscher der Welt! Szenen wie diese spielten sich gerade während des G20-Gipfels in Brasilien ab, an dem die Staats- und Regierungschefs der 20 Länder mit den größten Volkswirtschaften der Welt teilnahmen. Zwei Tage lang, am 18. und 19. November, war Rio die Hauptstadt der Welt.
Autofans durften gespannt sein, welche Modelle ausgewählt werden würden, um die Präsidenten und Premierminister zwischen den Hotels und dem Museum für Moderne Kunst im Flamengo-Park hin- und her zu transportieren. Dort fanden die wichtigsten Sitzungen der Veranstaltung statt.
Dann eine kurze Pause auf der Copacabana-Allee, um die vorbeiziehenden Delegationen zu beobachten. Das Schauspiel erwies sich aber als eher enttäuschend: Die meisten Staatsoberhäupter nutzten ganz gewöhnliche Modelle, die in Brasilien hergestellt und vom Außenministerium zur Verfügung gestellt werden.
Nem Renault, nem Peugeot - Macrons Glaube an den Jeep Commander
Emmanuel Macron etwa, der französische Staatspräsident, reiste in einem schwarzen Jeep Commander Limited. Wir dachten, er sei in seinem neuen Renault Rafale oder DS7 unterwegs. Selbst ein alter Citroën C6 (2005-2012) würde uns die "Marseillaise" singen lassen.
Statt in einem Mercedes S 680, BMW 7er oder Audi A8 fuhr Bundeskanzler Olaf Scholz in einem banalen Mitsubishi Outlander aus Catalão (Goiás) durch Rio (die Produktion ist bereits eingestellt). Nun, sowohl Macron als auch Scholz scheuten offensichtlich den Aufwand, ihre Staatskarossen mit Steuergeldern nach Brasilien zu verfrachten.
Die meisten G20-Staats- und Regierungschefs nutzten in Rio einen Mitsubishi Outlander
Der Outlander war das von den Regierungschefs während ihres Rio-Aufenthalts am meisten genutzte Modell. Er transportierte den australischen Premierminister Anthony Albanese, den südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa und den indischen Premier Narendra Modi sowie die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen. Sogar Giorgia Meloni, Ministerpräsidentin von Italien, fuhr in einem Outlander durch die G20-Hauptstadt. Wo war ihre Alfa Romeo Giulia?
Der japanische Premierminister Shigeru Ishiba, der daheim in Tokio einen riesigen Toyota Century nutzt, fuhr in einem Mitsubishi Eclipse Cross vor. Ishiba Sama hätte es auf dem Rücksitz eines Toyota Land Cruiser mit V8-Motor, der zu seiner Entourage gehört, sicherlich bequemer gehabt. Der im Jahr 2020 hergestellte Land Cruiser gehört dem japanischen Konsulat in Rio.
Justin Trudeau, der kanadische Premierminister, nutzte wie Macron einen Commander Limited. Ein weiterer Jeep, ein Compass in diesem Fall, befand sich in der Begleitkolonne. Ebenfalls im Compass kutschiert wurde Gustavo Petro, der Präsidenten von Kolumbien. Das Land gehört nicht zu den G20, war aber zu dem Treffen eingeladen.
Der argentinische Präsident Javier Milei fuhr in einem in Brasilien hergestellten Toyota Corolla vor (Beinahe wie sein Landsmann Papst Franziskus, der gerne bescheidene Autos nutzt ...). Tatsächlich hat man noch nie so viele schwarze Corolla auf einmal gesehen - es gab Tausende von ihnen, die als Begleitfahrzeuge eingesetzt wurden oder die Entourage mit Bundespolizisten begleiteten. Allein Toyota lieh 50 Corolla Limousinen oder Cross für die Veranstaltung aus.
Der allgegenwärtige schwarze Corolla, offizielles Auto des G20-Gipfels (1)
Aber lassen wir die gewöhnlichen Autos einmal beiseite und sprechen wir über die auffälligsten Fahrzeuge auf dem Gipfel. Vor der Tür des Hilton - dem Hotel, in dem Joe Biden wohnte - stand auch ein weißer Mercedes-Maybach S 680 in Diensten von Prabowo Subianto, dem neu ernannten Präsidenten von Indonesien. Auch der türkische Präsident Recep Erdogan nutzte während seines Aufenthalts einen Mercedes-Maybach.
Mercedes Maybach S680 für den Präsidenten von Indonesien (1)
The Beast
Die Limousine des US-Präsidenten ist zu einer Touristenattraktion geworden. Ihr offizieller Name ist Cadillac One, aber die Mitarbeiter des Secret Service nennen sie Stagecoach. Ihr bekanntester Spitzname ist eigentlich "The Beast". Es handelt sich nicht nur um eine Limousine, sondern um zwei, die bis hin zu den Nummernschildern (Washington 800-002) und den brasilianischen und amerikanischen Flaggen auf den vorderen Kotflügeln identisch sind. Hintergrund: Mögliche Angreifer sollen nicht wissen, in welchem "Biest" der US-Präsident gerade sitzt.
Der Limousinenfahrer ruht nicht mit Waschlappen, Staubtuch und Sprühflasche
Aus der Nähe sehen die Limousinen der US-Präsidenten gar nicht so klobig aus, wie wir es uns vorgestellt haben. Mit etwas gutem Willen kann man sogar eine gewisse optische Harmonie in ihren Karosserien erkennen. Die aktuelle Generation wurde 2014, während der Obama-Regierung, bei General Motors bestellt und 2018, während Trumps erster Amtszeit, fertiggestellt. Jede dieser Limousinen kostet schätzungsweise zwischen 1 Million und 1,5 Millionen Dollar.
Das Design ist inspiriert von der großen Limousine Cadillac CT6 (die zwischen 2016 und 2020 gebaut wurde). Die Scheinwerfer stammen vom Cadillac Escalade der vierten Generation und der Kühlergrill vom Cadillac Escala Concept Car (2016).
Bildergalerie: US-Präsidentenlimousinen der vergangenen Jahrzehnte
Unter dieser Luxuswagen-Verkleidung verbirgt sich ein Chevrolet Kodiak/GMC TopKick Lkw-Fahrgestell (man beachte die Größe der Räder und die Goodyear Regional RHS II-Pneus). Natürlich gibt es Tricks, um sie ohne Luft laufen zu lassen.
Über die technischen Details des Cadillac One wird aus gutem Grund Stillschweigen bewahrt. Gerüchten zufolge soll die Limousine mit einem 6,6-Liter-Duramax-V8-Turbodieselmotor ausgestattet sein. Nach dem, was wir aus nächster Nähe hören konnten, handelt es sich jedoch um einen Benziner - höchstwahrscheinlich einen V8.
Das Gewicht des Beast wird auf 9,1 Tonnen geschätzt. Die Panzerung ist mit Aluminium, Keramik und Stahl verstärkt. Die Türen sind dick wie ein Tresor. Das Glas ist 13 cm dick, aber die Fenster sind klein und tief in den Rahmen eingebaut. Es gibt jedoch keine dunkle Folie und je nach Geschwindigkeit kann man den Präsidenten auf dem Rücksitz sitzen sehen.
The Beast Twins - der US-Präsident war im hinteren Auto
Das Auto soll über Ausstattungsmerkmale verfügen, die dem Aston Martin von 007 würdig sind: von Vorrichtungen zur Erzeugung einer Rauchwand und zum Verschütten von Öl bis hin zu elektrifizierten äußeren Türgriffen. Außerdem gibt es ein Nachtsichtsystem und einen Kühlschrank mit Blutkonserven, die auf die Blutgruppe des Präsidenten abgestimmt sind. Die Kabine ist gegen Angriffe mit chemischen Waffen versiegelt.
Wenn sie aus dem Verkehr gezogen werden, werden die Präsidentenlimousinen unter Aufsicht des Geheimdienstes zerstört. Dabei kommen Munition und Sprengstoff zum Einsatz, um die Wirksamkeit der Panzerung zu testen und Informationen über deren Technologie und Verteidigung zu vernichten.
Chevrolet Suburban, Begleitfahrzeug für die USA (2)
Ford F-550 gegen chemische Angriffe
Ford F-350 Roadrunner, mit Antennen zur Steuerung eines Atomschlags (Foto - Jason Vogel)
Zur US-Kolonne gehören auch mehrere schwer gepanzerte Chevrolet Suburban SUVs sowie taktische Ford F-550-Einheiten (medizinische Notfalleinheiten zur Abwehr von chemischen Angriffen). Ein weiteres Fahrzeug ist ein Ford F-350 Super Duty mit der Bezeichnung Roadrunner: Er hat sechs Türen und ein Radom auf dem Dach.
Dabei handelt es sich um eine große kuppelförmige Antenne, die es dem Präsidenten und seinen militärischen Befehlshabern ermöglicht, über Satellit eine sichere Verbindung herzustellen. Auf jeder Reise des Präsidenten werden alle diese Fahrzeuge an Bord eines C-17 Globemaster III-Frachflugzeugs transportiert.
HonQi N701, die chinesische Limousine von Xi Jinping (2)
Rote Flagge
Die chinesische Autokolonne hat nicht so viele filmreife Autos. Dafür aber die Limousine Hongqi N701, die eleganter wirkt als ihr amerikanisches Pendant - so sehr, dass sie von Joe Biden während des Besuchs von Xi Jinping in San Francisco gelobt wurde:
"Es ist ein wunderschönes Fahrzeug", rief Biden, der einen Blick in die mit blauen und roten Details verzierte Kabine werfen konnte.
Die Marke Hongqi (ausgesprochen "Hon-chi", "Rote Flagge" in Mandarin) stellt seit 1958, der Zeit von Mao Zedong, die Autos der chinesischen Staatsführung her. Sie gehört zur staatlichen FAW-Gruppe (First Automotive Works), dem ältesten Fahrzeughersteller des Landes. Früher baute man auch den Audi 100 C3 in Lizenz für mittlere Parteikader.
HonQi N701, die chinesische Limousine von Xi Jinping (1)
Die N701, die aktuelle Präsidentenlimousine, wurde 2022 vorgestellt. Bei Autokorsos wird sie immer mit einer Zwillingsschwester gekoppelt. Optisch ähnelt sie der Luxuslimousine Hongqi H9, aber die Karosserie ist an den B- und C-Säulen verlängert und hat ein höheres Dach, um die Balance der Linien zu wahren. Die Motorhaube (mit einer stilisierten roten Flagge) ist lang, der Kofferraum relativ kurz. Der Wagen misst etwa sechs Meter. Und natürlich ist er schwer gepanzert - aber nicht so stark wie das Gefährt des US-Präsidenten.
Anstelle des ursprünglich angedachten V12-Motors verfügt der N701 über einen 3-Liter-V6-Motor (aus der Limousine Hongqi H9), der mit einem Elektromotor zusammenarbeitet und es auf eine Gesamtleistung von 468 PS bringt. Hongqi hat sich verpflichtet, über einen Zeitraum von zehn Jahren 50 dieser Limousinen an die chinesische Regierung zu liefern.
Die Kuchen-Straßenbahn
Um die (nicht ganz so) heilige Dreifaltigkeit der Präsidentenlimousinen zu vervollständigen, fehlte eigentlich nur noch der Aurus Senat von Wladimir Putin. Der Präsident blieb jedoch in Moskau, um Streit mit anderen Staatsoberhäuptern (und eine drohende Verhaftung durch den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag) zu vermeiden. An seiner Stelle kam Sergej Lawrow, der russische Außenminister, in einem BMW X5.
Jonas Gahr Støre, der norwegische Premierminister, machte es besser. Am Sonntag vor der Eröffnung des G20-Treffens verzichtete er auf den Dienstwagen, nahm die Straßenbahn und fuhr nach Santa Teresa, um in einer Kneipe in der Nähe Kabeljaukuchen zu braten und für das berühmteste Produkt seines Landes zu werben. Zwischen Snacks, Caipirinhas und Samba war Støre sicherlich der fröhlichste der Staats- und Regierungschefs in Rio. Und das ohne Limousine.
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