Update vom 29. April 2022: Und auch 2022 sind bereits einige Modelle von der Bildfläche verschwunden. Die einen klammheimlich, die anderen durchaus publikumswirksam. Zu nennen sind hier BMW i3, Citroen C4 SpaceTourer, Ford Fiesta Dreitürer, Ford Mondeo, Nissan GT-R in Europa und der Renault Talisman.

Auslaufmodelle gibt es immer: Eine alte Generation nähert sich ihrem Ende, die Neuauflage rollt zu den Händlern. Doch es gibt auch Autos, die sang- und klanglos ohne echten Nachfolger vom Markt verschwinden. Mal hat sich ihr Konzept überholt, mal sind die Verkaufszahlen zu gering oder sie passen einfach nicht nach Europa. Wir stellen Ihnen 10 Modelle vor, die sich hierzulande 2021 ohne direkten Nachfolger verabschiedet haben.

BMW i3

Bei seinem Debüt im Jahr 2013 war der i3 eines der ersten Elektroautos auf dem deutschen Markt. Nach rund neun Jahren stellt BMW nun im Juli 2022 die Produktion ein.

Ursprünglich sollte der i3 wegen der großen Nachfrage nach Elektroautos noch bis 2024 laufen. Doch im vergangenen Sommer fiel dann laut Medienberichten die Entscheidung, das Produktionsende auf 2022 vorzuziehen. Dazu passt auch die Tatsache, dass BMW bereits im Mai 2022 den i3 eDrive35L in China auf den Markt bringt. Dabei handelt es sich um eine vollelektrische Langversion des Dreiers, die vor Ort gebaut wird.

BMW i3 (2021) im Test

Citroën C4 SpaceTourer

Keiner kauft mehr Vans, obgleich sie praktisch sind. Deshalb zieht nun Citroën die Notbremse und stellt den Grand C4 SpaceTourer ein. Er hat seine Wurzeln im Jahr 2006, als der ursprüngliche C4 Picasso auf den Markt kam.

Die zweite Generation erschien 2013 mit geteilten Scheinwerfern, bevor diese in Mode kamen. Anfang 2018 wurde das Modell in C4 SpaceTourer umbenannt, was sich auch auf die größere Version mit dem Namen Grand C4 SpaceTourer auswirkte. Das kürzere fünfsitzige Modell wurde schon 2020 eingestellt.

Citroën Grand C4 Spacetourer

Ford Fiesta Dreitürer

Der Ford Fiesta war bislang einer der letzten Kleinwagen, die es überhaupt noch als Dreitürer gab. Aus Kostengründen und mangelnder Nachfrage waren seine Rivalen schon lange zu reinen Fünftürern mutiert. Jetzt vollzieht auch Ford diesen Schritt.

Auf unsere Nachfrage hin hat Ford Deutschland das Dreitürer-Aus für Sommer 2022 bestätigt. So heißt es: Zum Modelljahreswechsel vereinfacht und strafft Ford das Lieferangebot. Ziel ist es, das Angebot der Kundennachfrage anzupassen – dementsprechend wird die weniger stark gefragte Karosserievariante (eben der 3-Türer) aus dem Programm genommen.

Ford Fiesta ST Dreitürer (2022)

Ford Mondeo

Eine Legende tritt ab: Die Zeichen standen schon seit März 2021 auf Abschied, als Ford ankündigte, die Produktion des Mondeo für Europa einzustellen. Am 4. April 2022 lief nun das letzte Fahrzeug im Werk in Valencia vom Band. Ein Produktingenieur teilte auf LinkedIn ein Bild des Schwanengesangs des Mittelklassewagens, einen grauen Wagen mit einem Banner, das darauf hinweist, dass es sich um das letzte Exemplar handelt.

Einen neuen Mondeo gibt es zwar, doch nur als Limousine mit starkem Benziner in China. Dort wird das Fahrzeug auch gebaut, ein Export nach Europa ist nicht vorgesehen. Einzig die Nahost-Region kommt außerhalb Chinas in den Genuss, dort heißt der Neo-Mondeo dann Taurus.

Ford Mondeo Hybrid

Nissan GT-R in Europa

Godzilla ist tot, zumindest in Europa. 13 Jahre lang sorgte der bis zu 600 PS starke Nissan GT-R für Aufsehen, doch nun schicken ihn neue Lärmvorschriften in Europa-Rente. Seit 2009 wurden in Deutschland bis Ende 2021 exakt 1.812 GT-R neu zugelassen, die wegfallenden Verkaufszahlen dürften Nissan also nicht allzu sehr schmerzen.  

Nissan GT-R Nismo: 600 PS

Renault Talisman

Der Talisman brachte Renault nur mäßig Glück: Die Mittelklasse entwickelt sich abseits deutscher Premium-Marken zum immer kleineren Segment, siehe Ford Mondeo. Besonders schwierig haben es Importeure und/oder Limousinen mit Stufenheck.

Die Zeichen standen beim Renault Talisman schon länger auf Aus, denn das Unternehmen hatte bereits ankündigt, den Mittelklassewagen im Dezember 2021 einzustellen. Im Februar 2022 war es dann soweit, obwohl es den 2015 vorgestellten Talisman auch als Kombi gab. Exakt 16.870 Talisman wurden in Deutschland in rund sechs Jahren neu zugelassen, insgesamt wurden rund 260.000 Exemplare gebaut.

Platz 10: Renault Talisman Grandtour (1.681 Liter)

Dacia Lodgy

Vans waren mal eine gute Idee, jetzt sind sie es nicht mehr. Zumindest laut den meisten Herstellern, bei denen die geräumigen Familienautos sukzessive ausgemustert werden. Bei Dacia macht der Lodgy gemeinsam mit dem Logan MCV immerhin nicht Platz für ein weiteres SUV: Hier übernimmt der neue Jogger mit bis zu sieben Sitzen künftig Taxidienste für den Nachwuchs.

Der Dacia Lodgy war 4,50 Meter lang, als Stepway 4,52 Meter. Als Motoren gab es zuletzt zwei Turbobenziner mit 102 und 131 PS Leistung.

Dacia Lodgy

Ford Edge

2015 debütierte die zweite Generation des Ford Edge in den USA, 2016 kam das 4,83 Meter lange SUV auch nach Europa. Trotz einer Modellpflege im Jahr 2019 konnte sich der Edge auf unserem Kontinent nicht behaupten, weshalb der Import zum Modelljahr 2021 gestoppt wurde. Unter der Haube der Euro-Version steckte entweder ein Turbodiesel mit 150 PS oder ein Diesel mit Biturbo und 238 PS.

Ford Edge 2.0 TDCi im Test (2019)

Lexus CT

Wann haben Sie das letzte Mal einen Lexus CT gesehen? Eventuell noch nie, obwohl der Golf-Gegner von Lexus seit 2011 verkauft wurde. 4,36 Meter lang setzte der CT ausschließlich auf einen Hybrid-Antriebsstrang aus dem Toyota Prius der dritten Generation. Leistung? 100 kW (136 PS). Nach zehn Jahren wurde der CT endlich beerdigt. 

Lexus CT 200h

Mazda CX-3

Mit dem Jahr 2021 endete der Verkauf des Mazda CX-3 in Europa und den USA. Die Produktion jedoch wird für andere Märkte noch weiterlaufen. Unmodern wirkte das kompakte SUV noch immer nicht, obwohl der CX-3 schon Ende 2014 in Los Angeles erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Der 4,27 Meter lange Wagen basiert auf der Plattform des Mazda 2. Das Motorenprogramm war am Ende ausgedünnt worden, übrig blieb der 2,0-Liter-Benziner mit 121 PS Leistung.

De-Facto-Nachfolger ist der mit 4,39 Meter nicht sehr viel längere, aber deutlich moderne CX-30. Hier kommt unter anderem der hoch verdichtete Skyactiv-X-Motor zum Einsatz, der Diesel entfiel im Frühjahr 2021.

Mazda CX-3 (2021)

Mitsubishi Pajero

Eine Legende tritt ab: Nach fast 40 Jahren und vier Modellgenerationen endete 2021 die Produktion des Mitsubishi Pajero endgültig. Die letzte Generation erschien bereits 2007 mit Längen zwischen 4,38 Meter (Dreitürer) und 4,90 Meter (Fünftürer). In Europa war besonders der 3,2-Liter-Diesel beliebt, auf anderen Märkten der Sechszylinder-V6 mit 3,0 Liter Hubraum. 

2018 wurde der Verkauf des Pajero in Europa eingestellt, Japan folgte 2019. Nur für Märkte wie Australien oder den Nahen Osten wurde der Geländewagen noch bis Frühjahr 2021 produziert. 

Mitsubishi Pajero Endausgabe

Peugeot 108/Citroën C1

Immer strengere Vorschriften bei Abgas und Sicherheit kosten die Autohersteller Geld. Ein Opfer davon sind Kleinstwagen wie der Peugeot 108 und der baugleiche Citroën C1. Während Toyota den neuen Aygo X präsentiert hat, verließen die beiden französischen Marken vor geraumer Zeit das gemeinsame Joint-Venture.

2021 schlug das letzte Stündlein für den 2014 eingeführten 108 und den C1 mit ihrem 72-Benziner unter der kurzen Motorhaube. Mit 3,48 Meter zählte das Duo zu den kürzesten Neuwagen auf dem Markt. Peugeot und Citroën setzen für die Zukunft auf günstige Einstiegsversionen von 208 und C3.

Peugeot 108

Seat Alhambra

Nach satten 11 Jahren hat für den Seat Alhambra das Totenglöcklein geläutet. Zwar liebten Familien den 4,85 Meter langen Van mit den Schiebetüren hinten und bis zu sieben Sitzen. Zuletzt gab es ihn nur noch als 1.4 TSI mit 150-PS-Benziner. 

Künftig markiert das SUV Tarraco die größenmäßige Spitze im Seat-Modellprogramm. Geistiger Nachfolger des Alhambra und dessen VW-Bruder Sharan ist der neue VW T7 Multivan. Seine Existenz dürfte wohl auch bald den Sharan aufs Altenteil schicken.

Seat Alhambra

Smart Forfour

Auch die zweite Generation des Smart Forfour hat das Ende ihres Lebenszyklus erreicht. 2014 noch mit Benzinern gestartet, gab es den 3,50 Meter kurzen Fünftürer seit der Modellpflege 2019 nur noch ausschließlich elektrisch. Leistung: 60 kW gleich 82 PS.

Technisch ist der zweite Forfour eng mit dem Renault Twingo verwandt und lief bis 2021 gemeinsam mit diesen in Slowenien vom Band. Die Zukunft der Marke Smart liegt in China: Als Modell nach Fortwo und Forfour ist ein kompaktes Elektro-SUV geplant, welches als Studie auf der IAA 2021 in München gezeigt wurde.

Smart EQ Forfour

Toyota Camry

In den USA ist der Toyota Camry ein absoluter Hit, in Europa spielt er lediglich eine Statistenrolle. Mit 218 PS starkem Hybrid-Benziner hoffte Toyota auf Verkäufe im Flotten- und Taximarkt. Tatsächlich bot der 4,89 Meter lange Wagen auch viel fürs Geld. Doch es gab ihn nur ein Stufenheck und nicht als Kombi. Zudem lieferte der Name Toyota weniger Prestige als Audi, BMW und Mercedes. 

Toyota Camry Facelift (2021)

VW Passat Limousine

 Wie bereits das Beispiel des Toyota Camry zeigt: Große Stufenheck-Limousinen außerhalb der drei deutschen Premium-Marken haben es in Europa extrem schwer. War diese Bauform dort noch bis in die 1980er-Jahre hinein populär, kam sie in den darauffolgenden Jahrzehnten immer mehr aus der Mode. 

Jüngstes Opfer ist die 4,78 Meter lange VW Passat Limousine, dessen Produktion ausläuft. Spezifische gründe bei VW ist die enorme Beliebtheit des Variant, zudem gibt es mit dem Arteon eine schicke Alternative zum Stufenheck. Den nächsten Passat wird es nur noch als Kombi geben. Wer clever ist, sichert sich jetzt noch eine Limousine mit Rabatt. Wie wäre zum Beispiel der GTE mit 218 PS starkem Plug-in-Hybrid?

VW Passat Facelift (2019)