Greenlander Sherpa (2026): Naturfaser-Kabine trifft Sprinter
Der nachhaltige 4x4-Camper kommt auf Mercedes Sprinter 4x4 und setzt auf eine Naturfaser-Kabine mit recyceltem PET-Kern
Expeditionsmobile sind oft die automobilen Wanderschuhe mit Stahlkappe: robust, hochbeinig, teuer – und nicht selten so filigran wie ein Tresor auf Reifen. Der Greenlander Sherpa will genau da raus. Kantig genug fürs Grobe, beim Aufbau aber nachhaltiger gedacht als viele klassische 4x4-Mobile.
Spannend ist das auch deshalb, weil sich hier ein kleiner Kreis schließt: Die Naturfaser-Technologie von Circular Structures, die bereits beim Dethleffs e.home Eco zum Einsatz kam, bildet auch beim Sherpa die konstruktive Basis. Neu ist jetzt: Neben dem Iveco Daily 4x4 kommt der Mercedes Sprinter ins Spiel.
Bildergalerie: Greenlander Sherpa (2026) auf Mercedes Sprinter 4x4
Bislang war der Sherpa vor allem mit dem Iveco Daily 4x4 verbunden. Das passte zum Charakter: Nutzfahrzeug-Basis, Leiterrahmen-Feeling, ernsthafte Geländeanmutung. Künftig soll es den Sherpa aber auch auf Basis des Mercedes Sprinter 419 CDI 4x4 geben.
Unter der Haube arbeitet der bekannte Diesel mit 190 PS. Dazu kommt der semipermanente Allradantrieb des Sprinter, der je nach Bedarf Kraft an die Vorderachse schickt. Kein Rallye-Gerät für die Dakar. Aber ein Camper, der sich von matschigen Stellplätzen, nassen Waldwegen oder schlechten Pisten nicht gleich die Laune verderben lässt.
Der Radstand liegt bei 3.665 Millimetern, das zulässige Gesamtgewicht bei 4.100 Kilogramm. Damit bleibt der Sprinter-Sherpa unterhalb jener 4,25-Tonnen-Marke, die für Reisemobile künftig noch interessanter werden dürfte.
Beim Gewicht nennt Greenlander für Fahrzeug und Kabine rund 3.400 Kilogramm. Daraus ergibt sich eine Zuladung von etwa 700 Kilogramm. Für ein kompaktes Expeditionsmobil ist das ordentlich, aber nicht üppig. Wasser, Diesel, Ausrüstung, Werkzeug, Fahrräder und Reiseproviant haben bekanntlich die schlechte Angewohnheit, auf der Waage sehr ehrlich zu werden.
Die Außenmaße liegen bei rund 6,5 bis 6,6 Metern Länge, 2,2 Metern Breite und etwa 3,2 Metern Höhe. Damit bleibt der Sherpa deutlich kompakter als viele ausgewachsene Expeditions-Lkw, ist aber klar kein Kastenwagen mehr, der sich unbemerkt in jede Innenstadtlücke faltet. Wer so etwas kauft, sucht keinen Parkplatz vor der Eisdiele. Eher den Weg dahinter.
Der Dieseltank fasst 93 Liter, der AdBlue-Tank 25 Liter. Auch das passt zum Anspruch eines Fahrzeugs, das nicht nach jedem zweiten Kreisverkehr an die Zapfsäule möchte. Wichtiger als große Zahlen ist hier ohnehin die Kombination aus Reichweite, Bodenfreiheit, Aufbauqualität und Nutzlast.
Der eigentliche Clou des Sherpa sitzt nicht vorne im Motorraum, sondern hinten auf dem Rahmen. Die Kabine besteht aus Naturfaser-Verbundwerkstoffen von Circular Structures. Statt klassischer GFK-Strukturen setzt Greenlander auf einen Sandwich-Aufbau mit Flachsfasern und einem Kern aus recyceltem PET. Kurz gesagt: weniger Plastik-Festung, mehr Flachs mit Funktion.
Die Kabine misst rund 4,14 Meter in der Länge, 2,17 Meter in der Breite und gut 2,15 Meter in der Höhe. Innen beträgt die Stehhöhe im Wohnbereich etwa 2,02 Meter. Klingt nach Detail, entscheidet aber schnell über Alltagstauglichkeit. Spätestens nach ein paar Regentagen zeigt sich, ob ein Konzept trägt.
Auch der sogenannte Smart Frame gehört zum Konzept. Gemeint ist eine Struktur, die Kabine, Technik und Basisfahrzeug möglichst sinnvoll miteinander verbindet. Greenlander investiert nach eigenen Angaben bereits in den Ausbau der Fertigungskapazitäten für die Naturfaser-Koffer und diese Smart Frames. Parallel werden Kooperationen in Montage und Service geprüft.
Innen soll der Sherpa weniger nach Expeditionscontainer und mehr nach kompaktem Zuhause wirken. Natürliche Materialien, ein warmes Raumgefühl und ein Ausbau, der eher wohnlich als martialisch gedacht ist. Zur Ausstattung gehören Konnektivitätslösungen wie 5G-WLAN, GPS und optional auch Starlink.
Auch das Badkonzept bleibt kompakt. Beim bekannten Sherpa gab es ein funktionales Badezimmer mit feststehender Spüle, Handbrause, Schrankelementen, Dachluke und Komposttoilette. Genau solche Lösungen passen zum Ansatz des Fahrzeugs: nicht überladen, aber klar auf längere Reisen ausgelegt.
Für 2027 ist zunächst eine Launch Edition als Erstserie auf Sprinter-Basis geplant. Das reguläre Orderbuch für spätere Auslieferungen soll mit der Präsentation auf der CMT 2027 geöffnet werden. Erste reguläre Auslieferungen werden damit eher Ende 2027 oder Anfang 2028 realistisch.
Mit dem Sprinter als zweiter Basis bekommt der Sherpa ein ziemlich praktisches Argument: Service. Wer weit fährt, braucht im Zweifel keine Abenteuerlyrik, sondern Ersatzteile, Werkstattzugang und jemanden, der mit dem Basisfahrzeug umgehen kann. Genau da ist der Sprinter schwer zu schlagen.
Am Ende bleibt der Greenlander Sherpa kein Camper für den Campingplatz neben der Therme. Die Sprinter-Basis macht ihn alltagstauglicher, die Naturfaser-Kabine ungewöhnlicher. Kein Öko-Heiligenschein, kein Expeditionspathos – eher ein ziemlich nüchterner Versuch, Offroad-Reisen etwas leichter und nachhaltiger zu denken.
Auch interessant
VANME Niffler (2026): Dieser Bike-Camper ist nichts für Spießer
AMG GT Premiere: Hollywood-Glamour trifft auf Vollgas-Romantik
Yacht-Feeling im Mercedes Sprinter: Dieser Camper ist purer Luxus
Neues Joint Venture: Stellantis baut Dongfengs Europa-Netz auf
Sechs Meter, Allrad, Alkoven: Was der Dopfer 332 A anders macht
Audi A2 e-tron (2026): Premium-Einsteiger sammelt Testkilometer
Hymer GT-S (2026): Der neue Einstieg in die Premiumklasse