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Dethleffs e.home Eco: Wohnmobil-Studie aus Flachs und Popcorn

Elektroantrieb mit 135 kW, 240 km Reichweite und nachhaltigen Materialien

Dethleffs e.home Eco (2025) E-Wohnmobil
Bild von: Dethleffs

Ein Reisemobil aus Flachsfasern, PET-Flaschen und Popcorn? Was wie eine skurrile Bastelidee klingt, ist Dethleffs bitterer Ernst. Mit dem e.home Eco zeigt der Hersteller aus dem Allgäu, was aktuell beim Thema Nachhaltigkeit im Caravaning technisch und konstruktiv möglich ist.

Die Studie, die auf dem Ford E-Transit basiert, ist Teil der Forschungsinitiative "Reiseziel Zukunft" und verfolgt einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz – jenseits des reinen Elektroantriebs. Die technische Basis liefert ein Ford E-Transit des Modelljahres 2023. Sein Elektromotor leistet 135 kW und erlaubt eine Reichweite von bis zu 240 Kilometern.

Dethleffs e.home Eco (2025) E-Wohnmobil
Bild von: Dethleffs

Damit ist der e.home Eco zwar noch kein Reichweiten-Champion, aber das Projektteam rund um Technikleiter Christoph Gawalleck hat dafür an anderen Stellschrauben gedreht. Der Energieverbrauch wurde unter anderem durch aerodynamische Optimierungen gesenkt. Dachaufbauten wurden weggelassen, die Seitenspiegel durch Kameras ersetzt und Radausschnitte verkleidet.

Innen wie außen steckt das Fahrzeug voller alternativer Materialien. Statt Glasfaser kommt beim Aufbau Flachs zum Einsatz – eine schnell nachwachsende Naturfaser mit ähnlichen Festigkeitseigenschaften, aber deutlich besserer CO2-Bilanz. Der Sandwichkern besteht aus einem Recycling-Schaum aus PET-Flaschen, die Harze basieren teilweise auf natürlichem Leinöl.

Dethleffs e.home Eco (2025) E-Wohnmobil
Bild von: Dethleffs

Im Innenraum wird der Nachhaltigkeitsgedanke fortgeführt: Tisch- und Küchenplatten bestehen aus sogenannten Popcornplatten. Dabei handelt es sich um ein Material aus aufgepopptem Mais mit Eichenfurnier, das an der Universität Göttingen entwickelt wurde. Es ist so stabil wie Sperrholz, aber nur halb so schwer. Die Polster sind mit Schafwollstoffen bezogen, die nicht nur robust und schwer entflammbar, sondern auch angenehm zu berühren sind. Beim Bodenbelag kommt Linoleum zum Einsatz, hergestellt aus Leinöl, Naturharzen, Korkmehl und Jute.

Doch nicht nur Materialwahl und Antrieb sind elektrisch. Auch beim Betrieb setzt Dethleffs auf Strom statt Gas oder Diesel. Für Heizung, Lüftung und Klimatisierung sorgt eine elektrische Wärmepumpe von Truma, die leise und effizient mit Landstrom arbeitet. Gekocht wird auf einem Induktionsfeld von Thetford, das ebenfalls mit Netzstrom betrieben wird. Für zusätzliche Autarkie ist eine Solaranlage mit bis zu 1.700 Watt Spitzenleistung verbaut – verteilt auf T-Haube, Heck und Dach.

Bildergalerie: Dethleffs e.home (2017)

Der e.home Eco ist Teil einer ganzen Reihe von Konzeptfahrzeugen, mit denen Dethleffs die Elektromobilität im Campingsegment seit Jahren vorantreibt. Schon 2017 sorgte der erste e.home für Aufmerksamkeit – ein Wohnmobil, das nicht nur elektrisch fuhr, sondern auch im Betrieb vollständig auf Strom setzte.

Ein Jahr später folgte der e.home coco: ein Wohnwagen mit eigener Antriebsachse, der den Zugwagen aktiv unterstützt. 2019 präsentierte Dethleffs den Globevan e.hybrid, ein seriennahes Plug-in-Hybrid-Reisemobil mit bis zu 50 Kilometern elektrischer Reichweite.

Bildergalerie: Dethleffs e.home Alpen-Challenge (2021)

Auch die Wohnwagen-Studie e.home Caravan zeigt, dass das Thema noch lange nicht ausgereizt ist. Sie kombiniert einen klassischen Aufbau mit zusätzlichem Elektroantrieb und Akku – und hat auf einer Alpentour 2021 bewiesen, wie sehr ein mitdenkender Anhänger die Reichweite eines Gespanns verbessern kann.

Neben Dethleffs arbeiten weitere Hersteller an der Elektrifizierung des Camping-Segments. So verwandelt Phoenix Pop-Up Camper den Tesla Cybertruck in ein Reisemobil mit Solarpower und Hubdach, während die ersten Auslieferungen des Elektro-Caravans Pebble Flow im letzten Monat gestartet sind. Mit dem Challenger X150 und X250 Electrix wagt sich zudem ein europäischer Hersteller an das Thema Caravaning-Elektrifizierung.