Am 29. März vor exakt 50 Jahren startete Volkswagen in Wolfsburg die Serienproduktion des Golf. Niemand ahnte an jenem Märztag, dass dieser Kompaktwagen – der Nachfolger des legendären Käfers – zum erfolgreichsten Volkswagen und meistverkauften europäischen Auto aller Zeiten avancieren würde.

Schließlich befand sich der Volkswagen-Konzern 1974 in der Krise. Ein Misserfolg des neuen Golf hätte die Geschichte des Unternehmens nachhaltig verändert. Doch er traf den Zeitgeist, wurde zum Namensgeber seiner Klasse und begleitet weltweit Generationen von Menschen. Sogar auf eine Briefmarke hat es der Golf schon geschafft.

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Apropos Name: Meist wird "Golf" vom Golfstrom hergeleitet, aber vom Volk auf die Sportart bezogen. Angeblich sei "Golf" aber der Name eines Rennpferds eines VW-Vorstands gewesen. Wie dem auch sei: Immer noch besser als etwa "Blizzard", was auch im Gespräch war. In den USA (und teilweise auch in Österreich) wiederum wurde der erste Golf als "Rabbit" verkauft.

Bis heute folgten dem ersten Serien-Golf des Jahres 1974 mehr als 37 Millionen Exemplare. Rein rechnerisch entschieden sich damit an jedem einzelnen Tag der letzten 50 Jahre über 2.000 Menschen für einen neuen Golf. Wir werfen einen Blick zurück, passend zu 50 Jahren Golf in Form von 50 Fotos.

50 Jahre VW Golf in 50 Bildern
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Im Juli 1974 standen die ersten neuen Golf beim Händler im Verkaufsraum. Dort, wo über Jahrzehnte der Käfer und damit der Boxermotor im Heck das Angebot dominierte, begann endgültig eine neue Epoche: die des quer eingebauten Frontmotors. Eingeleitet hatten bei Volkswagen diese Bewegung kurz zuvor der Scirocco und der Passat. Erster VW mit Frontantrieb war der von NSU übernommene K 70 gewesen.

Der von Giorgio Giugiaro und dem Volkswagen Design entworfene Golf musste als Nachfolger des legendären und insgesamt mehr als 21,5 Millionen Mal gebauten Käfers der großen Erwartung gerecht werden, die Erfolgsgeschichte des bis dato erfolgreichsten Autos der Welt fortzusetzen. Die Rechnung ging auf: Das moderne Antriebskonzept, der variable Innenraum und das neue Design überzeugten derart, dass bereits im Oktober 1976 die Produktion des einmillionsten Golf gefeiert werden konnte. Und das, obwohl die ersten Modelle von 1974 mit argen Qualitätsmängeln zu kämpfen hatten und fast alle von VW zurückgekauft wurden.

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Bis heute wurden allein in Wolfsburg mehr als 20 Millionen Golf gebaut. Die bis dato 17 Millionen außerhalb Wolfsburgs gefertigten Golf entstanden respektive entstehen in weiteren deutschen Werken sowie in Belgien, Brasilien, China, Malaysia, Mexiko, der Slowakei und Südafrika – in Südafrika lief der Golf I noch bis 2009 als Citi Golf vom Band.

Zu den inzwischen acht Golf-Generationen ist inzwischen praktisch überall schon alles gesagt worden. Deshalb hier nur ein knapper Überblick: Golf I inklusive aller Derivate 6,9 Millionen Mal verkauft. 1976 erster GTI und Diesel, 1979 Golf Cabriolet.

Golf II von 1983 bis 1992. Massiv besserer Rostschutz, größer als der Vorgänger. Im Golf II debütierten Technologien wie der geregelte Katalysator, das ABS und der Allradantrieb. Legendäre Modelle: Rallye Golf, G60, Country Golf, GTI 16V. Zwischen 1983 und 1991 entstanden 6,3 Millionen Golf II.

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Mit dem Golf III leitete Volkswagen ab August 1991 eine neue Ära der Sicherheit ein. Er war der erste Typ der Baureihe, den es ab 1992 mit Frontairbags gab. Probleme gab es bei Qualität und Rostvorsorge. Legendäre Modelle: VR6, erster Golf Variant, neues Cabriolet. Gleichzeitig schleichende Entwertung des GTI-Labels. 4,8 Millionen Golf III wurden bis 1997 gebaut.

Der 1997 vorgestellte Golf IV gilt heute als Stilikone – sicher auch deshalb, weil er mit seiner Klarheit und dem für die Baureihe prägenden C-Säulen-Design die Brücke zum Golf I des Jahres 1974 schlug. Volkswagen realisierte mit dem Golf IV einen neuen Qualitätsstandard im Segment. 2002 stellte Volkswagen auf der Basis der vierten Generation zudem den bis dato sportlichsten Golf vor: den 250 km/h schnellen R32. 2003 erhielt er als erster Volkswagen ein Doppelkupplungsgetriebe (DSG). Im selben Jahr wurde der Golf IV nach 4,9 Millionen Exemplaren abgelöst.

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Der fünfte Golf ließ 2003 mit seinem ausgezeichneten Komfort so manch einen Wettbewerber der höheren Mittelklasse hinter sich. Nichts anderes galt für die Qualität. Ein Wert, der die Stabilität der per Laser geschweißten Karosserie untermauerte, waren die 35 Prozent Plus in der Torsionssteifigkeit. Apropos Plus: Mit dem Golf Plus (später Golf Sportsvan) ergänzte ein Kompakt-Van das Programm. Darüber hinaus punktete der bis 2008 3,4 Millionen Mal gebaute Golf V mit einer neuen Vierlenkerhinterachse, Bi-Xenonscheinwerfern und dem ersten 7-Gang-DSG.

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Beim Golf VI handelte es sich de facto um ein sehr großes Facelift des Fünfer-Golfs. In nur vier Jahren entstanden auf der Basis der 2008 vorgestellten sechsten Generation bis Ende Juli 2012 weitere 3,6 Millionen Golf. Im September 2012 feierte Volkswagen die Weltpremiere des siebten Golf. Dessen Gewicht wurde gegenüber dem Vorgänger um bis zu 100 kg gesenkt und damit sank auch der Verbrauch um bis zu 23 Prozent. 2014 nahm VW mit dem e-Golf Kurs auf das Zeitalter der Elektromobilität. Allerdings hatte es schon den Golf I als Elektro-Prototypen gegeben. Bis 2019 entstanden 6,3 Millionen Golf VII.

Im Oktober 2019 stellte Volkswagen den Golf VIII vor. Mit neuen Mild- und Plug-in-Hybridantrieben elektrisierte er die Kompaktklasse. Kritisiert wurden aber die anfällige Software und die mäßige Bedienung über Touchflächen. Auch die Qualitätsanmutung hatte sich gegenüber dem Vorgänger verschlechtert. Alle diese Punkte sollen mit dem im Januar 2024 vorgestellten Facelift verbessert worden sein. Mehr als eine Million Exemplare wurden bislang vom achten Golf verkauft.