Ob auf Papier oder real, der Geländewagen fasziniert viele

Wir berichten oft und gerne über den Lada 4x4, der seit kurzem in seiner Heimat Russland wieder als Lada Niva Legend verkauft wird. Und warum? Nun, wir können es nach Testfahrten in den vergangenen Jahren, als der kleine Geländewagen noch offiziell in Deutschland verkauft wurde, wie folgt zusammenfassen: Es ist das geilste und furchtbarste neue Auto zugleich, das es gibt. 

Kein Wunder, schließlich ist der Niva des Modelljahrs 2021 noch ziemlich nahe an der Urfassung von 1977. Kein aktuell noch produziertes Auto ist länger weitgehend unverändert geblieben. Ist man mit dem Niva unterwegs, lernt man noch "richtiges Autofahren" ohne Assistenten und 25 Computer. Und nicht zuletzt ist der Allrad-Lada trotz schlappem Uralt-Motor im Gelände ein Könner.

Warum ich Ihnen das alles erzähle? Nun, endlich beschäftigt sich ein Buch in deutscher Sprache mit dem Lada Niva alias "Die Gelände-Legende". Gleichzeitig ist es auch die erste Monographie überhaupt zu einem Lada-Modell abseits von Reparaturanleitungen und Übersichten von Ostblock-Fahrzeugen.

Der Lada 4x4 wird 40

Auf 96 Seiten kann natürlich nicht die Geschichte des Niva im Detail erschöpfend erzählt werden. Gerade das Kapitel zur Entstehung fällt recht knapp aus, die dort fehlenden Bilder der Prototypen sehen Sie hier bei uns. Ob der Niva, wie im Buch behauptet, den Grundstein für heutige SUVs gelegt hat? Fest steht: Ausgerechnet die verkannten Sowjets haben einen wichtigen Beitrag zur "Zivilisierung" des Geländewagens geleistet.

Interessant sind hingegen die Ausführungen zur Entstehung von AvtoVAZ, dem Konzern hinter der Marke Lada und zur Vermarktung des Niva in Westeuropa. Importeure wie Poch in Frankreich waren kreativ, um den Niva an den Kunden zu bringen, davon künden viele Sondermodelle. Auch bei der Rallye Paris-Dakar schlug sich der Lada wacker.

Aufschlussreich sind zudem die vielen Niva-Derivate, die das Werk in Togliatti entwarf, ebenso der Blick auf die Modellentwicklung über den Fünftürer und den fast schon luxuriösen "Urban" bis hin zum Facelift des Jahres 2020.

Westdeutsche 4x4/Niva-Fans werden überrascht sein, dass der Sowjet-Kraxler in der DDR eher selten blieb. Abgerundet wird das 12,95 Euro günstige Werk durch den Ausblick auf den Anfang 2020 als Studie angekündigten Neo-Niva mit Renault/Dacia-Technik für 2024. Fazit: Wer sich für den Niva interessiert, aber auch generell für Lada oder Autos aus dem Ostblock, sollte zuschlagen.   

(Alexander F. Storz: Lada Niva - Die Gelände-Legende, ISBN: 978-3-613-04317-6, 96 Seiten, 12,95 Euro)

Bildergalerie: 2020 Lada 4x4 (Niva) Facelift