Design: Vans und Minivans stehen vor dem Comeback
Vom 600 Multipla bis zum Citroën ELO: Warum die praktische Form wieder modern werden kann
Ein Van folgt einem nahezu entgegengesetzten Ansatz wie ein Coupé: Zuerst wird festgelegt, wie viel Platz Menschen und Gepäck benötigen, erst danach entsteht darum herum eine durchgehende Karosserie, ohne eine klare Trennung zwischen Motorhaube, Fahrgastzelle und Heck.
Er muss nicht sportlich oder aggressiv wirken und auch nicht höher bauen als nötig, denn seine wichtigste Qualität entsteht aus der Fähigkeit, jeden äußeren Zentimeter in Innenraum zu verwandeln. Praktikabilität ist hier keine Einschränkung, sondern eine bewusste Designentscheidung. Doch die Vans schienen eine aussterbende Gattung zu sein, vor kurzem erwischte es den VW Touran. Aber es gibt Hoffnungen auf ein Comeback dieser Fahrzeugklasse.
Bildergalerie: Citroen ELO Concept (2025)
Eine Form von innen nach außen gedacht
Das Citroën ELO Concept aus dem Jahr 2025 macht dieses Prinzip sofort sichtbar: Räder weit an den Ecken, eine weit nach vorn gerückte Windschutzscheibe, nahezu senkrechte Flanken und sehr große Glasflächen ergeben ein kompaktes Volumen, bei dem die Karosserie den Innenraum scheinbar direkt umschließt.
Citroen ELO Concept (2025)
Die Motorhaube wird nicht betont, und auch das Heck bildet keinen eigenen Aufbau; alles mündet in eine durchgehende Silhouette. Recht kastig, fast wie ein kleiner mobiler Raum, in dem eine zentrale Fahrerposition und frei konfigurierbare Sitze Teil der äußeren Form werden.
Vor dem Design kommt das Platzangebot
Der Fiat 600 Multipla von Dante Giacosa hatte diese Denkweise bereits 1956 vorweggenommen: nach vorn gerückter Innenraum, drei Sitzreihen und maximale Ausnutzung der Länge. Die Form konnte ungewöhnlich wirken, war aber die direkte Konsequenz dessen, was sie aufnehmen sollte. Und sie steht seit Neuestem mit dem für 2028 geplanten Projekt Fiat Multiplina wieder im Fokus.
Fiat 600 Multipla (1956)
Renault Espace I von 1984
Der erste Renault Espace machte aus dieser Idee nicht nur seinen Modellnamen ("Raum") sondern 1984 ein für den Beobachter ungewöhnlich wirkendes Fahrzeug: ein Volumen, große Glasflächen, Einzelsitze und eine Karosserie, die ein bis dahin eher dem Kastenwagen nahes Konzept klar als Pkw interpretierte. Interessant dabei: Mit Frontmotor liegt die am stärksten geneigte Zone vorn, im Gegensatz zum 600 Multipla.
Fiat Multiplina
Wenn der Van zum Pkw wird
Xsara Picasso und C4 Picasso, später C4 Spacetourer, zeigten, dass ein Van praktisch sein kann, ohne nach Nutzfahrzeug auszusehen: geneigte Windschutzscheibe, gewölbtes Dach, weiche Flächen und große Verglasung machten den Innenraum auch außen als gestalterisches Element erkennbar. Die ursprüngliche Eiform, die Donato Coco wollte, entwickelte sich in den folgenden Generationen zwar weiter, blieb in ihrer Logik aber konstant.
Irgendwie ist die Citroen-Palette ohne ein Modell wie den mittelgroßen Van geblieben, in der Klasse des ersten Citroen Xsara Picasso, perfektes Symbol des Ei-Innenraums, Symbol für Geborgenheit, Schutz und Raummanagement
Wenige Autos haben beim Design so gegensätzliche Reaktionen hervorgerufen wie der Fiat Multipla, der heute jedoch von allen als gelungenes und stimmiges Designobjekt anerkannt wird, mit einer der besten Automobilformen, um sechs Passagiere und Gepäck komfortabel und praktisch unterzubringen
Der Fiat Multipla von 1998 (Roberto Giolito) ging noch radikaler vor: Mit sechs Sitzen in zwei Reihen und einer Karosserie, die optisch in zwei Zonen geteilt war. Dieser Multipla suchte keine eleganten Proportionen, sondern baute seine Identität auf Breite und Freiheit im Innenraum auf. Das Facelift glättete einige kühne Lösungen, doch die erste Serie griff das ursprüngliche Konzept direkt auf, mit extrem konsequentem Design.
Vom Kastenwagen zur großen Reisemaschine
Heute lebt ein Teil dieser Funktion in Hochdachkombis auf Nutzfahrzeugbasis weiter, etwa bei den "Cousins" Citroën Berlingo, Peugeot Rifter und Fiat Doblò. Sie sind rational und geräumig, doch ihre Nutzfahrzeug-Herkunft bleibt oft in den vertikalen Proportionen, der Schlichtheit der Flächen und in manchen Kompromissen bei Materialanmutung und Komfort ablesbar.
Citroen Berlingo (2026) Basis-Version
Hyundai Staria 9-Sitzer (2023) im Test
Der Hyundai Staria zeigt dagegen, dass ein großes Volumen auch ein bewusstes Stilthema sein kann: stark geneigte Frontscheibe, eine horizontale Lichtsignatur und eine durchgehende Fensterlinie nehmen Masse heraus und machen aus einem fast vanartigen Aufbau mit einer Länge von über 5,20 Meter eine futuristische große Reisemaschine.
Raum kann wieder begehrenswert werden
Ein Van muss nicht so tun, als wäre er sportlich, und braucht weder Beplankungen noch die optischen Muskeln eines SUV; sein Charakter entsteht aus dem Platzangebot, aus Helligkeit und aus der unmittelbaren Übereinstimmung von äußerer Form und Innenraum.
Der Citroën ELO weist auf eine mögliche neue Richtung hin: keine nostalgische Rückkehr des Picasso, sondern ein kompaktes, wandelbares Auto, das um die Menschen herum entwickelt wurde. Nach Jahren der SUV-Monotonie könnte ausgerechnet das Auto, das Platz verspricht, wieder modern wirken.
Bildergalerie: Citroen ELO Concept (2025)
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