Mazda 787B: Ikonischer Wankel-Rennwagen bei der Le Mans Classic
Anfang Juli 2026 wird der Sieger von 1991 dort Demonstrationsfahrten durchführen
Vom 2. bis 5. Juli 2026 kehrt der legendäre Mazda 787B im Rahmen der Le Mans Classic 2026 an den Ort seines größten Triumphs zurück. Diese historische Langstreckenveranstaltung hat sich über die Jahre zu einer der weltweit größten Plattformen für klassischen Motorsport entwickelt und zieht regelmäßig Hunderttausende Zuschauer an den Circuit de la Sarthe.
Das Event bietet eine Bühne für historische Rennfahrzeuge, die in der Vergangenheit aktiv an den 24 Stunden von Le Mans teilgenommen haben und dort erneut im sportlichen Einsatz demonstriert werden.
Anlässlich des 35. Jahrestages des historischen Sieges veranstaltet Mazda in enger Zusammenarbeit mit der bekannten Modellautomarke Spark eine Reihe von feierlichen Aktivitäten. Neben einer exklusiven Parade wird der originale 787B auch eigenständige Demonstrationsfahrten auf dem Kurs absolvieren.
Bildergalerie: Mazda 787B, Le-Mans-Sieger 1991
Das Cockpit des Rennwagens teilen sich dabei zwei prominente Persönlichkeiten: Zum einen Yojiro Terada, ein Rennfahrer, der über Jahrzehnte hinweg eng mit der Geschichte von Mazda in Le Mans verbunden ist, und zum anderen Pierre Fillon, der amtierende Präsident des veranstaltenden Automobile Club de l'Ouest (ACO).
Fillon zeigte sich im Vorfeld der Veranstaltung sichtlich emotional und betonte die persönliche Bedeutung dieses Einsatzes, da es schon lange sein Traum gewesen sei, das Privileg zu haben, sich hinter das Lenkrad dieses legendären Siegerfahrzeugs mit Kreiskolbenmotor setzen zu dürfen.
Der legendäre Überraschungssieg 1991
Nach mehr als einem Jahrzehnt intensiver Entwicklungsarbeit und zahlreichen Renneinsätzen erreichte Mazda am Sonntag, den 23. Juni 1991, den absoluten Höhepunkt seiner Motorsportgeschichte. Zwar profitierte man auch von den Ausfällen der favorisierten Teams Mercedes und Jaguar. Aber bis heute gilt: "If you want to finish first, you have to finish first." Um Punkt 16 Uhr stand fest: Das Fahrertrio bestehend aus Johnny Herbert, Volker Weidler und Bertrand Gachot hatte gemeinsam mit der Werksmannschaft Mazdaspeed die 59. Auflage der 24 Stunden von Le Mans gewonnen.
Mazda 787B bei den 24 Stunden von Le Mans 1991
Dieser Erfolg bei dem prestigeträchtigsten Langstreckenrennen der Welt ging als Meilenstein in die Annalen des Motorsports ein und besaß eine enorme symbolische Bedeutung. Zum ersten Mal in der Geschichte dieses seit 1923 ausgetragenen Rennens siegte ein Fahrzeug, das nicht von einem herkömmlichen Hubkolbenmotor, sondern von einem Kreiskolbenmotor angetrieben wurde. Gleichzeitig war Mazda der erste japanische Hersteller überhaupt, dem der Gesamtsieg bei diesem geschichtsträchtigen Langstreckenklassiker gelang.
Die Technik des Mazda 787B
Der Mazda 787B bildete den technologischen Höhepunkt einer langen Reihe von Gruppe-C-Rennwagen des Herstellers, die gezielt um das Prinzip des Wankelmotors herum konstruiert wurden. Das siegreiche Fahrzeug mit der Startnummer 55 und der Chassisnummer 787B-002 basierte auf einem extrem leichten und verwindungssteifen Monocoque aus Carbon-Verbundwerkstoff, wodurch das fahrbereite Gesamtgewicht bei knapp über 839 Kilogramm lag.
Mit einer Gesamtlänge von 4.782 Millimetern, einer Breite von 1.994 Millimetern und einer Höhe von lediglich 1.003 Millimetern wies der Rennwagen die typisch flache, aerodynamisch optimierte Silhouette der damaligen Sportwagen-Prototypen auf. Der Radstand betrug 2.662 Millimeter, während die Spurweite an der Vorderachse auf 1.534 Millimeter und an der Hinterachse auf 1.504 Millimeter eingestellt war.
R26B Vierscheiben-Kreiskolbenmotor im Mazda 787B
Das technologische Herzstück des Rennwagens war der R26B-Motor. Dabei handelte es sich um einen Vierscheiben-Kreiskolbenmotor mit einem Kammervolumen von viermal 654 Kubikzentimetern. Nach der damaligen Umrechnungsformel der Sporthoheit FISA entsprach dies einem Hubraumäquivalent von 4.708,8 Kubikzentimetern für reguläre Hubkolbenmotoren. Gepaart war das hochdrehende Triebwerk mit einem manuellen Fünfgang-Getriebe, das in einer Kooperation zwischen Mazda und Porsche entwickelt worden war, sowie einer Dreischeibenkupplung von Borg & Beck.
Für den mechanischen Grip sorgte ein hochentwickeltes Fahrwerk mit Pull-Rod-System an der Vorderachse und Kipphebel-Anlenkung (Rocker Arm) an der Hinterachse, kombiniert mit Stoßdämpfern von Bilstein. Die Kraftübertragung auf den Asphalt erfolgte über RAYS-Leichtmetallfelgen in den Dimensionen 12×18 Zoll vorn und 14,75×18 Zoll hinten, bestückt mit Rennreifen von Dunlop. Um die immensen Geschwindigkeiten der Hunaudières-Geraden sicher zu verzögern, war der Wagen mit einer Bremsanlage von Brembo ausgestattet, die über innovative Bremsscheiben aus Carbon verfügte.
Ein fehlerfreies Rennen auf dem Circuit de la Sarthe
Während des geschichtsträchtigen Rennens im Jahr 1991 spulte das Chassis 787B-002 die Distanz absolut fehlerfrei ab. Insgesamt absolvierte der Prototyp 362 Runden auf dem damals rund 13,6 Kilometer langen Kurs, was einer Gesamtdistanz von circa 4.923 Kilometern entspricht. Der gesamte Rennverlauf gestaltete sich für Mazdaspeed ohne jegliche unvorhergesehene Zwischenfälle oder technische Komplikationen.
Das Team beschränkte sich über die gesamten 24 Stunden hinweg auf reine Routine-Boxenstopps, bei denen lediglich nachgetankt sowie Reifen, Fahrer und die Bremsbeläge gewechselt wurden. Da zu keinem Zeitpunkt des Rennens Probleme auftraten, die einen ungeplanten Zeitverlust in der Garage verursacht hätten, konnte das Fahrzeug die Rundenzeiten exakt nach der im Vorfeld ausgearbeiteten Strategie einhalten. Je nach Rennsituation war es den Fahrern sogar möglich, das Tempo gezielt zu verschärfen, um direkte Konkurrenten zu überholen, einen Vorsprung herauszuarbeiten und schließlich die Zielflagge als Sieger zu sehen.
Das Erbe des Kreiskolbenmotors
Die Geschichte des Wankelmotors bei Mazda reicht weit zurück. 1961 erwarben die Japaner eine Lizenz von NSU. Erster Serien-Pkw war der Mazda Cosmo Sport im Jahr 1967. Seit diesem Meilenstein hat der Hersteller aus Hiroshima zahlreiche Serienfahrzeuge mit diesem speziellen Antriebskonzept auf den Weltmarkt gebracht. Indes wurde der MX-30 R-EV mit Wankel als Reichweitenverlängerer kürzlich vom Markt genommen. Bis heute ist der 787B jedoch das einzige Fahrzeug mit einem Kreiskolbenmotor, das jemals den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans erringen konnte.
Durch den Auftritt in verschiedenen Videospielen fasziniert der Rennwagen bis heute Motorsportfans rund um den Globus. Die Le Mans Classic 2026 bietet dem Publikum nun die seltene Gelegenheit, den hellen, unverwechselbaren und kreischenden Klang des Vierrotor-R26B-Motors hautnah auf der Strecke zu erleben. Das technologische Prinzip des Kreiskolbenmotors wird von den Ingenieuren in Hiroshima auch in der Gegenwart konsequent weiterentwickelt, pünktlich vor dem anstehenden 60-jährigen Jubiläum dieser Antriebstechnologie im Jahr 2027. Wir sind gespannt.
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