Mercedes SLK 200 (R 170) im Fahrbericht: Klappt noch gut
Die erste Generation des Roadsters vermag auch nach 30 Jahren noch zu gefallen
In den letzten Jahrzehnten hat man viele Autos kommen und gehen sehen. Die meisten davon sind längst verschwunden, denken Sie nur an den Fiat Marea von neulich. Doch ein paar Typen sind immer noch präsent. Im wahrsten Wortsinne auf der Straße, aber auch in den Köpfen. Sei es durch spezielles Design, neuartige Technik oder schlicht durch schiere Stückzahl. Die erste Generation des Mercedes SLK ist so ein Fall.
Zum 30. Geburtstag des R 170, so der offizielle Name der Baureihe, haben wir eine Runde in dem Roadster gedreht. Und noch heute begeistert der Faltvorgang des Metall-Klappdachs. Okay, 25 Sekunden sind inzwischen eine halbe Ewigkeit. Aber es muss auch vieles ineinandergreifen. Das dauert.
Bildergalerie: Mercedes SLK 200 (R170) im Test
So wie die Modellentwicklung des Mercedes SLK. Sie beginnt bereits im Juni 1989, als der damalige Entwicklungschef Wolfgang Peter die Vorentwicklung und das "Advanced Design" mit der Idee eines Roadsters beauftragt. Er soll auf der künftigen Baureihe W 202, der späteren C-Klasse basieren. Peters Hintergedanke: Mehr Modellvielfalt für den Kunden und weg vom betulichen Image der Marke Mercedes.
Zweite Chance dank Dr. Z
Bereits im Laufe des Jahres 1989 kommt die Idee eines versenkbaren Hardtops auf. Nachzulesen ist das im Buch "Mercedes-Benz SLK - Die neue Dimension" von Günter Engelen aus dem Jahr 1996. Schnell wird zudem klar, dass der W 202 nicht einfach so in einen R 202 umgestrickt werden kann. Ergo mutiert das Ganze zum R 170. Auch der Name "SLK" für "SL Kurz" steht bald fest. Doch am 31. Mai 1990 wird das Projekt aus unbekannten Gründen gestoppt. Schade, so hätte Mercedes wohl schon früher einen MX-5-Konkurrenten gehabt.
Ende März 1992 wird der spätere Daimler-Boss Dieter Zetsche zum neuen Entwicklungschef. Und bekommt die SLK-Entwürfe zu Gesicht. Zetsche sieht sofort die Chance: Produktoffensive, neue Käufergruppen. Und vielleicht auch den idealen Gegenentwurf zur heftig kritisierten wuchtigen S-Klasse der Baureihe 140. Die 1989er-Entwürfe sind noch eher rundlich, einige erinnern an den Aston Martin DB7 oder den Maserati 3200 GT. Kompakter natürlich. Auch eine Verkleinerung des Mercedes SL der Baureihe 129 wird erwogen.
Mercedes Vision SLK Turin 1994
Mercedes Vision SLK Paris 1994
Im Laufe des Jahres 1993 kristallisiert sich der Entwurf von Michael Mauer zum finalen SLK heraus. Mauer wird später viele Jahre lang Designchef bei Porsche sein ... Mit zwei Studien, die im Jahr 1994 präsentiert werden, heizt Mercedes das Interesse am Roadster an. Auf ein Vorgängermodell muss man keine Rücksicht nehmen, zugleich überbrückt man die Zeit bis zum Serienstart. Die endgültige Version des SLK wird am 22. April 1996 auf dem Autosalon in Turin vorgestellt.
Kurz, aber nicht leicht
Das legendäre Klappdach des SLK stammt von CTS (Car Top Systems) aus Hamburg, die Firma gehört seinerzeit je zur Hälfte Mercedes und Porsche. Gebaut wird der R 170 in Bremen. Nicht nur die angeschrägten Heckleuchten erinnern an die erste C-Klasse, auch viele technische Komponenten werden übernommen. Aber der SLK ist deutlich kürzer: Mit 3,99 Meter bleibt er knapp unter der Vier-Meter-Marke. Beim Klappvorgang sind es übrigens 4,17 Meter ...
Der Klappvorgang beim Mercedes SLK (R 170)
2,40 Meter beträgt der Radstand des ersten SLK, er wiegt leer zwischen 1,5 und 1,6 Tonnen. Definitiv also kein Mazda MX-5, schon aufgrund des schweren Dachs. Und natürlich denkt Mercedes eher an schwäbische Solidität denn an japanisches Fliegengewicht.
Die Motoren sind von der C-Klasse bekannt: Zum Start im Herbst 1996 gibt es den SLK 200 mit 136-PS-Saugmotor, auf 192 PS bringt es der zunächst nur für einige Exportmärkte wie Italien vorgesehene SLK 200 Kompressor. Gern genommen wird der 230 Kompressor mit 2,3 Liter Hubraum und 193 PS. Ab der Modellpflege im Jahr 2000 ergänzen Sechszylinder im 320 und 32 AMG das Portfolio.
Preiswert ist der Mercedes SLK allerdings nicht: Mindestens 52.900 DM kostet der 200 anfangs in Deutschland, sogar knapp 61.000 Mark der 230 Kompressor. Dem Erfolg steht das trotzdem nicht im Wege. Exakt 311.222 Exemplare des R 170 laufen bis 2004 vom Band. Eines davon darf ich im Jahr 2026 bewegen. Ein SLK 200 im typischen Mercedes-Silber jener Tage. Offiziell: 9744 Brillantsilber. Ich persönlich würde ja den absoluten 90er-Jahre-Farbton wählen: 6279 Vivianitgrün.
Mercedes SLK 200 (R170) im Test
Aber egal, die Klassikabteilung von Mercedes hat gesprochen, so sei es. Wie kurz der SLK doch in der Realität ist! Eine Wohltat in der heutigen SUV-Welt. Ich steige ein und staune über die Geräumigkeit des SLK. Klar, nur für zwei Personen. Aber alles weit bequemer als etwa in einem Mazda MX-5. Recht breite Sitze, genug Kopffreiheit auch mit Dach. Eine Urlaubsreise ist hier kein Problem. 145 Liter passen bei offenem Dach in den Kofferraum, sogar 348 sind es bei geschlossener Mütze.
Im Cockpit geht es farbenfroh zu, viel Rot grellt mir ins Gesicht. Gelungen sind der massive Türöffner aus Chrom, ebenso der Blick auf die beiden Pseudo-Powerdomes auf der Haube. Sie sollen an dem legendären 300 SL Flügeltürer erinnern. Und auch gut: Im Gegensatz zu späteren Klappdach-Cabrios habe ich im SLK als langer Mensch den Scheibenrahmen nicht direkt vor der Stirn. Aber auch bei unserem Fotofahrzeug mit nur 104.000 km auf der Uhr zeigen sich schon Ansätze von klebrig werdendem Softlack. Ein typisches Problem dieser Baureihe, es lässt sich aber beheben.
Mercedes SLK 200 (R170) im Test
Gemütlich und günstig
"Auf jedem Kilometer verzaubert er den Alltag in ein Abenteuer", schwelgt der erste SLK-Prospekt. Nun ja, irrsinnig abenteuerlich ist der brave Zweiliter-Sauger unter der Haube nicht. Eher ein solider Arbeiter ohne herausragenden Klang, der zwischen 3.700 und 4.500 Umdrehungen seine maximalen 190 Nm Drehmoment bereitstellt. Der Vierzylinder dient zur Fortbewegung, mehr nicht. 9,7 Sekunden mit dem Schaltgetriebe mahnen ganz klar zur Gelassenheit. Aber muss man mit einem offenen Auto rasen? Hier steht der Genuss im Vordergrund. Beim Autowandern Straßen und Landschaften inhalieren.
Dazu würde die Fünfgang-Automatik bestens passen, das manuelle Getriebe ist kein Ausbund an Präzision. Immerhin kurze knackige Wege. Aber ehe man darauf kommt, dass man den Hebel hochziehen und nach hinten links schieben muss, um den Rückwärtsgang einzulegen, dauert es. Egal. Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Um es mal im DDR-Jargon zu formulieren. Der Weg ist das Ziel, selbst bei Tempo 100 ist der Fahrtwind noch erträglich.
Erträglich sind auch die Preise für gebrauchte SLK der ersten Generation. Schon für 5.000 Euro gibt es ordentliche Fahrzeuge, mit etwas Glück auch günstiger. Man muss auf den Rost achten, typisch für Mercedes-Modelle der 1990er- und frühen 2000er-Jahre. Gravierende Schwächen sind darüber hinaus kaum bekannt. Bis auf eine: Es gibt zu wenig gebrauchte SLK in Vivianitgrün.
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