Volkswagen feiert 2024 den 50. Geburtstag des Golf. Eines Namens, der bis jetzt an 37 Millionen Fahrzeugen prangte. Doch der Weg zum Bestseller war keineswegs vorgezeichnet. VW zog nicht mal so eben ein Kaninchen aus dem Hut, sondern hatte im übertragenen Sinne einige Karnickelställe in Gestalt verschiedener Konzepte. Eines wird jetzt öffentlich gezeigt.

Bereits Ende der 1960er-Jahre hatte in Wolfsburg die Arbeit an einem Nachfolger für den VW Käfer begonnen. Mehrere Studien entstanden, darunter der (Entwicklungsauftrag) EA 266 mit Mittelmotor, bei dem Porsche federführend war. Zum anderen hausintern der EA 276. Zu diesem Zeitpunkt deutete vieles auf eine Serienfertigung des EA 266 als Käfer-Erben hin.

Bildergalerie: VW EA 276 (1969) und VW Golf I (1974)

Doch die umständliche Wartung des Motors, ein im Grenzbereich heikles Fahrverhalten, Kostenfaktoren und nicht zuletzt ein Chefwechsel an der Konzernspitze beendeten 1971 das Projekt rabiat. Leopard-Panzer walzten fast alle der 50 Vorserienfahrzeuge platt, angeblich stand die Nullserie kurz vor ihrem Beginn. Verlust für VW: ein dreistelliger DM-Millionenbetrag.

Der EA 276 aus dem Jahr 1969 zeigte bereits viele Merkmale des späteren Erfolgsmodells wie Frontmotor mit Frontantrieb, Schrägheck mit großer Heckklappe oder Verbundlenkerachse. Unter der Motorhaube aber steckte noch der bekannte Käfer-Boxer mit Luftkühlung, man setzte auf Zuverlässigkeit und niedrige Entwicklungskosten. Die Tage dieser Technik jedoch waren gezählt. Allerdings setzte der erste VW Gol für Brasilien 1981 auf ein ähnliches Konzept und trug einen Käfer-Motor unter der Haube vorne.

VW EA 276 (1969) und VW Golf I (1974)
VW EA 276 (1969) und VW Golf I (1974)

Das Design des EA 276 war noch recht rudimentär, weshalb sich VW Hilfe aus Italien holte. Nach einem Rundgang über den Turiner Autosalon 1970 warb man Giorgetto Giugiaro (Italdesign) an, von dem dort diverse interessante Neuheiten stammten. Er bekam die Aufgabe, den EA 337 zu gestalten, aus dem (mit einigen Abstrichen) der Golf wurde.

Zum Auftakt des Jubiläumsjahres zeigt die Marke VW auf der Bremen Classic Motorshow den Golf I und erinnert damit an den Beginn der automobilen Revolution 1974. Ergänzt wird der Messe-Auftritt um die einzigartige Studie EA 276 – den in Wolfsburg entstandenen Vorläufer des Golf. In Halle 5 am Stand D10 sind vom 2. bis 4. Februar der brillantgelbe Serien-Golf und die orange-rote Studie zu sehen.