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Forza Horizon 6 angespielt: Zwischen Kirschblüten und Überfluss

Wie fährt sich der erfolgreichste Arcade-Racer im zuckersüßen Japan? Über Autoliebe, Reizüberflutung und Rodelbahn-Feeling

Forza Horizon 6 angespielt
Bild von: Motor1.com

Sind wir ehrlich, als Journalistinnen und Journalisten im Automobilbereich haben wir gegenüber dem kleinen Otto-Normalverbraucher manches Mal schon einen riesigen Vorteil. Ich mein, viele von Ihnen müssen auf die langersehnte Reise nach Japan ein gutes Stückchen sparen. Ob dann noch ein kleiner Roadtrip drin ist und ob man das innerhalb von Tokyo überhaupt will, ist eine andere Frage.

Und wir? Wir werden zu Messen in Asien eingeladen und nach Toresschluss einfach mal in einen Toyota Crown gesetzt, um dann aus der großen Stadt den Berg hinauf zu fahren ... nicht wahr, geehrter Kollege Hildebrandt? Wem das verwehrt bleibt, der kann jetzt entspannt seine Xbox Series S/X oder den PC einschalten und genau dasselbe tun. Denn das neue Forza Horizon 6 schickt uns direkt ins Land der Kirschblüten und in die Stadt des Shibuya Crossing: Auf ins virtuelle Tokyo!

Bildergalerie: Forza Horizon 6 angespielt

Seit 14 Jahren zieht der Autokultur-Festivaltrott um die Welt. Immer im Gepäck: Eine satte Armada aus beliebten Autoklassikern, modernen Rekordjägern und viel Arcade-Feeling. Man wird dann also eingeladen, muss sich beweisen und kann schließlich am Tuning- und Rennfestival teilnehmen. In diversen Rennen unterschiedlicher Kategorien, zu denen wir auf einer frei erkundbaren Karte umherfahren, stellt man sich dann mit seinem upgeradeten und liebgewonnenen Boliden an einen beliebigen Start. Der Kampf um den Einzug in eine höhere Klasse und um den Gesamtsieg entbrennt.

Nur Fliegen ist schöner ... oder doch nicht?

Soweit die Theorie! In Teil 1 und 2 war das alles noch überschaubar, in Teil 3 hielten langsam Social-Media-Elemente Einzug, bis es in Teil 4 und 5 einfach nur noch höher, schneller, weiter ging. Plötzlich fliegen da Autos Hunderte Meter durch die Luft, sodass ich fast in Versuchung gerate, nach einem Flight Stick Ausschau zu halten.

Das ist auch in Teil 6 nicht anders. Gut zehn Minuten scheinen Karte und Aufgaben rund um Tokyo überschaubar. Doch schon nach wenigen Minuten werde ich mit Autos, Erfahrungspunkten, Credits, Events und Möglichkeiten tot geschmissen.

Forza Horizon 6 angespielt

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Bilder von: Motor1.com
Forza Horizon 6 angespielt

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Bilder von: Motor1.com

"Ach Hallo, schön, dass du da bist. Hier sind drei Autos zur Auswahl. Die andern beiden kannste natürlich auch behalten." Wer hat das beim Autohändler um die Ecke oder bei seinen Bekannten nicht auch schon mal gehört? Durch die Premium Edition stehen zusätzlich dicke Karren in meiner überfüllten Garage.

Hier noch mal eine kleine Aufmerksamkeit, dort ein Dreh am Gewinnspielrad. "Oh, schon wieder ein Auto!" Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt statistisch gesehen regelmäßig. Sie braucht offenbar immer wieder neues Dopamin. Es gibt Autos im Überfluss, Wertschätzung und Motivation lassen nach.

Japan ist nur eine virtuelle Touristenfahrt entfernt

Und ganz offensichtlich sind nicht mehr die USA das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sondern das virtuelle Autoliebhaber-Japan. Wie schön hier alles glänzt! Wenn man gerade mal nicht vom Fahren durch irgendwelche aufploppenden Nichtigkeiten gestört wird, kann man den Blick auf Stadt, Berge und Kirschblüten schweifen lassen. Wer sich entspannen will, klickt sich kurz (wobei kurz stellvertretend für mindestens fünf Minuten steht) in den Fotomodus und setzt sein Auto in Szene.

Zudem warten verschiedene Storypfade, Hinweise zu versteckten Klassikern (Scheunenfunde) und kolonnenartige Sightseeing-Touren durch Tokyo. Keinen Bock auf Fahren? Die nächste Garage will bestimmt eingerichtet, das neue Anwesen aufpoliert und umgebaut oder der persönliche Charakter mit Frisur, Schuhen und Sonnenbrille weniger detailverliebt ausgestattet werden.

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Bilder von: Motor1.com
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Bei so vielen "Baustellen" gerät der früher so fundamentale Tuning-Part fast in Vergessenheit. Sowieso ist Aufmotzen kaum nötig, steht doch zumeist ein passendes Gefährt in der Garage, zum Kaufen am Straßenrand oder wird einem quasi direkt aufgezwungen.

Habe ich in diversen Rennen auf abgesteckten Kursen, Offroad, bei Straßenrennen, Drag-Races, Rallyeeinsätzen oder bei unnützem Killefitz genügend Punkte gesammelt, ist es Zeit für das Forza Horizon Rush Event. Um sich hier das nächsthöhere Festivalbändchen für die nächste Klasse zu sichern, wird es renntechnisch wie immer richtig absurd.

Racing-Line? Wohl eher Samstagabend am Autoscooter

Diese Main Events sind halb-geskriptete Hauptrennen, die wahlweise – wie angesprochen – richtig weltfremde Flugeinlagen integrieren oder aberwitzige Gegner aus der Mottenkiste graben. Und natürlich fahre ich da in Tokyo beispielsweise gegen einen Mech – einen riesengroßen "Transformer-artigen" Roboter. Kommt man hier halbwegs okay durch, entstehen sehr bizarre Szenen.

Apropos geskriptet: Manches Rennen fühlt sich hart nach inszenierter Pulserhöhung an. Da fährste anderthalb Runden ein sauberes Rennen, kommst aber nicht vorwärts und kurz vor Schluss werden dann zwei Fahrzeuge filmreif auf der Zielgeraden überholt.

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Bilder von: Motor1.com
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Zumindest, wenn man nicht an der ziemlich dusselig agierenden KI der Gegner hängenbleibt. Denen sind Konkurrenten nämlich völlig egal, verfolgen ihre Linie und rempeln einen in bester Jahrmarkt-Manier einfach aus dem Weg. Die Entwickler haben das jedoch auf dem Schirm und arbeiten an einer Verbesserung.

Was ebenfalls verbesserungswürdig erscheint, ist das Fahrverhalten des Fuhrparks. Zwar gibt es annähernd ein Verständnis dafür, wie welches Auto eventuell zu fahren hat, insgesamt fühlt sich das aber eher wie ein Ritt über die örtliche Rodelbahn an. In Kurven gibt es zumeist massiv rutschiges Untersteuern. Zwischendrin gibts ne Portion undurchsichtiges Übersteuern – weil ... keine Ahnung! Überpowerte Maschinen wirbeln dann konsequent nur noch das Heck hin und her. 

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Bremsen wird hingegen sowieso zumeist bestraft. Wer hier ohne Gas in die Kurve rollt, sich an Gegnern oder Banden anlehnt, gewinnt. In Forza Horizon 6 bleibt alles beim arcadigem Alten. Vielen wird der unrealistisch schnelle Trip gefallen, wer hier annähernd Straßen-Feeling erwartet, sollte schnell rennen.

Und dann wäre da noch die Armada an Autos. Über 600 sind derzeit anwesend. Einige Klassiker von der Straße und aus dem Motorsport, viele Supercars, Performer und Kurioses. Der Fokus liegt natürlich auf Japan: Honda, Toyota, Nissan, Subaru und Co stellen die meisten Fahrzeuge, gefolgt von den USA. Die Variation ist nur allzu bekannt und wenig abwechslungsreich gegenüber vorherigen Teilen. 

Neben ein paar aktuelleren Prototypen gibt es kaum Neues – egal ob Serie oder Vorankündigung. Und auch die Elektrosparte bleibt bis auf wenige Ausnahmen blass. Wir vermissen da definitiv einen Hyundai Ioniq 5 N oder kleinere aktuell aufkommende E-Knallbüchsen. Wir hoffen einfach mal auf Updates.

Fazit

Auch wenn frühe Titel gerade von den Fahranlagen etwas solider, reduzierter und nachvollziehbarer waren, die Entwickler von Playground Games machen einfach dort weiter, wo sie aufgehört haben: Im Zelebrieren von Geschwindigkeit, der regionalen Autoszene, dem Pomp und der nie endenden Partynacht (die früher jedoch cinematischer inszeniert). Auch wenn in der Reizüberflutung ein wenig der Blick für den eigentlichen Fokus abhanden kommt.

Aber das virtuelle Japan ist einfach kirschblütenzuckersüß. Denn der Vorteil an diesem Open-World-Happening ist: Japan kann jede Person so erkunden, wie sie es für richtig hält. Ob verbissen nach Rennsiegen jagend, die Garage ausbauend, die virtuelle Kamera im Anschlag oder im Sonnenuntergang Richtung Mount Haruna über den Akina-Pass aus Initial D driftend. Die Autokultur ist vielfältig und genau das ist auch Forza Horizon 6.