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Für eine persönlichere Erfahrung

Hennessey Blackbird: der analoge Supersportwagen ist zurück

Keine Turbos, kein Hybrid, keine Bildschirm - und Handschaltung mit offener Schaltkulisse. Hier ist der neue Hennessey Blackbird

Hennessey Blackbird
Bild von: Hennessey Special Vehicles

Hennessey ist längst mehr als nur ein Tuner und hat sich zu einem eigenständigen Boutique-Hersteller von Supersportwagen entwickelt. Die Zeit vergeht schnell: Der Venom GT ist bereits 16 Jahre alt, und auch der Nachfolger F5 feiert bald seinen sechsten Geburtstag.

Nun enthüllt das Unternehmen aus Texas sein drittes eigenständiges Fahrzeug: den Blackbird. Der Name ist eine Anspielung auf das legendäre Aufklärungsflugzeug Lockheed SR-71 Blackbird, technisch setzt der Wagen auf ein verblüffend klassisches Performance-Rezept.

Wie schon die beiden vorherigen Hennessey-Supersportler wartet auch der Blackbird mit beeindruckenden technischen Daten auf. Statt jedoch auf Turbolader und/oder Hybridtechnik zu setzen, arbeitet hier ein waschechter frei saugender V8. Das komplett neue Triebwerk mit 6,2 Litern Hubraum verzichtet auf jede Form der Aufladung und wird mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe samt offener Schaltkulisse kombiniert.

<p>2029 Hennessey Blackbird</p>

2029 Hennessey Blackbird

Foto von: Hennessey Special Vehicles

Hochdrehender V8, wenig Gewicht

Hennessey hat gemeinsam mit Ilmor Engineering das Herzstück des neuen Blackbird entwickelt. Die Leistung soll zwischen 800 und 850 PS liegen, die Maximaldrehzahl bei mehr als 9.000 U/min. Die gesamte Kraft geht an die Hinterräder – in einem Fahrzeug, das leichter sein soll als ein aktueller Volkswagen Golf GTI. Das Entwicklungsteam peilt ein Gewicht von um die 1.350 Kilogramm an, wobei sich dieser Wert auf das Trockengewicht bezieht.

Dieses Ziel beim Gewicht lässt sich nur erreichen, wenn sämtliche Karosserieteile vollständig aus Carbon gefertigt werden. Hennessey erklärt, eigens für den Blackbird eine neue Vollcarbon-Monocoque-Struktur entwickelt zu haben, weshalb es wohl keine technischen Verbindungen zum Venom F5 geben dürfte. Auch zwei 20-Zoll-Raddesigns werden exklusiv für den Neuzugang angeboten, kombiniert mit Michelin Pilot Sport Cup 2 R.

Werden die angepeilten Werte bei Leistung und Gewicht erreicht, soll das analoge Spaßgerät den Sprint von 0 auf 100 km/h in rund 2,5 Sekunden schaffen. In der Spitze sollen 354 km/h möglich sein. Das wäre zwar beeindruckend, würde aber nicht reichen, um den Titel des schnellsten Supersportwagens mit Saugmotor der Welt zu holen. Der legendäre McLaren F1 erreichte 1998 386,4 km/h.

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Foto von: Hennessey Special Vehicles

Apropos britische Legende: Auch der Blackbird bietet Stauraum im hinteren Seitenbereich, den Hennessey als „rear luggage pods“ bezeichnet, ohne weitere Details zu nennen. Während der F1 keinen vorderen Gepäckraum hatte, gibt es hier unter der Fronthaube Platz für zwei vollwertige Handgepäckkoffer – für einen Supersportwagen erstaunlich alltagstauglich.

Das Design entspricht dem typischen Supersportwagen-Schema, mit vielen Rundungen und genau dem richtigen Maß an Kanten. Von der Dachhutze über die Flying Buttresses bis hin zum massiven Heckdiffusor und den seitlichen Lufteinlässen wirkt das Auto so spektakulär wie Modelle etablierterer Supersportwagenhersteller. Am Heck gibt es zudem aerodynamische Raffinessen: Die Klappen oberhalb der rautenförmig angeordneten vier Endrohre fahren ab 71 mph (114 km/h) in einem Winkel von 71 Grad aus und verleihen dem Heck eine markante Optik.

Manche erkennen in der Front einen Koenigsegg Jesko, andere in der Seitenansicht einen Pagani Huayra Codalunga oder am Heck vielleicht einen Alfa Romeo 33 Stradale. Die hoch an den A-Säulen montierten Außenspiegel unterstreichen zusätzlich den exotischen Anspruch des Fahrzeugs.

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Foto von: Hennessey Special Vehicles

Wenn Alt plötzlich wieder neu ist

Während das Exterieur ganz modern wirkt, präsentiert sich der Innenraum angenehm altmodisch (gemessen an den bildschirmfixierten, knopflosen Standards des Jahres 2026). Mit gutem Grund hat Hennessey die offene Schaltkulisse zum Mittelpunkt des Cockpits gemacht, doch auch der restliche Innenraum bildet einen deutlichen Kontrast zu modernen Supersportwagen. Neben dem inzwischen selten gewordenen dritten Pedal gibt es im Blackbird auch keinerlei Bildschirme.

Stattdessen blickt der Fahrer auf fünf analoge Rundinstrumente, wobei der Drehzahlmesser bis 10.000 U/min klar im Mittelpunkt steht. Zahlreiche physische Bedienelemente ermöglichen den schnellen Zugriff auf häufig genutzte Funktionen, darunter ein Drehregler zwischen den Sitzen zur Wahl des Fahrmodus. Zudem gibt es nicht weniger als vier Cupholder in einem Auto mit nur zwei Sitzen – eine Rechenaufgabe, die man gern mitnimmt.

Wer nach oben schaut, findet den Startknopf in der Dachkonsole, zusammen mit weiteren Schaltern, die das Luftfahrt-Thema noch stärker betonen. Passend dazu stammt auch die Botschaft „turn and burn“ aus der Fliegerei: Gemeint ist das Wenden auf der Startbahn und der unmittelbar anschließende Startlauf in einer fließenden Bewegung. Und ja, die hinteren Klappen lassen sich auch manuell aktivieren.

Im Vergleich zum Venom F5, den er ersetzt, soll der Blackbird einen höheren Fahrkomfort bieten – dank geringerer NVH-Werte (Noise, Vibration, Harshness). Hinzu kommt eine größere Verglasung für bessere Rundumsicht, während eine adaptive Federung Fahrbahnunebenheiten wirksamer herausfiltern soll.

Hennessey wird die Produktion des Venom F5 im Jahr 2028 beenden, der neue Blackbird kommt deshalb erst 2029. Geplant sind lediglich 71 Exemplare zum Preis von jeweils 2,5 Millionen US-Dollar (derzeit 2,17 Millionen Euro) vor Steuern. Der Wagen ist nicht nur für die USA vorgesehen, denn der neue Supersportler wurde für weltweite Märkte homologiert.


Motor1 meint: Beeindruckend ist vor allem, dass Hennessey einen Supersportwagen mit Saugmotor und Handschaltung auf die Räder stellt. Gleichzeitig haben die großen Namen der Branche längst auf Turbolader, Hybridantriebe und Automatikgetriebe umgestellt.

Da Hersteller mit kleinen Stückzahlen in vielen Teilen der Welt von Ausnahmeregelungen bei Emissionsvorschriften profitieren, hat es eine Marke wie Hennessey in dieser Hinsicht leichter. Dennoch ist der Blackbird eine seltene Erscheinung – selbst in einem zunehmend dicht besetzten Supersportwagen-Segment. Mit seinem neuen Flaggschiff könnte sich Hennessey endgültig einen Platz unter den ganz großen Namen sichern.

Bis dahin warten wir allerdings weiterhin auf den seit Langem angekündigten Top-Speed-Lauf des Venom F5.