Tesla Model 3 RWD (2026) im Test: Clever gespart statt billig gemacht
8.000 Euro günstiger als der Long Range, aber kaum schlechter? Wir haben den Tesla Model 3 RWD getestet
Tesla hat sein günstigstes Model 3 gründlich umgekrempelt. Die zwischenzeitlich sogar als Model 3 Standard vermarktete Basisversion ersetzte das bisherige Einstiegsmodell und kostete zum Marktstart rund 3.000 Euro weniger. Dafür verschwanden zahlreiche Komfortdetails. Ambientebeleuchtung, belüftete Sitze, Fondbildschirm oder das hochwertigere Soundsystem sucht man hier vergeblich.
Auf dem Papier klingt das zunächst nach einer klassischen Sparversion. Nach einigen Tagen im Alltag fällt das Urteil allerdings deutlich differenzierter aus. Denn Tesla hat erstaunlich clever gespart. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob das Model 3 RWD schlechter ist als der Long Range. Sondern ob die Unterschiede den deutlichen Aufpreis überhaupt rechtfertigen.
Wo Tesla tatsächlich gespart hat
Wer direkt aus einem Long Range oder Performance in das Model 3 RWD steigt, erkennt die Unterschiede sofort. Die Sitze wirken einfacher, die Ambientebeleuchtung entfällt komplett und der Bildschirm für die Fondpassagiere wurde ebenso gestrichen wie die Sitzbelüftung und das hochwertigere Soundsystem. Auch bei der Individualisierung herrscht Sparprogramm. Die Rekuperation lässt sich nicht mehr anpassen und selbst die Lenkcharakteristik bietet keine Einstellmöglichkeiten mehr.
Technisch fallen die Unterschiede ebenfalls deutlicher aus. Das Model 3 RWD startet aktuell bei 36.990 Euro, der Model 3 Premium Maximale Reichweite RWD kostet mindestens 44.990 Euro. Für den Aufpreis von 8.000 Euro gibt es bis zu 750 statt 534 Kilometer WLTP-Reichweite, eine maximale Ladeleistung von 250 statt 175 kW sowie den Sprint auf 100 km/h in 5,2 statt 6,2 Sekunden. Interessant ist allerdings, worauf Tesla bewusst nicht verzichtet hat.
Das eigentliche Tesla-Erlebnis bleibt erhalten
Denn obwohl zahlreiche Komfortdetails gestrichen wurden, fühlt sich das günstigste Model 3 erstaunlich wenig nach Basismodell an.
Der Heckmotor spricht spontan an, wirkt dabei aber jederzeit angenehm kontrollierbar. Die Rekuperation gehört weiterhin zu den besten am Markt und ermöglicht nahezu perfektes One-Pedal-Driving. Vor allem die Effizienz beeindruckt. Während unseres Tests standen im Stadtverkehr sensationelle 10 kWh pro 100 Kilometer auf dem Bordcomputer. Selbst auf der Autobahn bei konstant 130 km/h begnügte sich das Model 3 mit rund 18 kWh pro 100 Kilometer.
Überrascht hat uns außerdem das Fahrwerk. Auf dem Papier spart Tesla gegenüber den teureren Varianten an der Dämpfertechnik. Auf der Straße merkt man davon allerdings erstaunlich wenig. Das Model 3 federt selbst auf schlechten Straßen souverän ab, bleibt angenehm agil und vermittelt nie den Eindruck, dass hier an der falschen Stelle gespart wurde.
Nicht alles überzeugt
Ganz ohne Kritik kommt allerdings auch das Basis-Modell nicht davon.
Die Lenkung arbeitet im Stadtverkehr herrlich leichtgängig, wirkt bei höherem Tempo aber zu direkt und liefert zu wenig Rückmeldung. Ebenfalls wenig gelungen ist die Blinkerautomatik, die erstaunlich häufig falsch entscheidet, wann der Blinkvorgang beendet werden soll.
Im Innenraum fiel außerdem ein unglücklich konstruiertes Detail auf. Ist der Beifahrersitz leer, schlägt die Gurtschnalle permanent gegen die B-Säulenverkleidung und sorgt auf schlechten Straßen für lästige Klappergeräusche. Hinzu kommen die fragwürdigen Aero-Radkappen, die dem ansonsten gelungenen Design kaum gerecht werden.
Lohnt sich der Aufpreis?
Genau hier wird das Model 3 RWD richtig spannend.
Natürlich bietet der Long Range die größere Reichweite, lädt schneller und verwöhnt mit einer umfangreicheren Ausstattung. Wer regelmäßig sehr lange Autobahnetappen fährt oder häufig auf öffentliche Schnelllader angewiesen ist, wird diese Vorteile zu schätzen wissen.
Für alle anderen fällt die Entscheidung deutlich schwerer. Denn ausgerechnet an den Eigenschaften, die das Model 3 seit Jahren so beliebt machen, hat Tesla praktisch nicht gespart. Der Antrieb überzeugt, die Effizienz gehört weiterhin zum Besten, was der Markt derzeit zu bieten hat, und auch beim Fahrkomfort muss sich die Basisversion überraschend selten verstecken.
Deshalb würden wir den Aufpreis vor allem Vielfahrern empfehlen. Wer überwiegend pendelt, zuhause laden kann oder einfach ein hervorragendes Elektroauto zu einem möglichst attraktiven Preis sucht, bekommt mit dem Model 3 RWD für 36.990 Euro vermutlich die interessanteste Version der gesamten Baureihe.
Den ausführlichen Test mit allen Details zu Verbrauch, Fahrwerk, Bedienung, Assistenzsystemen sowie den exakten Unterschieden zum früheren Basismodell und zum Long Range RWD gibt es bei InsideEVs Deutschland.
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