Fiat 600 Hybrid Sport (2026) im Test: Können diese Augen lügen?
Kein Ausbund an fahrerischer Brillanz, aber ein Auto, mit dem man im Alltag erstaunlich gut leben kann
Meine Tochter findet ihn auf den ersten Blick wirklich toll. Vermutlich, weil er mit seinem putzigen Augenaufschlag aussieht, als könnte er von unserem Stellplatz direkt in den nächsten "Cars"-Film hüpfen. Viel verändern müssten die Animationsexperten jedenfalls nicht.
Den Niedlichkeitsbonus hat der große, hohe Bruder des Fiat 500 also schon mal auf seiner Seite. Aber reicht das, um im barbarischen Haifischbecken der B-Segment-Crossover irgendeinen Stich zu machen? Wir haben uns das in Form des 145-PS-Mildhybrids mal genauer zu Gemüte geführt.
Springen Sie direkt zu:
Abmessungen/Design I Innenraum I Fahrverhalten I Kosten/Konkurrenten I Fazit
Was ist das?
Wobei zur Wahrheit schon auch gehört, dass der Großteil der Gegnerschaft aus dem eigenen Stellantis-Stall kommt. Redaktionsintern gibt es seit einiger Zeit den Running Gag, welcher Kollege bisher die meisten Varianten des 1,2-Liter-Konzern-Hybrids gefahren ist. Nach inoffiziellen Angaben führt die geschätzte Kollegin Hiller mit einer Zahl, die sich Richtung Dreistelligkeit bewegt.
Bildergalerie: Fiat 600 Hybrid Sport (2026) im Test
Der Motor steckt aber auch wirklich in allem, was nicht rechtzeitig türmen konnte. Seit April 2025 tut er dies mit mehr Leistung. Aus 136 wurden 145 PS. Das maximale Drehmoment liegt bei 230 Nm. Sie finden ihn in unzähligen Modellen von Peugeot, Citroen, Jeep, Opel, Fiat, DS, Lancia und sogar in einem Alfa Romeo.
Im Junior, um genau zu sein. Mit selbigem und dem Jeep Avenger teilt sich der 600er jede Menge Technik. Alle drei werden zudem im gleichen Werk in Polen zusammengebaut. Beim Fiat passiert das seit 2023. Als Basis dient die Stellantis-eigene Allzweckwaffen-Plattform CMP2. Vorne gibt es McPherson-Federbeine, hinten eine Verbundlenkerachse. Vorderradantrieb ist obligatorisch.
Der Dreizylinder ist an ein 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt. Dieses wiederum beherbergt einen Elektromotor, der von einer Batterie gespeist wird, die wohl auch in einem Taschenrechner Platz fände. Der 0,89-kWh-Akku erlaubt laut Fiat im Stadtverkehr eine rein elektrische Reichweite von - Trommelwirbel - einem Kilometer. Nutzen Sie bitte nicht alles auf einmal.
Aber klar, natürlich ist das Ding eigentlich dafür da, Emissionen und Verbrauch in Schach zu halten. Das gelingt auf dem Papier mehr als ordentlich: Der WLTP-Verbrauch wird mit 4,8 Liter angegeben. In der Realität eher weniger: Wir kamen auf 7,1 Liter im Schnitt, allerdings bei eher zügiger Fahrweise.
| Technische Daten | Fiat 600 Hybrid 145 PS |
| Motor | Dreizylinder-Turbo; 1.199 ccm |
| Getriebe | 6-Gang-Doppelkupplung |
| Leistung/max. Drehmoment | 107 kW (145 PS)/230 Nm bei 1.750 U/min |
| 0-100 km/h | 8,5 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 200 km/h |
| Gewicht (Leergewicht) | 1.280 kg |
| Zuladung | 495 kg |
| Anhängelast | 1.100 kg |
| Stützlast | 48 kg |
| Verbrauch | WLTP: 4,8 l; Test: |
| Preis/Testwagenpreis | ab 26.990 Euro/ |
Der Fiat 600 Hybrid startet mit dem leistungsstärkeren Aggregat (es gibt auch eine Variante mit 110 PS) bei 26.990 Euro. Der knallrote Wagen, den Sie auf den Bildern sehen, ist das Topmodell "Sport" und kostet mindestens 31.990 Euro. Das klingt im ersten Moment reichlich selbstbewusst für das Gebotene, relativiert sich jedoch, wenn man a) auf die Konkurrenz blickt und b) Fiats Leasingraten in die Rechnung mit aufnimmt. Dazu gleich mehr.
Abmessungen/Design
Zunächst jedoch wollen wir uns ansehen, was der 600er für äußere Werte hat. Mit einer Länge von 4,18 Meter, 1,78 Meter Breite und einem Radstand von 2,56 Meter ist er auf Augenhöhe mit den meisten Konkurrenten wie VW T-Cross, Toyota Yaris Cross, Opel Mokka oder Ford Puma.
Optisch interessant: Während Fiat mit Modellen wie dem neuen Grande Panda oder dem ganz frischen Grizzly-Duo inzwischen auf modern interpretierte 80er-Box-Optik setzt, spielt der 600 noch komplett die 50er-/60er-Jahre-Retro-Karte aus.
Er wird allerdings nicht als größere Version des 500 vermarktet, so wie es noch beim Vorgänger 500X der Fall war. Gleichzeitig lässt sich das neue Modell nur schwer in eine Schublade stecken – es ist weder ein klassischer Kleinwagen noch ein echtes SUV, sondern bewegt sich irgendwo dazwischen.
Beim Design gibt es zahlreiche Anleihen an den 500. Gleichzeitig finden sich am Fahrzeug genügend „600“-Logos, um klarzumachen, dass es sich nicht einfach um eine Variante des 500 handelt.
Der von uns getestete "Sport" kommt mit 18-Zöllern, diversen schwarz lackierten Akzenten und verchromten Auspuffendrohren. Wenn Sie mögen, bekommen Sie ein schwarzes Dach.
Innenraum/Kofferraum/Infotainment
Ein Problem des Fiat 600 ist, dass er sich schlicht und einfach nicht anfühlt wie ein 32.000-Euro-Auto. Es sind nicht die grundsätzlichen Qualitäten des Autos, eher wie man diese dem Kunden darreicht. Die Kunststoffe im Innenraum sprechen eindeutig die Sprache eines ziemlich dicken Rotstifts. Bei einem Auto für unter 20.000 Euro geht sowas irgendwie in Ordnung, aber selbst der günstigste 600er wechselt (offiziell) nicht für unter 24.990 Euro den Besitzer.
Zur Ehrenrettung des Turiners sei erwähnt: Der Alfa Romeo Junior macht es auch nicht besser. Und wo wir gerade dabei sind: In puncto Bedienlogik und -layout ist die Verwandtschaft kaum zu übersehen. Das ist eine gute Nachricht.
Das ganze System ist erfreulich unkompliziert und gibt keine Rätsel auf. Unterhalb des Zentralbildschirms sitzen vier Tastenfelder, über die sich wichtige Funktionen direkt anwählen lassen. Auch die Klimabedienung sitzt in einer Leiste unter dem Bildschirm und lässt sich damit ohne Umwege steuern – eine Lösung, die im Alltag überzeugt. Freude bereitet auch die Lenkrad-Bedienung mit richtigen Knöpfen und sinnvollen Funktionen.
Das Instrumentendisplay hinter dem Lenkrad bietet die wichtigsten Informationen, ist allerdings recht klein, grafisch eher rudimentär und nur eingeschränkt individualisierbar. Ein fest integriertes Navigationssystem ist auch in der höchsten Ausstattungsstufe nicht Serie, kostet 250 Euro Aufpreis. Stattdessen setzt Fiat auf Apple CarPlay/Android Auto. Das ist aus unserer Sicht kein großer Nachteil, da die Smartphone-Navigation ohnehin die aktuelleren Daten liefert. Apple CarPlay funktioniert einfach. Punkt.
Der Infotainment-Screen reagiert auch flott. Lediglich für die Sitzheizung und -belüftung muss man sich ein wenig weiter durch die Menüs klicken. Dann werden Sie - zumindest in der Topversion - auch und vermutlich völlig erstaunt feststellen, dass der 600 über eine Massagefunktion für den Fahrersitz verfügt.
Die Sitze selbst präsentieren sich bequem, auch die Sitzposition passt. Im Fond wird es naturgemäß etwas enger bei einem Sub-4,20-Meter-Gefährt. Bei einer Körpergröße von über 1,80 Meter haben die Knie nicht die allerschönste Zeit. Dem Scheitel geht es dafür deutlich besser, die Kopffreiheit stimmt.
Beim Kofferraum fällt zunächst der relativ hoch positionierte Ladeboden auf. Darunter befindet sich noch ein kleines zusätzliches Fach, dessen Stauraum allerdings überschaubar ist. Unter dieser Ebene folgt blankes Blech. Das Kofferraumvolumen beträgt 385 bis 1.256 Liter.
Sehr ordentlich präsentiert sich die Mittelkonsole. Unterhalb der Bedienelemente befindet sich eine große Ablage, in der auch das Smartphone Platz findet und kabellos geladen werden kann. Zusätzlich stehen dort ein 12-Volt-Anschluss sowie USB-Anschlüsse zur Verfügung. Für Kleinkram und Smartphone ist damit ausreichend Platz vorhanden.
Auch die Getränkehalter sind praktisch gelöst. In der Mittelkonsole gibt es mehrere Fächer für Flaschen, deren Einsätze sich herausnehmen beziehungsweise verschieben lassen. Dazu kommen großzügige Ablagen in den Türverkleidungen, in denen ebenfalls eine Flasche untergebracht werden kann.
Ein wenig nervtötend gestaltet sich die Gangwechsel-Prozedur. Italo-Fans können sich damit rühmen, dass der 600 hier wie ein Maserati Grecale bedient wird. Das macht die Sache aber leider auch nicht besser. Wie im Luxus-SUV des Dreizacks findet man vier dicke Taster auf der Mittelkonsole (P,R,N,D). Wenn es mal schnell gehen muss zwischen D und R (beim Wenden in der Stadt etwa) kann es hier mit einer Reaktion durchaus ein bisschen dauern. Auf der anderen Seite spart diese Anordnung natürlich Platz.
Insgesamt hinterlässt der Innenraum des Fiat 600 damit einen eher einfachen, aber funktionalen Eindruck. Die Materialien sind kein Highlight, dafür funktioniert die Bedienung und für die Eventualitäten des Alltags wurden stimmige und praktische Lösungen gefunden. Das Platzangebot geht insgesamt noch in Ordnung.
Fahrverhalten
Was für den Innenraum des kompakten Fiat-Crossovers gilt, lässt sich durchaus auch aufs Fahrverhalten übertragen: Das Gefühl, dass beim Bewegen dieses Autos entsteht, will nicht so recht zum Preisschild passen. Erster Eindruck: Alle Kontrollen sind sehr leichtgängig, es mangelt an Widerstand und Feedback, wodurch kein Gefühl von Solidität entstehen will. Man muss sich anfangs wirklich an die sehr leichtgängige Abstimmung gewöhnen. Lenkung, Pedale, Bremse, ja das gesamte Fahrgefühl wirken gefühllos und dadurch etwas simpel. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit legt sich dieser Eindruck aber zusehends.
Denn eigentlich fährt sich der 600 richtig angenehm. Alles geht leicht von der Hand, das Auto lässt sich unkompliziert bewegen und vermittelt eine lockere Wuseligkeit (Wendekreis: 10,5 Meter). Sportliche Ambitionen stehen dabei nicht im Vordergrund.
Der 600 ist eher weich abgestimmt federt grundsätzlich komfortabel. Bei kurzen oder härteren Unebenheiten wirken die Reaktionen teils etwas staksig. Gleichzeitig erlaubt sich die Karosserie durchaus Bewegung. Der Fiat neigt sich in Kurven, ohne dabei unangenehm zu wirken.
Man kann den 600 durchaus einmal beherzt in eine Kurve werfen, ohne dass er es einem gleich übel nimmt. Er wird untersteuern, aber keinen Blödsinn machen. Das passt gut zum insgesamt unkomplizierten Charakter des Autos.
Auch der Antrieb gibt sich im Alltag entspannt. Beim Ansprechverhalten aus niedrigen Geschwindigkeiten könnte der Fiat allerdings etwas spontaner reagieren. Gerade beim Anfahren wirkt der Dreizylinder gelegentlich etwas zäh, wobei der 600 keineswegs langsam ist. Offiziell geht es in 8,5 Sekunden von 0-100 km/h. Auf der Autobahn sind 170 oder 180 km/h problemlos möglich, ohne dass der Fiat dabei sonderlich angestrengt wirkt. Auch auf dem Weg dorthin nicht. Eher störend ist, dass sich der Motor beim Anfahren nicht immer ganz geschmeidig verhält, hin und wieder mal ins Ruckeln gerät. Das Dreizylinder-typische Röhren macht Laune.
Letztlich bleibt vom Fiat 600 jedoch ein sehr leichtgängiges und entspanntes Fahrerlebnis hängen. Nicht besonders gefühlsecht, aber absolut unkompliziert.
Kosten/Konkurrenten
Ich erwähnte es bereits: Ein Listenpreis von mehr als 32.000 Euro (unser Testwagen notierte bei 32.890 Euro) für unseren 600 Hybrid Sport zieht einen in Anbetracht des Gebotenen jetzt nicht unbedingt auf dem ganz direkten Weg zum nächsten Fiat-Händler. Bei einer Leasingrate von weniger als 200 Euro im Monat sieht das schon anders aus. Und die kriegen Sie auch.
Werfen wir noch einen kurzen Blick auf die Konkurrenz: Ein Ford Puma mit 155-PS-Dreizylinder steht aktuell ab 31.750 Euro im Konfigurator. Der Toyota Yaris Cross mit dem 130-PS-Hybrid startet bei 26.100 Euro, kostet in der Top-Ausstattung GR Sport ab 34.000 Euro. Der Volkswagen T-Cross ist mit dem 150-PS-Benziner ab 33.500 Euro zu haben.
Fazit: 6,5/10
Der Fiat 600 nimmt das Leben leicht. Dem Innenraum und dem Fahrgefühl fehlt es sicher an Wertigkeit, allerdings punktet das Auto als unkomplizierter, sehr leichtgängiger und mühelos steuerbarer Alltagsbegleiter mit guter Bedienbarkeit und durchdachtem Layout. Die 145-PS-Variante wirkt teils etwas ungeschliffen, ist aber ziemlich flott unterwegs und sparsam. Die 1.000 Euro Aufpreis gegenüber der 110-PS-Variante ist sie allemal wert, wenn man nicht ausschließlich urban unterwegs ist.
Auch interessant
Karmann Davis (2026): Trendstyle und Lifestyle bekommen mehr Platz
Nissan Micra 52 kWh (2026): Pfiffiger Wirbelwind im Alltagstest
Adria Twin (2026): Kult-Campervan komplett neu
Legendär: Mercedes 300 SLS trifft SLR Stirling Moss zum Fahrtermin
Dethleffs Just Van: Schmaler Teilintegrierter als Campervan-Alternative
Volvo EX30 Cross Country im Dauertest (3): Trotzdem geliebt
Sunlight Cliff 602 X (2026): Dieser Camper denkt Outdoor völlig neu