Zum Hauptinhalt springen

Für eine persönlichere Erfahrung

40 Jahre Jaguar XJ40 (1986-1994): Im Zeichen der 40

Schon damals schaffte es die Nobelmarke zu polarisieren

Jaguar XJ40 (1986-1994)
Bild von: Jaguar

Die Augen der Jaguar-Fans sind derzeit auf den neuen Type 01 gerichtet. Das kontrovers diskutierte Elektroauto soll Anfang Oktober 2026 in voller Pracht debütieren. Ziemlich genau 40 Jahre, nachdem ein anderes Modell der Marke für Aufsehen sorgte.

Als der Jaguar XJ der Generation XJ40 im Oktober 1986 offiziell enthüllt wird, tritt er ein schweres Erbe an. Er soll die legendäre Series III ersetzen, deren Ursprünge bis 1968 zurückreichen. Es handelt sich um die zweite Generation der Oberklasse-Limousine aus Coventry, die das Licht der Welt erblickt. Bis zum Produktionsende der älteren Baureihe im Jahr 1992 laufen beide Modelle sogar eine Zeit lang parallel vom Band.

Bildergalerie: Jaguar XJ40 (1986-1994)

Der XJ40 ist technisch ein riesiger Schritt nach vorn. Er besitzt eine modernisierte Einzelradaufhängung an der Hinterachse und zieht mit digitalen Instrumenten im Innenraum sowie elektronischen Überwachungssystemen im Cockpit alle Blicke auf sich.

Die letzte Eigenentwicklung

Entwicklungsgeschichtlich nimmt das Modell eine Ausnahmestellung ein. Es ist der letzte Jaguar, der komplett eigenständig entwickelt wird, bevor der US-Gigant Ford das Ruder übernimmt. Zudem trägt die Limousine noch die Handschrift des Firmengründers Sir William Lyons. Der legendäre Patron begleitet die frühe Entwicklungsphase als Berater und begutachtet den finalen Prototyp kurz vor seinem Tod im Jahr 1985 mit großem Wohlwollen.

Die Wurzeln des Projekts reichen weit zurück. Schon ab 1972 baut das Designteam erste Maßstabsmodelle. Die Ölkrise von 1973 und chronische Finanzprobleme des damaligen Mutterkonzerns British Leyland verzögern das Vorhaben jedoch über Jahre. Zur Debatte stehen Entwürfe des eigenen Stylingsstudios sowie von Pininfarina. Am Ende setzt sich das hauseigene Design durch.

Jaguar XJ40 (1986-1994)

Jaguar XJ40 (1986-1994)

Bild von: Jaguar

Im Februar 1981 bewilligt der Vorstand von British Leyland schließlich ein Budget von 80 Millionen Pfund. Als der neue Konzernchef John Egan das Ruder übernimmt und Jaguar an die Börse führt, verschiebt er die Premiere nochmals, um letzte Kinderkrankheiten auszusortieren und die Karosseriestruktur zu perfektionieren.

Die Ingenieure reduzieren die Anzahl der benötigten Karosserieteile im Vergleich zum Vorgänger um ein Viertel. Das spart Gewicht, erhöht die Steifigkeit und vereinfacht die Fertigung. Dennoch leidet der XJ40 in seinen ersten Baujahren unter Qualitätsproblemen und anfälliger Elektronik, was dem Ruf der Marke zusetzt. Die ausgetüftelte Ergonomie im Innenraum punktet dagegen sofort.

Sechs statt acht

Das Mäusekino im Armaturenbrett zeigt über eine Vakuum-Fluoreszenzanzeige namens "Vehicle Condition Monitor" Dutzende Warnfunktionen an. Ab 1990 kehrt Jaguar allerdings zu analogen Rundinstrumenten zurück, weil die Mäusekino-Platinen der Anfangstage zum Sorgenkind reiften. Zeitgleich steigert die neue Konzernmutter Ford die Qualität.

Mechanisch startet die Baureihe 1986 mit den neuen AJ6-Reihensechszylindern als 2,9-Liter und 3,6-Liter. Später folgen Hubraumerweiterungen auf 3,2 und 4,0 Liter. Der Neupreis eines XJ40 4.0 mit 221 PS beträgt in Deutschland im Juli 1990 exakt 79.686 DM, ein ähnlich starker Mercedes 420 SE (W126) notiert bei 84.075 Mark, während es den BMW 735i mit 211 PS schon für 79.000 Mark gibt.

Jaguar XJ40 (1986-1994)

Jaguar XJ40 (1986-1994)

Bild von: Jaguar

Die Fahrstufen wählt der Fahrer über die berühmte J-Gate-Schaltkulisse, die ein ungewolltes Einlegen des Rückwärtsgangs verhindert. Über die Motorraumbemaßung kursiert bis heute eine feine Anekdote. Die Jaguar-Ingenieure konstruieren den Vorderwagen bewusst so schmal, dass der V8-Motor von Konzernmutter British Leyland schlicht nicht in den Motorraum passt. Damit sichern sie den Fortbestand eigener Motoren. Das rächt sich jedoch später, als ein V12 integriert werden soll. Erst ab 1993 rollt der XJ40 als XJ81 mit dem mächtigen 6,0-Liter-Aggregat zu den Händlern.

Ab 1990 vergrößert Jaguar den Sechszylinder auf 4,0 Liter Hubraum. Ein Jahr später wächst die Einstiegsversion auf 3,2 Liter und übernimmt den modernen Vierventil-Zylinderkopf, womit dieses Modell als Jaguar XJ6 3,2 sowie als Sovereign 3,2 nun auch in Deutschland angeboten wird. Die Modellpalette zeigt sich über die Jahre extrem vielseitig.

Jaguar XJ40 (1986-1994)

Jaguar XJ40 (1986-1994)

Bild von: Jaguar

Während der reguläre XJ6 später an seinen vier Rundscheinwerfern in rechteckigen Gehäusen zu erkennen ist, tragen die höherwertigen Modelle Sovereign und Daimler die prägnanten Breitbandscheinwerfer. Der Daimler bildet dabei das noble Spitzenmodell, das auf dem US-Markt traditionell als Jaguar Vanden Plas firmiert. Sogar die britische Autobahnpolizei nutzt den XJ40 als schnellen Einsatzwagen auf der M6, während die noble Version Majestic mit verlängertem Radstand als Staatskarosse dient.

Der Insignia von Jaguar

Für sportlich orientierte Kunden schiebt Jaguar ab 1993 die Modelle 3,2 S und 4,0 S nach. Der sportliche XJR mit Dezent-Spoilerwerk und von TWR leicht nachgeschärftem Vierliter-Motor ist in England bereits seit 1989 im Programm und erobert ab 1992 die deutschen Straßen. Wer es besonders feudal schätzt, greift ab 1993 zum XJ40 Insignia. (Sie lesen richtig, genau jener Name, den 2009 der große Opel bekommt ..)

Hier fertigen die Handwerker die gesamte Innenausstattung in feinstem Echtleder inklusive zweifarbiger Optionen, edler Sonderhölzer und spezieller Lackierungen. Auch die Daimler-typischen Klapptische aus Holz gehören zum Insignia-Umfang. Im selben Jahr debütiert eine Chauffeurs-Version mit einem um 125 Millimeter verlängerten Radstand und leicht angehobenem Dach. Kurze Zeit später, im Jahr 1994, läuten die preisgünstigen Sondermodelle 3,2 Gold und 4,0 Gold mit reduzierten Chromleisten den Abschied der Baureihe ein.

Trotz der holprigen Anfangstage erweist sich der XJ40 als riesiger Markterfolg und sichert Jaguar in seinen besten Jahren Rekordverkaufszahlen, ehe der stark überarbeitete X300 im Retro-Look die Nachfolge antritt. Vom Jaguar XJ der Baureihe XJ40 (inklusive der V12-Variante XJ81) werden im Zeitraum von 1986 bis 1994 insgesamt 208.706 Exemplare (laut Aufzeichnungen des Jaguar Daimler Heritage Trust exakt 208.733 Fahrzeuge) im Werk Browns Lane produziert.