Nachdem Opel mit dem Corsa A im Jahr 1982 in die Kleinwagenklasse eingestiegen war, wurde es elf Jahre und zwei Modellpflegen später dann doch irgendwie Zeit für eine neue Generation. So zog der Hersteller im Frühjahr 1993 endlich die Tücher von der Neuauflage. Und was gerade noch brandneu war, ist ab diesem Jahr schon H-Kennzeichen-fähig. Wahnsinn. Der Opel Corsa B wird 30 Jahre alt. Ein Oldtimer. Also ... einsteigen, jetzt geht's auf Zeitreise.

Viele Motoren, noch mehr Ausstattungslinien

Auch der ewige Rivale VW Polo ließ sich Zeit für einen Nachfolger. Erst 1994 war es nach unglaublichen 13 Jahren soweit. Zu diesem Zeitpunkt war der Opel Corsa B schon auf dem Markt und konnte fleißig punkten.

Bildergalerie: Opel Corsa B (1993-2000)

Abgesehen davon, dass unter dem Blech von S93 (so die interne Bezeichnung des Corsa B) die neue GM-Gamma-Plattform zum Einsatz kam, war der größte Unterschied zum Vorgänger eindeutig das stark abgerundete Karosseriedesign. Es wirkte viel moderner und katapultierte die Baureihe aus den pragmatisch-kantigen 80er-Jahren direkt in die drolligen und bunten 90er.

Könnte man meinen, aber eigentlich stammt ziemlich viel des Designs noch aus einer Zeit, als der Corsa A gerade zum Jahreswagen wurde. Stichwort: Opel Junior. Ein Showcar von 1983, das im Rückblick doch ziemlich stark nach der zweiten Corsa-Generation gerochen hat. Maßgeblich an beiden Autos beteiligt: der Japaner Hideo Kodama.

Opel Corsa B (1996) im Test
Opel Corsa B (1996) im Test

So zukunftsweisend die Gestaltung des neuen Kleinwagens mit seinen Außenakzenten durch Radlaufverbreiterungen aus Kunststoff oder durch die markanten Spiegelkappen auch war: Unter der Haube blieb die große Revolution vorerst aus.

Anfangs gab es den kleinen Opel (ab März 1993 als Dreitürer und ab August 1993 als Fünftürer mit geänderter Heckklappe und schmaleren Heckleuchten) nämlich nur mit 1,2 und 1,4 Liter großen Vierzylinder-Benzinmotoren mit 45 oder 60 PS sowie mit dem 1,5-Liter-Diesel (mit oder ohne Turbo) mit 50 oder 67 PS. Und damit stammten alle Antriebe noch aus dem Vorgänger.

Opel Corsa B (1996) im Test

Zwischen Herbst 1993 und Mitte 1994 wurde außerdem wieder eine GSi-Version mit einem 1,6-Liter-Ecotec-Motor mit 109 PS angeboten. Ab Sommer 1994 bis zum Produktionsende sank die Leistung des 16V-Aggregats geringfügig auf 106 PS. Der Corsa Sport rangierte zeitlebens unter dem GSi und wurde bis August 1994 mit einem 1,4-Liter-8V-Motor, der über 82 PS verfügte, angeboten und nach den Werksferien ab September 1994 durch den 1,4-Liter 16V mit 90 PS abgelöst.

Ab September 1995 ersetzte dann ein 1,7-Liter-Saugdiesel mit 60 PS den alten turbolosen 1,5-Liter-Selbstzünder, im Sommer 1997 wurde das Motorenprogramm um einen neu konstruierten 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 55 PS und Vierventiltechnik ergänzt. Für Modelle mit diesem Motor wurde außerdem eine elektrische Servolenkung (EPS) eingeführt, um den Verbrauch zu senken.

Opel Corsa B (1996) im Test
Opel Corsa B (1996) im Test
Opel Corsa B (1996) im Test
Opel Corsa B (1996) im Test

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Corsa auch bereits sein einziges (aber umfassendes) Facelift erhalten. Nämlich im Juli 1997. Es beinhaltete veränderte Front- und Heckschürzen, breitere Seitenschutzleisten und serienmäßige Seitenblinker. Das Design der Radkappen und der Alufelgen wurde ebenfalls modernisiert. Im Innenraum hielten neue Stoffe und ein Dreispeichen-Lenkrad mit Airbag Einzug, der bisher eckige Schaltknauf wurde durch ein rundes Exemplar ersetzt und die Rahmenkopfstützen entfielen. 

Opel Corsa B (1993-2000)

Der Opel Corsa B als Fünftürer

Opel Corsa B Kombi

Nur in Übersee und Italien angeboten: Opel Corsa B Kombi

Außerdem änderte Opel mit der Überarbeitung die Modellbezeichnungen und Ausstattungsvarianten. Ganz so als wären die vorherigen 15 Versionen nicht schon undurchsichtig genug gewesen, tauschte man "Eco", "City", "Swing", "Sport", "GSI", "Joy", "Atlanta", "World Cup", "Grand Slam", "Viva", "Familiy", "CCD", "Vogue", "Advantage" und "Coiffeur" gegen "Twen", "Cappuccino", "Vogue", "Advantage", "Edition 100", "Edition 100 Cool", "Edition 2000", "World Cup", "World Cup Cool", "World Cup Sport", "Webc@r", "Viva", "Snow", "Young", "Special", "City", "Trio" und "Twist". Ja ... 33 Bezeichnungen in sieben Jahren. Verwirrend. Ein Fest für Opel-Historiker.

Das letzte Motor-Update

Zwei Jahre vor dem Produktionsende fand dann schlussendlich die letzte Operation am Corsa B statt. Wieder am offenen Herzen, denn Opel bestückt 1998 den Kleinwagen ein letztes Mal mit einem neuen Aggregat. Es handelt sich um einen 1,2-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 16 Ventilen, 65 PS und 110 Nm Drehmoment. Der Motor basierte auf dem ein Jahr zuvor eingeführten Dreizylinder. Er wurde an ein 5-Gang-Schaltgetriebe gekoppelt und beschleunigte das nur 950 kg leichte Fahrzeug in 14 Sekunden von 0-100 km/h. Höchstgeschwindigkeit? 163 km/h.

Opel Corsa B (1996) im Test

Und genau dieser Motor sitzt auch in unserem heutigen Testwagen. Einem blauen Facelift-Modell von 1998 in der dreitürigen Ausführung und der Ausstattungslinie Edition 2000, der mit einer Länge von 3,74 Metern, einer Breite von 1,61 Metern und einer Höhe von 1,42 Metern mittlerweile eher als Kleinstwagen durchgehen könnte. Auch wenn der Corsa bei der A-zu-B-Transformation ordentlich gewachsen ist. Einsteigen. Abfahrt.

Mehr Platz, weniger Pragmatismus

Wir erinnern uns sofort daran, wie eng wir es im vergangenen Jahr bei der Ausfahrt zum 40-jährigen Jubiläum des Corsa A hatten. Und auch im B-Modell wird Geräumigkeit noch nicht unbedingt groß geschrieben. Trotz des manuellen Schiebedachs geht die Kopffreiheit durch den höhenverstellbaren Fahrersitz aber durchaus in Ordnung.

Die Schultern von Fahrer und Beifahrer berühren sich nicht in jeder Kurve und selbst im Fond mit in der Neigung verstellbarer Rückenlehne können wir eine halbwegs bequeme Sitzposition finden. Was so 100 Millimeter mehr Radstand ausmachen können. Wahnsinn.

Opel Corsa B (1996) im Test
Opel Corsa B (1996) im Test
Opel Corsa B (1996) im Test

Aber nicht nur das klaustrophobische Gefühl ist weitestgehend aus dem Corsa B verschwunden. Die Sachlichkeit der 1980er-Jahre ist ebenfalls einem knubbelig-runden Innenraumdesign gewichen. Wobei alles natürlich weiterhin recht übersichtlich gestaltet ist. Einfach in Ermangelung an Technik. Hinter dem Airbag-Lenkrad blicken wir deshalb lediglich auf einen Tacho, eine Tankanzeige, eine Temperaturanzeige und eine Handvoll Warnleuchten.

Ohne Klima, mit Telefon

In der Mittelkonsole wird in unserem Testwagen dann aber ein regelrechtes Technik-Feuerwerk gezündet. Die Lüftungsregelung (ohne Klimaanlage) wird über drei Drehknöpfe und einen Schieberegler gesteuert, darunter sitzt das Radio. In unserem Fall ein damals für Kleinwagen ziemlich unübliches (und natürlich aufpreispflichtiges) Phillips CCRT 700 mit Telefonfunktion und dem damit in Verbindung stehenden großen Digitaldisplay auf dem Armaturenbrett. Glasklarer Radioempfang inklusive. So geht Kleinwagen-Komfort.

Opel Corsa B (1996) im Test
Opel Corsa B (1996) im Test

Jetzt noch schnell den Sitz und die Spiegel mit Muskelkraft in die richtige Position bringen, den funklosen Schlüssel ins Zündschloss stecken, umdrehen und schon erwacht der Einspritzmotor ohne Murren und angenehm leise zum ruhigen Leerlaufleben. Der erste Gang lässt sich erstaunlich leichtgängig und halbwegs präzise einlegen und los geht die Fahrt.

Bildergalerie: Opel Corsa B (1996) im Test

McPherson-Federbeine mit Schraubenfedern vorne und die Längslenker-Verbundachse mit Miniblock-Federn hinten sorgen in Verbindung mit der bereits erwähnten EPS-Lenkung dabei für ein ziemlich modernes Fahrgefühl. Spritzig bis komfortabel. Verzögert wird das Unter-eine-Tonne-Auto dann solide mit Scheibenbremsen vorne und Trommelbremsen hinten. Wir fühlen uns jedenfalls ziemlich wohl. Selbst oberhalb der 100-km/h-Marke.

Und heute?

Anders als den übel rostenden Corsa A findet man den Corsa B noch recht häufig auf den einschlägigen Gebrauchtwagenbörsen. Dabei gibt es etwas verwohnte Modelle mit TÜV für teilweise unter 1.000 Euro. Gut gepflegte Exemplare mit wenig Laufleistung (unser Testwagen aus der Opel-Sammlung hat übrigens nur unfassbare 3.136 km auf der Uhr) sind allerdings mittlerweile ziemlich selten und können dann auch schon einmal für über 4.000 Euro inseriert sein. Mit ABS und Airbags aber durchaus noch eine extrem günstige Möglichkeit, trocken und sicher mit etwas Komfort von A nach B zu kommen.

Opel Corsa B (1996) im Test

Im Gegensatz dazu sprengt der gerade einem Vizor-Facelift unterzogene Corsa F alle von der zweiten Generation gesteckten Grenzen. Er ist vollgepackt mit Technik, die es vor 30 Jahren noch nicht einmal in der Luxusklasse gab. Er ist größer, schwerer und natürlich auch deutlich teuerer. Zumindest im Generationenvergleich. Ob sich mindestens 19.800 Euro für die benzinbetriebene Version oder 38.045 Euro für das neue vollelektrische Long-Range-Modell trotzdem noch lohnen, klärt unser entsprechender Testbericht.