Früher waren die Zeiten noch übersichtlicher, auch bei BMW: 3er, 5er und 7er, dazu mal ein 6er, mal ein 8er. Klar war, wer einen 320i kauft, bekommt zwei Liter Hubraum, damals aus sechs Zylindern. Heute hingegen dienen die Ziffern am Heck der meisten BMW-Modelle mehr der internen Abstufung anstatt inhaltlicher Information. 

Mit der zunehmenden Verbreitung von Crossover- und SUV-Modellen ist das Angebot von BMW in den letzten Jahren immer unübersichtlicher geworden und wird mit der bevorstehenden Einführung eines SUV-Flaggschiffs an der Spitze der X-Familie weiter wachsen. Gleichzeitig blüht das Elektroportfolio mit immer mehr i-Modellen wie dem i4, iX und den kommenden Elektroversionen von X1, 5er und 7er auf.

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Dann gibt es noch die traditionellen Modelle: Von der 3er-Reihe wurde der 4er abgespalten, dort gibt ein 4er Gran Coupe entstanden, und das einzige Mitglied der 6er-Reihe ist jetzt der Gran Turismo. Die 8er-Reihe ist wieder da und wird als Coupé, Cabrio und viertüriges "Coupé" angeboten. Beim 2er gibt es drei Modelle, die außer der Ziffer optisch nichts miteinander gemeinsam haben. Angesichts des boomenden Angebots hat BMW sogar eine eigene Abteilung namens Strategische Namensgebung und Fahrzeugidentifikation eingerichtet.

Diese Leute arbeiten rund um die Uhr daran, neue Namen zu finden, die in Bezug auf die Positionierung des Modells in der Produktpalette, die Art des Antriebs (FWD, RWD, AWD) und die Identität des Motors und seine Leistung sinnvoll sind. Klingt einfach? Nun, das ist es nicht.

Bildergalerie: BMW 745Le xDrive by dÄHLer competition line

In seinem offiziellen Podcast mit dem Titel "Changing Lanes" erklärt BMW, wie die Autos aktuell benannt werden. Die alten, einfachen Zeiten sind größtenteils vorbei, und das vom Unternehmen angeführte Beispiel ist der 745e. Die "7" bezieht sich immer noch auf die Modellreihe, in diesem Fall die 7er-Reihe, wobei ungerade Zahlen für herkömmliche Modelle verwendet werden, während gerade Zahlen typischerweise für sportlichere Angebote stehen. Das wussten Sie doch, oder?

An dieser Stelle wird es wirklich interessant, denn die Ziffern in der Mitte, in diesem Fall "45", stehen nicht unbedingt für den Hubraum in Litern, da ein 745e nicht von einem 4,5-Liter-Aggregat angetrieben wird. Stattdessen werden die BMW-Modelle nach der Leistung pro Kilowatt eingestuft, und Fahrzeuge mit 300 bis 350 Kilowatt fallen in die Kategorie "45".

Audi hat eine ähnliche Nomenklatur in Indien und China schon seit einiger Zeit, und ab Anfang 2018 wird diese Strategie auch bei den europäischen Fahrzeugen angewandt. Die Intervalle in Kilowatt unterscheiden sich jedoch von denen, die BMW verwendet, da "45" in der Audi-Produktpalette für Fahrzeuge mit 169-185 kW steht, also weit weniger stark.

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Das mag verwirrend klingen (und ist es auch irgendwie), aber BMW argumentiert, dass dies notwendig war, da es heutzutage so viele verschiedene Antriebsarten gibt: Benzin-, Diesel-, Mild-Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Konfigurationen. Der letzte Buchstabe sollte kein Rätsel sein, denn das "e" steht für einen Plug-in-Hybrid, so wie das "i" für Autos mit Benzineinspritzung und das "d" für Dieselfahrzeuge steht.

Die Roadster- und X-Modelle erhalten außerdem den Zusatz "sDrive" oder "xDrive", je nachdem, ob sie über einen Zwei- oder Allradantrieb verfügen. Bis vor einigen Jahren bedeutete "sDrive" ausschließlich Hinterradantrieb, aber einige der Kompaktwagen von BMW sind jetzt auch mit Frontantrieb erhältlich, wie etwa die Schräghecklimousine der 1er-Reihe, der 2er Active Tourer, das 2er Gran Coupé und die Crossover X1 und X2. Zum Glück hat das neue 2er Coupé immer noch einen heckbetonten Charakter.

Dann gibt es noch die M-Performance-Fahrzeuge, die das "M" vor der Fahrzeugbezeichnung haben, aber es gibt zwei Ausnahmen, denn die X- und Z-Modelle haben den "stärksten Buchstaben der Welt" nach dem Namen des Fahrzeugs: X5 M50i, Z4 M40i, usw. In dem seltenen Fall, dass ein M Performance-Fahrzeug sowohl mit Zwei- als auch mit Allradantrieb erhältlich ist, wird der Begriff "sDrive" oder "xDrive" am Ende angefügt.

Bei den vollwertigen M-Modellen steht das "M" bei den SUVs am Ende und bei den Limousinen, Coupés und Cabriolets am Anfang, wobei der allererste M3 Touring diesem Beispiel folgen wird. Eine vollwertige M-Version des Z4-Roadsters folgte früher der gleichen Strategie wie die SUVs, aber der Z4 M gehört nun der Vergangenheit an.

BMW i3 (2021) im Test

Bei den vollelektrischen Versionen kommt das "i" (von "Innovation") zuerst. Früher gab es Autos mit dem i-Logo, die noch einen Verbrennungsmotor hatten, aber der i8 Roadster wurde eingestellt und der i3 ist nicht mehr mit einem Benzinmotor zur Reichweitenverlängerung (i3 REx) erhältlich. Wenn das Elektroauto nur über einen Zweiradantrieb verfügt, steht am Ende ein "eDrive", das dem "sDrive" für Modelle mit Verbrennungsmotor entspricht. Modelle mit Allradantrieb erhalten den bekannten Zusatz "xDrive".

Dieses Puzzle aus Buchstaben und Wörtern macht es für BMW einfacher, neuen Autos logische Bezeichnungen zu geben, als echte Namen zu verwenden. Das macht Sinn, denn auch wenn echte Namen ansprechender sind, wäre es angesichts des wachsenden Portfolios ziemlich schwierig, sich so viele Namen auszudenken (die die Positionierung in der Baureihe, die Art des Antriebs usw. widerspiegeln würden).

Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Der iX, und wir sind uns ziemlich sicher, dass dies auch bei dem neuen SUV der Fall sein wird, der Ende des Monats vorgestellt wird. Im Gegensatz zu den Berichten, die von einem X8 sprachen, wird der neue Range Topper mit dem X-Logo voraussichtlich den Citroën-ähnlichen Namen XM tragen, um zu signalisieren, dass es sich um ein reines M-Auto in Form eines SUV (X-Modell) handelt.

Das mit Spannung erwartete Modell wird Gerüchten zufolge einen 4,4-Liter-V8-Hybrid mit Doppelturbo und über 700 PS erhalten. Es debütiert am 29. November mit einem bereits umstrittenen geteilten Scheinwerferdesign.

Letztendlich werden die Dinge wohl dadurch vereinfacht, dass die Zeit des Verbrennungsmotors irgendwann abgelaufen ist ...