Daimler-CEO Källenius denkt, dass man mehr Kompakte hat, als man wirklich braucht

A-Klasse Schrägheck, A-Klasse Limousine, A-Klasse Limousine mit langem Radstand (in China), B-Klasse, CLA "Coupé", CLA Shooting Brake, GLA, GLB. Falls Sie aufgrund der unglaublichen Fülle noch nicht aufgehört haben zu lesen - das hier sind alle Kompaktwagen, die Mercedes derzeit anbietet. 

Diese kleinen (oftmals sind sie gar nicht so klein) Autos zeichneten 2019 für ein Viertel aller Mercedes-Verkäufe verantwortlich und die A-Klasse war sowas wie die treibende Kraft hinter Daimlers Absatz-Boom in den vergangenen Jahren. 

Allerdings gibt Mercedes zu verstehen, dass man nicht zum "Konkurrenten der Volumenhersteller" werden möchte. Genau das sagte Daimler-Chef Ola Källenius Anfang der Woche gegenüber Industrie-Analysten, als online die neue, ambitionierte Strategie des Autobauers vorgestellt wurde

Außerdem gab er zu, dass sie "ein bisschen zu weit gegangen sind, indem wir jede einzelne Lücke in jedem einzelnen Segment gefüllt haben". Und er präzisierte: "Besonders die Kompakten fallen einem hier ein." 

Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass einigen dieser Modelle in absehbarer Zukunft der Garaus gemacht wird. Besonders, weil Fahrzeuge wie der GLB noch sehr neu auf dem Markt sind. 

Stattdessen möchte sich Källenius auf die High-End-Versionen dieser Modelle fokussieren, um den Profit zu steigern. Ein gutes Beispiel dafür ist die kürzlich getätigte Entscheidung, keine Schaltgetriebe mehr anbieten zu wollen. Autos mit manueller Box kamen ohnehin fast nur noch in den kompakten Einstiegsmodellen in Europa vor.  

Ein Produktplan, der vor ein paar Jahren aufkam, zeigt, dass Mercedes zu diesem Zeitpunkt tatsächlich noch ein Kompakt-Derivat geplant hatte - ein GLA Coupé. Allerdings scheint es so, als würde der mögliche BMW-X2-Konkurrent nicht passieren. Das heißt aber nicht, dass es keine weiteren Kompakt-Neuzugänge beim Stern geben wird. Für 2021 erwarten wir schließlich die rein elektrischen Modelle EQA und EQB. 

Während die zahlreichen Kompakt-Varianten von der neuen Mercedes-Ausrichtung vorerst unberührt bleiben, geht es anderen Modellen durchaus an den Kragen. Der Roadster SLC (einst SLK) wurde bereits geschasst, nun ist nach der aktuellen Generation auch für S-Klasse Coupé und Cabrio Schluss. Sie werden von der kommenden Generation des AMG GT Coupé und des SL mit Stoffdach ersetzt, die beide zusammen bei AMG entwickelt werden.

Das Chronjuwel des Mercedes-Portfolios wird in Bälde der AMG One sein, ein Hypercar mit Formel-1-Motor und um die 1.000 PS für knapp drei Millionen Euro. Alle 275 Exemplare sind bereits verkauft. Nach diversen Schwierigkeiten in der Entwicklungsphase, vor allem, was die EU-Abgasvorschriften beim ultrakomplexen Antrieb betrifft, sollen die Auslieferungen Anfang 2021 beginnen.

Bildergalerie: Mercedes CLA Shooting Brake 2019