Etwas pummeliges Sport-SUV mit vielen Technik-Highlights

Nach der Einführung des A 45 und CLA 45 macht der neue Mercedes-AMG GLA 45 nun die Riege der Kompaktsportler komplett. Angetrieben wird er vom bekannten 2,0-Liter-Motor, der in zwei PS-Stufen angeboten wird. Schon das Basismodell bietet mit 387 PS ein paar PS mehr als der 381 PS starke Vorgänger von 2017 und erst recht als der GLA 45 von 2014 mit 360 PS. Der Mercedes-AMG GLA 45 S ist mit 421 PS sogar das stärkste in Großserie gefertigte Vierzylinder-Turbotriebwerk.

Zu den wesentlichen Neuerungen gegenüber dem Vorgänger gehört der neue Allradantrieb AMG Performance 4Matic+: Das System verteilt die Kraft an der Hinterachse per AMG Torque Control radselektiv. Dieses Torque-Vectoring-System basiert auf einem Hinterachsgetriebe mit zwei Lamellenkupplungen -- für jedes Hinterrad eine. Je nach Fahrsituation können so das linke und das rechte Hinterrad unterschiedlich viel Antriebskraft erhalten.

Mit 421 PS Leistung ist der komplett neu entwickelte Zweilitermotor der S-Version das stärkste momentan für die Großserie gefertigte Vierzylinder-Turbotriebwerk der Welt. Gegenüber dem Vorgänger stieg die Leistung um 40 PS, das maximale Drehmoment wuchs von 475 auf 500 Newtonmeter. Die Basisversion liegt bei 480 Newtonmeter.

Den Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 km/h erledigen die neuen Kompakt-SUVs in 4,3 Sekunden, das Basismodell braucht eine Zehntelsekunde länger. Beim Basismodell wird bei 250 km/h abgeregelt, das S-Modell darf ab Werk bis zu 270 km/h schnell sein.

Für ein spontanes Ansprechverhalten wurde der Drehmomentverlauf aufwändig abgestimmt ("Torque shaping"): Der jeweilige Maximalwert steht erst bei rund 5.000 Touren zur Verfügung. Damit wollen die Ingenieure eine Saugmotor-ähnliche Kraftentfaltung erzeugen, so Mercedes. Das bedeutet offenbar, dass das Drehmoment im unteren Drehzahlbereich künstlich gedrosselt wird.

Mercedes-AMG GLA 45 (2020)

Wie üblich wird der neue Motor quer eingebaut. Im Vergleich zu den 35er-Modellen wird der Motor jedoch um 180 Grad um die Hochachse gedreht. Damit liegen Turbolader und Abgaskrümmer hier an der Wand zum Innenraum, die Ansauganlage ist vorn positioniert. So wird eine flache, aerodynamisch vorteilhafte Front möglich und bei der Luftführung ergeben sich auf Ansaug- und Abgasseite kürzere Wege.

Der Twin-Scroll-Turbolader verbindet optimales Ansprechverhalten bei niedrigen Drehzahlen mit hohem Leistungszuwachs im oberen Drehzahlbereich. Die Welle von Verdichter- und Turbinenrad ist erstmals wälzgelagert, was die Reibung reduziert. Der Lader spricht so spontaner an und dreht schneller hoch. Mit 2,1 bar rangiert der Benziner auch beim maximalen Ladedruck an der Spitze.

Der Vierzylinder verfügt über eine zweistufige Benzineinspritzung. Die erste Stufe ist eine Direkteinspritzung, die zweite eine Saugrohr-Einspritzung. Letztere wird zum Erreichen der hohen spezifischen Leistung benötigt. Die hohe Leistung erfordert auch ein ausgeklügeltes Kühlsystem, das unterschiedliche Temperaturen für Zylinderkopf und Kurbelgehäuse ermöglicht.

Das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe AMG Speedshift DCT 8G soll schnelle Schaltzeiten und optimale Anschlüsse beim Hochschalten gewährleisten. Je nach gewähltem Fahrmodus erhält man andere Schaltkennlinien.

Eine serienmäßige Race-Start-Funktion ermöglicht die maximale Beschleunigung aus dem Stand und sorgt zusammen mit dem Antriebssound mit partieller Zündunterbrechung beim Hochschalten und automatischer Zwischengasfunktion beim Herunterschalten für Fahrspaß, so Mercedes. Damit die Effizienz nicht zu kurz kommt, kann man eine Segel-Funktion wählen.

Die Verteilung der Kraft auf Vorder- und Hinterachse sowie zwischen den beiden Hinterrädern erfolgt nicht elektrohydraulisch, sondern elektromechanisch. So können die Lamellenkupplungen deutlich schneller und drehzahlunabhängig betätigt werden, sagt der Hersteller.

Das Fahrwerk bietet adaptive Dämpfer und eine der Leistung angemessene Bremsanlage. Beim Basismodell greifen vorne Vier-Kolben-Monoblock-Festsättel die 350 x 34 Millimeter großen Scheiben, hinten beißen Ein-Kolben-Faustsättel in 330 x 22 Millimeter große Scheiben. Die grau lackierten Bremssättel tragen einen weißen AMG-Schriftzug.

Das S-Modell und optional auch das Basismodell bekommen Sechs-Kolben-Festsättel und 360 x 36 Millimeter große Scheiben vorne. Hier sind die Bremssättel rot lackiert und tragen ein schwarzes AMG-Logo.

Mercedes-AMG GLA 45 (2020)
Am Heck fällt der große Dachspoiler auf

Optisch bietet der GLA 45 eine Motorhaube mit Power Domes, muskulöse Radhäuser und einen Grill mit vertikalen Lamellen. Serienmäßig leuchten LED-Scheinwerfer die Fahrbahn aus. In der Seitenansicht fallen die großen Aluräder auf. Beim Basismodell sind es 19-Zöller, beim S-Modell 20-Zöller. Auf Wunsch gibt es auch 21-Zöller. Aus dem Heck ragen zwei runden Doppelrohre, die beim S-Modell noch etwas dicker ausfallen als bei der Grundversion. Dazu gibt es einen Diffusor mit vier senkrechten Finnen.

Mercedes-AMG GLA 45 (2020)
S-Modell mit gelben Streifen

Innen gibt es serienmäßig Sportsitze vorne, die mit Kunstleder bezogen und mit roten Ziernähten versehen werden. Dazu passen die roten Sicherheitsgurte. Beim S-Modell ziehen sich gelbe Akzente durch den Innenraum. Das Instrumentendisplay des MBUX-Systems bietet drei AMG-spezifische Anzeigestile an: Klassisch, Sport und Supersport. Dabei ist im Supersport-Modus ein runder Drehzahlmesser in der Mitte und dreidimensionale Balken links und rechts zu sehen. Hier kann man sich zum Beispiel die g-Kräfte anzeigen lassen. Mit den AMG-Lenkradtasten (Serie bei S-Modell, optional für die Basisvariante) lassen sich die Fahrprogramme direkt ansteuern.

Beim S-Modell ist auch AMG Track Pace an Bord, der "virtuelle Renningenieur". Die Software ermöglicht die Analyse von Rundenzeiten auf der Rennstrecke; auch Beschleunigungs- und Verzögerungswerte lassen sich speichern. Die Augmented-Reality-Funktion des MBUX-Systems ermöglicht es sogar, sich die Ideallinie auf dem Multimedia-Display oder dem optionalen Head-up-Display anzeigen zu lassen.

Bildergalerie: Mercedes-AMG GLA 45 (2020)