Mit zehn Zentimeter größerer Höhe nun ein normales Kompakt-SUV

Der Mercedes GLA war bisher ein Modell, das sich schwer in das Schubladensystem der Branche einordnen ließ: zu niedrig für ein SUV, zu "offroadig" für ein normales Schrägheck-Auto. Mit der neuen Generation ändert sich das: Der Wagen wächst zehn Zentimeter in die Höhe, so dass man es nun als normales Kompakt-SUV bezeichnen kann.

Der neue GLA misst nun (ohne Dachreling) 1.611 Millimeter in der Höhe, die Länge verringert sich geringfügig auf 4,41 Meter. Damit ist das Auto nach wie vor deutlich kürzer als der VW Tiguan (4,49 Meter), in der Höhe kommt er dem 1,65 Meter hohen Segmentbestseller jetzt deutlich näher.

Mit dem neuen GLA umfasst die Kompaktklasse-Familie von Mercedes nun acht Mitglieder: A-Klasse, A-Klasse Limousine, A-Klasse Limousine Langversion (für China), B-Klasse, CLA Coupé, CLA Shooting Brake, GLB und GLA. Darunter sind mit GLB und GLA gleich zwei SUVs, die sich aber laut Mercedes gut ergänzen: Der GLB ist funktionaler und geräumiger, der GLA sportlicher und "lifestyliger".

Unsere Vergleichsbilder (neues Modell in Grau, altes in Grün) zeigen außer dem Höhenunterschied die Unterschiede bei den Scheinwerfern. Der Kühlergrill ist wie bei den anderen Mercedes-SUVs mit Durchbrüchen gestaltet und trägt nur noch eine Lamelle:

Mercedes GLA 2017 vs. 2020
Mercedes GLA 2017 vs. 2020

Wie die Scheinwerfer sind auch die Leuchten am Heck nun wesentlich kleiner: 

Mercedes GLA 2017 vs. 2020
Mercedes GLA 2017 vs. 2020

Die Türen greifen über die Schweller. Das hält die Türausschnitte (und damit die Hosen) von Verschmutzung frei. Nach wie vor gibt es umlaufende "Claddings" (so nennt man die Kratzschutzleisten). Die Öffnung des Laderaums ist (wie bei der A-Klasse) breiter, was das Ein- und Ausladen erleichtert.

Mercedes GLA (2020)

Die Instrumententafel mit den großen Displays ist von der A-Klasse her bekannt. Die Bildschirm-Ausführungen sind erhältlich:

  • zwei 7,0-Zoll-Displays
  • ein 7,0- und ein 10,25-Zoll-Display
  • zwei 10,25-Zoll-Displays

Auch die Luftdüsen in Turbinenoptik werden von der A-Klasse übernommen. Serienmäßig an Bord ist das MBUX-Infotainmentsystem (Mercedes-Benz User Experience). Dazu gehören je nach Ausführung ein leistungsstarker Rechner, ein vollfarbiges Head-up-Display, Navigation mit Augmented Reality, lernfähige Software und die „Hey Mercedes“-Sprachsteuerung.

Durch die höhere Karosserie wird eine höhere Sitzposition möglich, aber Mercedes verspricht auch mehr Kopffreiheit in der ersten Reihe. Da sich der Radstand ebenfalls vergrößert (statt 2.699 nun 2.729 Millimeter wie bei der A-Klasse), fällt auch der Beinraum im Fond größer aus.

Mercedes GLA (2020)

Die Sitzposition vorne fällt höher, aufrechter und damit SUV-typischer aus als beim Vorgänger. Fahrer und Beifahrer sitzen 14 Zentimeter höher als in der A-Klasse und fünf Zentimeter höher als in der B-Klasse. Im Vergleich zum Vorgänger wurde auch die Rundumsicht verbessert – unter anderem durch schmalere Dachsäulen. Die Fondsitze lassen sich optional um 14 Zentimeter längs verschieben. Bei der Version mit verschiebbarer Rückbank ist diese im Verhältnis 40:60 teilbar. Serienmäßig lässt sich die Fondlehne im Verhältnis 40:20:40 teilen und einzeln umklappen. Viel Variabilität bietet der höhenverstellbare Ladeboden. Das Kofferraumvolumen erhöht sich geringfügig von 421 auf 435 Liter, der Maximalwert ist noch nicht bekannt.

Einen weiteren Schritt in der Sicherheit macht der neue GLA dank neuer Fahrerassistenzsysteme. Neu sind:

  • Abbiegefunktion
  • Rettungsgassenfunktion (im Stau auf Autobahnen unter 60 km/h)
  • Warnung vor Personen im Bereich von Zebrastreifen
  • Ausstiegswarnfunktion (warnt vor Radfahrern)

Erstmals kann er dem Fahrer im Stillstand vor dem Aussteigen mit einer optischen Warnung im Außenspiegel signalisieren, dass ein Fahrzeug im kritischen Bereich vorbeifährt. Betätigt der Fahrer in diesem Moment den Türgriff, ertönt zusätzlich eine akustische Warnung. Dabei muss sich der vorbeifahrende Verkehrsteilnehmer mit mehr als 2 m/s (7,2 km/h) bewegen. Die Funktion ist bei stehendem Fahrzeug und bis zu drei Minuten nach dem Ausschalten der Zündung verfügbar. 

Auch die von größeren Mercedes-Modellen bekannte Energizing-Komfortsteuerung ist verfügbar. Damit lassen sich diverse Systeme sozusagen gebündelt steuern. Statt Ambientelicht, Sitzmassage und dergleichen getrennt einzustellen, wählt man ein umfassendes "Wohlfühlprogramm".

Vom GLS bekannt ist die Waschstraßenfunktion. Wird sie aktiviert, klappen die Außenspiegel ein und die Seitenscheiben sowie das Schiebedach werden geschlossen und der Regensensor deaktiviert, der sonst die Scheibenwischer anschalten würde. Außerdem schaltet die Klimaanlage auf Umluft. Beim Ausfahren aus der Waschanlage werden diese Einstellungen zurückgenommen, sobald man schneller als 20 km/h fährt.

Das optionale Allradsystem 4Matic basiert auf einer Lamellenkupplung an der Hinterachse, das die Momente verteilt. Sie wird anders als beim Vorgänger nicht hydraulisch, sondern elektromechanisch von einem Elektromotor betätigt. Die Charakteristik der 4Matic kann über die Fahrmodus-Wahl beeinflusst werden. Im Modus Eco/Comfort gelangen normalerweise 80 Prozent der Antriebskraft an die Vorderachse, in „Sport“ sind es 70 Prozent. Im Offroadmodus lautet die Basis-Aufteilung 50:50.

Die 4Matic-Modelle verfügen nun serienmäßig über das Offroad-Technik-Paket. Dieses umfasst ein zusätzliches Fahrprogramm, eine Bergabfahrhilfe, eine Offroad-Animation im Media-Display sowie in Kombination mit den Multibeam-LED-Scheinwerfern eine spezielle Lichtfunktion fürs Gelände.

Der neue GLA greift auf die Vierzylinder aus der neuen A-Klasse zurück. Auch ein Modell mit dem Plug-in-Hybrid-Antrieb aus dem A 250 e ist in Vorbereitung. Daneben erwähnt Mercedes nur die Basismotorisierung GLA 200 und den AMG GLA 35 4Matic (gefettet). Mögliche weitere Motorisierungen aus der A-Klasse haben wir ergänzt:

  Hubraum Leistung / Drehmoment Preis
GLA 200 1.332 ccm 163 PS / 250 Nm k.A.
GLA 220 4Matic? 1.991 ccm 190 PS / 300 Nm k.A.
GLA 250? 1.991 ccm 224 PS / 350 Nm k.A.
GLA 250 4Matic? 1.991 ccm 224 PS / 350 Nm k.A.
GLA 250 e? 1.332 ccm 218 PS / 450 Nm k.A.
GLA 35 4Matic 1.991 ccm 306 PS / 400 Nm k.A.
GLA 45 4Matic? 1.991 ccm 387 PS / 480 Nm k.A.
GLA 45 S 4Matic+? 1.991 ccm 421 PS / 500 Nm k.A.
GLA 200 d? 1.950 ccm 150 PS / 320 Nm k.A.
GLA 200 d 4Matic? 1.950 ccm 150 PS / 320 Nm k.A.
GLA 220 d? 1.950 ccm 190 PS / 400 Nm k.A.
GLA 220 d 4Matic? 1.950 ccm 190 PS / 400 Nm k.A.

Der Einstieg in die Benziner-Palette ist der M 282 mit 1,33 Liter Hubraum im GLA 200. Für einen effizienten Teillastbetrieb hat dieser Motor eine Zylinderabschaltung. Das obere Ende markiert der Mercedes-AMG GLA 35 4Matic mit 306 PS.

Produziert wird der GLA in Rastatt (Deutschland), im französischen Hambach sowie für den chinesischen Markt in Peking. Marktstart ist im Frühjahr 2020. Die Preise wurden noch nicht bekannt gegeben.

Bildergalerie: Mercedes GLA (2020)