Mit 66 Exemplaren, da hat man Spaß daran. Das hat Udo Jürgens zwar nie gesungen, aber vermutlich nur, weil er den BMW/Alpina Roadster Limited Edition, kurz RLE, nicht kannte. Kein Wunder, ist dieses Fahrzeug wie eingangs erwähnt enorm selten. Umso erfreulicher, dass wir eine Ausfahrt unternehmen konnten.

Markenkenner und Autofans sehen es natürlich sofort: Das hier ist eigentlich ein BMW Z1. Der Urvater aller Z-Modelle mit wilder Optik. Gebaut zwischen 1989 und 1991 in exakt 8.000 Exemplaren. 74 davon wanderten durch die Hände von Alpina. 66 mutierten zwischen dem 5. Juli 1990 und dem 19. September 1991 zum RLE (die vollständige Schreibweise oben entspricht dem damaligen offiziellen Datenblatt), acht weitere Z1 wurden später noch nachträglich aufgebrezelt.

Bildergalerie: BMW Z1 Alpina RLE (1991) im Test

Unsere Zeitreise beginnt nicht erst auf der A 96 Richtung Allgäu, sondern schon 1985. Damals wurde die "BMW Technik GmbH" gegründet, eine Art Think-Tank für kreative Ideen. Als erste stand auf der IAA 1987 der spätere BMW Z1 als seriennahe Studie. Und sorgte für mächtig Aufsehen: 3,92 Meter kurz, eher markenuntypisch gestylt und mit versenkbaren Türen ausgestattet.

Den bauen die niemals in Serie! Taten sie aber doch. Der Werkscode E30 (Z) weist auf die technische Verwandtschaft zum 3er jener Jahre hin. Vom 325i stammte der 2,5-Liter-Reihensechszylinder mit 170 PS Leistung. Er fand seinen Platz im Z1 hinter der Vorderachse als eine Art Front-Mittelmotor. Komplett neu waren aber das verzinkte Chassis plus nichttragende Teile der Karosserie aus Kunststoff sowie Klappen/Deckel aus GFK.

Originalzitat aus dem Z1-Prospekt von 1989: "Ein innovativer Strömungskörper mit den charakteristischen Zügen der puren Leidenschaft." Eindeutig BMW Technik GmbH statt BMW Lyrik AG.

BMW Z1 Alpina RLE (1991) im Test

Apropos Technik: Die Doppelquerlenker-Hinterachse war eine Neuentwicklung, die später im E36-3er und angewandelt auch im Rover 75 zum Einsatz kam. 1.250 Kilogramm wog ein BMW Z1, sein Neupreis von 83.000 DM richtete sich an eher solvente Liebhaber. Jene, die es noch spezieller mochten, konnten sich wie immer an Alpina wenden.

Dort wurde der Motor durch Zylinderkopfbearbeitung, Mahle-Gusskolben und eine andere Nockenwelle zum "Alpina C2/6" mit 2,7 Liter Hubraum und 200 PS. Zudem rund 40 Nm mehr Drehmoment (261 Nm bei 4.900 U/min) und 7,1 statt 7,9 Sekunden auf 100 km/h. Alpina verlieh dem BMW Z1 schon äußerlich mit eleganten 20-Speichen-Rädern und dem typischen Deko-Set, den unverkennbaren Exterieurzierstreifen, noch mehr Exklusivität.

Satte 116.000 Mark kostete der RLE. Mehr als die Hälfte der produzierten Exemplare wurden nach Japan verschifft, in dem das Basismodell BMW Z1 nicht verfügbar war. 31 Exemplare wurden in Europa zugelassen, in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden.

BMW Z1 Alpina RLE (1991) im Test
BMW Z1 Alpina RLE (1991) im Test
BMW Z1 Alpina RLE (1991) im Test

Eine im doppelten Wortsinne "Blaue Mauritius" also, die mir Alpina über drei Jahrzehnte später hingestellt hat. Vom Format Briefmarke ist auch der Innenraum, in den ich mich nun hineinfädeln muss. Pressesprecher Mirko Ellenrieder scherzt, dass es mit geschlossenem Verdeck noch fieser wäre. 

Gwampasutra quasi. Und bitte sehr nicht auf den Türen respektive Schweller abstützen, erst recht nicht das Gesäss. Na gut. Also eine Hand an den Scheibenrahmen, die andere ans Seitenblech hinter der Tür. Ein Bein in den Fußraum, dann den Redakteurshintern in den Sitz abseilen. Es sieht genauso peinlich aus, wie es sich liest. Und fragen Sie bloß nicht, wie die ganze Chose beim Ausstieg funktioniert hat. Tetris trifft Limbo.

Aber wie bei einer Katze im Karton gilt "If it sits, it fits". Dennoch ist zu empfehlen, dass man a) schon länger im Besitz eines Z1 ist, b) keine Statur wie Dirk Nowitzki oder Helmut Kohl hat und c) mit dem Orthopäden nicht per Du ist. Einmal eingefädelt, sitzt man aber vorzüglich im Z1. Verzeihung, RLE. Und blickt auf ein puristisches Armaturenbrett mit gewisser E30-Note, das Momo-Sportlenkrad und viel Leder verraten die Alpina-Note. Neben dem Schalthebel verrät mir eine Plakette, dass ich mich in Nummer 66 von 66 befinde.

BMW Z1 Alpina RLE (1991) im Test

Spätestens nach den ersten Metern merke ich: Nix E30, weder M3 noch 324d, die ich beide schon fahren durfte. Das hier ist ein ganz anderes Kaliber. Eine Fahrmaschine vom Feinsten, ohne aber in körperliche Arbeit und qualitative Verzweiflung wie bei alten englischen Roadstern auszuarten.

Gewisse MX-5-Vibes machen sich in mir breit. Nur hat der RLE schlicht den wesentlich geileren Motor. Turbinenhaft-sämig dreht er hoch, irgendwo bei 6.500 Touren beginnt der rote Bereich. Durchzugsfreude am Fahren. Eigentlich möchte man die Gänge gar nicht wechseln, würde das nicht auch viel Spaß machen. Genauso wie die direkt ansprechende Lenkung samt kleinem Wendekreis.

BMW Z1 Alpina RLE (1991) im Test

Doch die fast ultimativen Sichtverhältnisse haben ihren Preis. Neben mir die Straße, weht über mir schon im Stand an diesem Tag etwas Wind. Mit herabgelassenenen Türen zieht es bereits ab Tempo 60 wie Hechtsuppe, ich muss meine Mütze gut festhalten. Bei 100 km/h tobt im RLE schließlich ein veritabler Orkan, gewissermaßen Bö-M-W. Laut wird es überdies, sodass ich glatt vergesse zu schalten.

Also im Alltag doch besser die Türen hochfahren. Und siehe da, plötzlich wird es gemütlich. Ich kann mich wieder auf das Fahren und das straff abgestimmte Fahrwerk konzentrieren, spüre manchmal bei harschen Fugen ein Knarzen im Kunststoff-Gebälk.

Was bleibt, als ich auf den Alpina-Parkplatz in Buchloe einbiege? Ein Grinsen im Gesicht. Und Bedauern, dass ich von dieser Spaßgranate Abschied nehmen muss. Einen RLE auf dem freien Markt finden? Vergessen Sie es, Stichwort Blaue Mauritius. Zum Glück ist ein "normaler" BMW Z1 nicht übertrieben teuer: Zwischen 40.000 und 50.000 Euro finden sich genügend ordentliche Exemplare.