Von wegen tot: Audi könnte seinen Fünfzylinder doch noch retten
Trotz drohender Euro-7-Vorschriften kämpft Audi darum, den Reihenfünfzylinder am Leben zu halten
Just in diesem Jahr feiert man bei Audi das 50-jährige Jubiläum des hauseigenen Fünfzylinders. Dem ikonischen Motor hat man sogar eine Ausstellung im Werksmuseum in Ingolstadt gewidmet. Eine Zeit lang sah es so aus, als würde Audis legendärer Fünfzylindermotor endgültig in die Geschichtsbücher eingehen.
Nun scheinen Audi seine Haltung noch einmal zu überdenken. Audi-Sport-Chef Rolf Michl hat erklärt, dass das Unternehmen die Zukunft des aufgeladenen 2,5-Liter-Aggregats weiterhin prüft. Damit könnte der Reihenfünfzylinder womöglich doch noch in eine weitere Generation gerettet werden.
Bildergalerie: Audi RS 3 competition limited (2026) im Test
Das ist eine bemerkenswerte Wendung, denn Audi hatte zuvor signalisiert, dass sich die Investitionen zur Anpassung des Motors an strengere Emissionsvorschriften nicht lohnen würden. "Uns ist die historische Bedeutung des Fünfzylinders sehr bewusst", sagte Michl im Gespräch mit Autocar. "Die Evaluierungen laufen noch", ergänzte er und verwies darauf, dass er durch seine Arbeit an allen drei Generationen des RS 3 auch "eine persönliche Beziehung" zu diesem Motor habe. Den Fünfzylinder bezeichnete er als "so charakteristisch" und "tief in der Geschichte verwurzelt".
Das klingt deutlich optimistischer als das, was Audi noch vor weniger als einem Jahr verlauten ließ. Im September 2025 hatten wir berichtet, dass CEO Gernot Döllner das Ende des 2.5 TFSI faktisch bereits angedeutet hatte. Technisch ließe sich der Motor zwar an Euro 7 anpassen, doch Audi wollte das Geld nicht investieren, weil sich der RS 3 nicht in ausreichenden Stückzahlen verkauft, um diesen Aufwand zu rechtfertigen.
Audi RS 3 als letzte Bastion
Damals schien das Schicksal praktisch besiegelt. TT RS und RS Q3 waren bereits eingestellt, sodass der RS 3 als einziges Audi-Modell mit Fünfzylinder übrig blieb. In Europa sollte der Motor mit Inkrafttreten der nächsten Stufe von Euro 7 im November eigentlich verschwinden. Der sündhaft teure RS 3 Competition Limited wurde von vielen Beobachtern als Abschiedsmodell interpretiert.
Etwas weniger düster wurde die Lage Anfang dieses Jahres, als Audi gegenüber Motor1 bestätigte, dass der RS 3 selbst außerhalb Europas weiter angeboten wird. Wie wir Anfang April schrieben, bleibt der 2,5-Liter-Motor für Märkte mit weniger strengen Emissionsvorgaben in Produktion, während die europäische Fertigung bis Mitte 2027 auslaufen soll. (Aus ähnlichen Gründen bekommt der neue Q9 in den USA einen V8-Benziner, Europa aber nicht.)
Nun prüft Audi Sport offenbar, ob der Fünfzylinder noch länger am Leben gehalten werden sollte. Und ehrlich gesagt wäre es schade, ihn aufzugeben. Das Problem ist, wie so oft, das Geld. Die Einhaltung von Euro 7 ist technisch nicht unmöglich. Das hat Audi bereits selbst eingeräumt. Doch einen Motor zu aktualisieren, der nur in wenigen Modellen mit vergleichsweise geringen Stückzahlen zum Einsatz kommt, bedeutet hohe Kosten bei begrenztem Ertrag.
Mehr Modelle könnten die Kosten rechtfertigen
Eine Hybridisierung wäre zwar möglich, würde aber zusätzliche Kosten und mehr Gewicht mit sich bringen. Deshalb könnte das Produktionsvolumen der entscheidende Faktor sein. Wir hatten bereits über Volkswagens unbestätigten Wunsch berichtet, den Fünfzylinder im Golf R einzusetzen. Ein Vorhaben, das Audi Berichten zufolge schon 2020 blockierte.
Der Legende nach wollte Wolfsburg damals den 2.5 TFSI in den stärksten Golf packen, doch Ingolstadt soll kein Interesse daran gehabt haben, seinen Prestige-Motor zu teilen. Ironischerweise fand der Reihenfünfzylinder dann doch den Weg in den Cupra Formentor VZ5. Erstaunlich, wie schnell sich die Dinge ändern können. Aktuell wird über einen Terramar VZ5 gemunkelt.
Audi RS 3 Limousine (2026)
Natürlich bedeutet all das nicht, dass der RS 3 mit fünf Zylindern gesichert ist. Michl betonte, dass die Gespräche noch laufen und Audi bislang keine Entscheidung getroffen hat. Am Ende könnte das Unternehmen dennoch zu dem Schluss kommen, dass sich das Ganze wirtschaftlich nicht rechnet, insbesondere in Europa. Trotzdem ist das ein deutlich ermutigenderes Update als noch im vergangenen Jahr.
Zudem halten sich Gerüchte, wonach der Fünfzylinder im kommenden Jahr doch noch im Golf R landen könnte, passend zum 25-jährigen Jubiläum der Marke R im Jahr 2027. Vorerst bleibt das jedoch reine Spekulation. Klar ist nur: Wenn Audi den Fortbestand des Motors rechtfertigen will, würde ein Einsatz in weiteren Modellen helfen, die Entwicklungskosten besser zu verteilen. Der Concept C gehört allerdings nicht dazu, denn der offene Sportwagen mit Targa-Dach wird ausschließlich als Elektroauto erhältlich sein.
Audi hat über Jahrzehnte daran gearbeitet, den Fünfzylinder zu einem seiner charakteristischsten Motoren zu machen. Es wäre durchaus ironisch, wenn ausgerechnet nach Downsizing, Elektrifizierung und immer strengeren Abgasvorschriften am Ende eine Tabellenkalkulation zum größten Gegner des Motors würde.
Vorerst ist der Fünfzylinder also doch noch nicht tot. Möglicherweise wartet er einfach darauf, dass Audi entscheidet, wie wichtig seine Rettung wirklich ist. Da der Volkswagen-Konzern derzeit versucht, sein Teileportfolio radikal zu verschlanken und die Kosten deutlich zu senken, könnte der 2.5 TFSI angesichts der geringen Stückzahlen als zu exotisch gelten. Dennoch bleibt die Hoffnung, dass sich Ingenieure und Controller in Ingolstadt am Ende auf einen gemeinsamen Weg einigen.
Quelle: Autocar
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