Audi A3 (1997) im Fahrbericht: Die Leichtigkeit der 90er
Wir bewegen den 1.8 mit 125 PS und suchen den Fortschritt der letzten 30 Jahre
Update vom 13. August 2026: Kürzlich konnten wir die Gelegenheit nutzen, einen frühen Audi A3 selbst zu fahren. Genauer gesagt, ein Schmuckstück aus der Sammlung der Audi Tradition. Baujahr 1997, lackiert in Alusilber-Metallic (Y7M), drei Türen, 4,15 Meter lang. Und top in Schuss, da nur 46.000 Kilometer auf der Uhr.
Das Außendesign erinnert vorne an den ersten Audi A4, hinten interessanterweise an den VW Golf III. Aber der A3 nutzte den Vierer-Golf als Grundlage und erschien ein Jahr vor diesem. Als ehemaliger Besitzer eines VW Golf IV fallen mir sofort einige gleiche oder sehr ähnliche Teile auf. Etwa die unterschiedlichen geformten Außenspiegel, die Anordnung der Instrumente, der solide Türöffner aus Metall. Ebenso Lenkstockhebel und Schalter. Dafür scheint Softlack, der im Alter unschön abblättert, hier kaum zum Einsatz gekommen zu sein.
Bildergalerie: Audi A3 1.8 (1997) im Fahrbericht
Die Ausstattung unseres A3-Probanden ist nobel, an Bord sind Ledersitze und eine Klimaautomatik. Aber noch kein Bildschirm oder Touchscreen. Zum Glück. Und ich denke mir: Das klappte doch auch gut. Heute würde ich mir mein Smartphone an die A3-Scheibe klemmen und fertig. Der 8L, so der interne Code der ersten A3-Generation, fällt zudem in eine ingeniöse Zeit bei Audi. Man denke nur an den A2 oder TT. Im A3 gibt es durchdachte Details wie ein Aufroller für die Schnüre der Hutablage oder ein ausklappbares Ablagefach in der Tür.
Leichtgewicht mit Fünfventiler
Unter der Haube steckt bewährte Ware aus dem VW-Konzern, nämlich der Saugbenziner mit 1.781 Kubikzentimeter Hubraum und 125 PS Leistung. Das ist auch heute noch völlig ausreichend, denn unser Wagen wiegt leer nur 1.140 Kilogramm. So fehlt es einem auch 30 Jahre später eigentlich an nichts. Der Motor gibt sich elastisch mit gutem Durchzug, wenngleich ohne besondere klangliche Qualitäten. Ab ungefähr 2.500 U/min geht es gut vorwärts, offiziell liegen die maximalen 170 Nm bei 4.200 Touren an.
Zugegeben, die Lenkung könnte besser rückmelden und auch das Fünfgang-Schaltgetriebe ist kein Meisterwerk an Präzision. Trotzdem kommt mir der Gedanke an einen "A4 SWB", also A4 mit kurzem Radstand in den Sinn. In der Tat ist der A3 hier gut zehn Zentimeter kürzer, in der Gesamtlänge rund 30 Zentimeter. Grundpreis des 20-Ventilers seinerzeit übrigens: 35.500 DM.
Die Leichtigkeit der 1990er-Jahre, hier zeigt sie sich in mehrfacher Hinsicht. Man stellt sich unwillkürlich die ketzerische Frage: Wo ist eigentlich in den letzten 30 Jahren der Fortschritt geblieben? Vielleicht sollte man sich so langsam einen guten frühen A3 als Alltags-Klassiker besorgen. Und aus purer Provokation ein H-Kennzeichen beantragen, obwohl es finanziell keinen Vorteil bringt. Hier unser ursprünglicher Artikel vom 12. Juli 2026 mit der gesamten Modellgeschichte des ersten A3:
Erinnern Sie sich noch an das Jahr 1996? Damals wird Deutschland zum bislang letzten Mal Fußball-Europameister, der Rapper Tupac Shakur stirbt und die Kult-Gruppe Take That löst sich auf. In diesem Herbst sorgt Audi auf dem Pariser Autosalon für Aufsehen. Im Rampenlicht der Messe steht ein neues Fahrzeug für die Kompaktklasse, der Audi A3.
Der erste Audi A3 gehört auch 30 Jahre später jenen Modellen, die noch in großer Zahl auf unseren Straßen unterwegs sind? Es handelt sich um Typen, die jeder Verkehrsteilnehmer kennt und die bereits deutlich mehr als zwanzig Jahre auf dem Buckel haben, manchmal allerdings auch etwas weniger. Werden solche Alltagsautos irgendwann einmal zu echten Oldtimern? Diese Fragestellung birgt Zündstoff für Diskussionen unter Enthusiasten.
Bildergalerie: Audi A3 (1996-2003)
Mit einer Gesamtlänge von exakt 4,15 Metern ist der intern als Baureihe 8L bezeichnete Ur-A3 ungefähr so lang wie ein Audi 80 aus dem Jahr 1972 oder der letzte Audi A1. Dies zeigt, wie sich die vertrauten Maßstäbe für das Kompaktsegment im Laufe der Jahrzehnte verschieben. Als technische Basis dient die Konzernplattform PQ34 aus dem Volkswagen-Verbund, auf welcher unter anderem auch der VW Golf der vierten Generation und der erste Skoda Octavia aufbaut.
Der Wolfsburger Verwandte debütiert allerdings erst ein volles Jahr nach dem Ingolstädter Premium-Bruder, was zugleich die Ursache dafür darstellt, dass eine fünftürige Variante des A3 erst im Frühjahr des Jahres 1999 auf den Markt kommt. Die treibenden Köpfe hinter diesem Projekt sind der damalige Volkswagen-Konzernchef Ferdinand Piëch und sein Technikvorstand Martin Winterkorn.
Trend zum kleineren Format
Beide Manager erkennen die Zeichen der Zeit, da in den neunziger Jahren viele Kunden zu noblen Kompaktwagen drängen, sei es nun als gesellschaftlicher Aufstieg oder als Verkleinerung des eigenen Fuhrparks. Die Konkurrenz aus München schickt bereits im Jahr 1994 den ersten BMW 3er Compact ins Rennen, während parallel dazu die Mercedes A-Klasse am Horizont auftaucht, welche schließlich im Jahr 1997 ihre Premiere feiert.
Audi A3 (1996-2003)
In dieses sich wandelnde Marktumfeld passt der Audi A3 gut hinein, zumal der erste eigenständige Audi A4 im Vergleich zum alten Audi 80 an Dimensionen zulegt. In der Anfangsphase steht der A3 wie erwähnt ausschließlich als dreitürige Schrägheck-Limousine bei den Händlern bereit, aufgeteilt in drei unterschiedliche Ausstattungslinien und bestückt mit vier verschiedenen Benzin- sowie Dieselmotoren.
Um eine klare Abgrenzung zum günstigeren Golf zu wahren, verzichtet Audi auf ein Basisaggregat mit lediglich 75 PS. Die Motorenpalette startet beim Ingolstädter stattdessen mit 101 PS aus einem Hubraum von 1,6 Metern. Darüber rangieren Ottomotoren mit 125 PS sowie die Versionen mit 150 und 180 PS, welche über eine Turboaufladung verfügen. Für die Freunde des Selbstzünders stehen Triebwerke in einem Leistungsbereich zwischen 90 und 130 PS zur Verfügung, während bei den Getrieben die Wahl zwischen einer Viergang-Automatik und der Fünfgang-Tiptronic besteht.
Audi A3 (1996-2003)
Zusätzliche Türen nach fast drei Jahren
Ab März des Jahres 1999 ergänzt die fünftürige Version das Angebot. Im selben Jahr führt Audi im Modell mit dem 1,8-Liter-Turbomotor und 150 PS den quattro-Allradantrieb ein, womit die Marke ein neues Element im Premium-Kompaktsegment etabliert. Einen Meilenstein setzt der Hersteller ebenfalls im Frühjahr des Jahres 1999 mit der Vorstellung der ersten Generation des sportlichen Audi S3. Dessen Reihenvierzylinder-Motor schöpft aus 1,8 Litern Hubraum dank Abgasturbolader und Fünfventil-Technik eine Leistung von 210 PS.
Audi S3 (1999)
Im Herbst des Jahres 2000 profitiert die Modellreihe von einer Modellpflege, die optisch jedoch moderat ausfällt. Die Techniker modifizieren unter anderem die Scheinwerfer, das Interieur sowie die Heckleuchten, wodurch der Wagen optisch näher an den zeitgleich erscheinenden Audi A4 der Generation B6 rückt. Doppelscheinwerfer hinter klarem Glas lassen den A3 hochwertiger wirken, zudem steht ab diesem Zeitpunkt erstmals Xenonlicht auf der Aufpreisliste. Damit bezwecken die Verantwortlichen auch eine stärkere optische Distanzierung zum VW Golf IV, der qualitativ auf Augenhöhe agiert.
Audi A3 (ab 2000)
Verlängerung in Brasilien
Im Jahr 2003 endet die Fertigung der ersten Generation des Audi A3 in Europa, wohingegen die Bänder in Brasilien noch bis zum Jahr 2006 weiterlaufen. Trotz der Konkurrenz aus dem eigenen Mutterkonzern und von anderen Premium-Marken erweist sich die Baureihe 8L als ein Erfolg für das Unternehmen, denn rund 913.000 gebaute Exemplare untermauern die Marktposition.
In der heutigen Zeit ist dieser frühe A3 auf dem Gebrauchtwagenmarkt für kleines Geld zu bekommen, allerdings zeigt er sich nicht immer völlig frei von Rost an den typischen Stellen. Auch im Innenraum sorgt der Zahn der Zeit dafür, dass das Ambiente nicht mehr ganz so gut wie am ersten Tag wirkt.
Rein formal betrachtet wirkt die Karosserie der Baureihe 8L jedoch bis heute beinahe vollkommen zeitlos. Wie auch der A2, der erste moderne A6 oder der bereits erwähnte A4 der Generation B6 zeigen, besitzt das Designteam von Audi in jener Epoche eine glückliche Hand für unvergängliche Formen.
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