Geht es Ihnen auch so? Das Auto auf dem Foto dort oben ist doch niemals 30 Jahre alt. Zu häufig sieht man es immer noch im Straßenverkehr herumfahren. Doch die Zeit ist unwiederbringlich, wie bereits der römische Dichter Vergil feststellte. Und es ist Fakt: Die erste Generation des Audi A4 kam tatsächlich 1994 auf den Markt.

Da überlegt der Autor dieser Zeilen, was er eigentlich anno 1994 gemacht hat. Nun, es geht mehr schlecht als recht in Richtung Abitur. Mehr schlecht als recht ist auch die deutsche Mannschaft bei der Fussball-WM 1994 unterwegs: Aus im Viertelfinale gegen sträflich unterschätzte Bulgaren. Nicht so toll für uns junge Menschen: Helmut Kohl wird nochmals zum Bundeskanzler gewählt. In Italien siegt Silvio Berlusconi mit seiner Forza Italia.

Bildergalerie: Audi A4 (1994-2001) im Fahrbericht

Ruanda mutiert zum Schlachthaus, in Bosnien tobt der Krieg, Nelson Mandela wird Präsident Südafrikas, Schindlers Liste räumt bei den Oscars ab. Im Radio dominieren Eurodance und Ace of Base. Und ein gewisser Michael Schumacher gewinnt als erster Deutscher die Formel-1-Weltmeisterschaft. Ein Liter Super kostet 1994 in Deutschland rund 1,56 DM, ein saftiger Anstieg von 17 Pfennig im Vergleich zum Vorjahr.

Optik der Luxusklasse

Zurück zum damals neuen Audi A4. Er trifft auf frische Konkurrenz wie den Citroën Xantia, den Ford Mondeo, den Alfa Romeo 155 oder die Mercedes C-Klasse. Nicht wenige Journalisten fühlen sich optisch stark an den Audi A8 erinnert. Das Flaggschiff der Marke startet ebenfalls 1994.

Sowohl die Frontpartie als auch die Fensterlinie ähnelt wohl nicht unabsichtlich dem großen Bruder. Der A4 ist 4,48 Meter lang, 1,73 Meter breit und 1,41 Meter hoch. Und somit einen halben Meter kürzer als der A8. Aus Aluminium ist die Karosserie des A4 zwar nicht, dafür vollverzinkt. Audi gibt zehn Jahre Garantie auf Durchrostung.

Audi A4 (1994) im Fahrbericht
Audi A4 (1994) im Fahrbericht
Audi A4 (1994) im Fahrbericht

Die Tester des deutschen ADAC erkennen schnell, dass der A4 mit den gleichen Tugenden wie der A8 in Richtung BMW und Mercedes zielt: "Beim Thema Solidität sollte sich die Konkurrenz künftig an Ingolstadt ein Beispiel nehmen und nicht umgekehrt." Unser Fotoauto hat erst 1.900 Kilometer auf dem Tacho, ist also fast ein Neuwagen. Kein Wunder, dass man sich bald fragt, was hier eigentlich 30 Jahre alt sein soll.

Schon äußerlich ist der erste Audi A4 noch immer modern. Nicht ohne Grund gibt es in gut sieben Jahren Bauzeit des B5, wie er intern heißt, kein größeres Facelift. 1996 verschwinden die gelben Blinker aus den Rückleuchten, 1999 folgt eine Modellpflege. Innen ist alles solide verarbeitet, die Bedienung erfolgt fast intuitiv. Besonders erfrischend ist die Abwesenheit von großen Displays und bimmelnden Warnsystemen. Einsteigen, anschnallen, losfahren.

Audi A4 (1994) im Fahrbericht

Die Kollegen aus dem Konzern

Der A4 von 1994 basiert auf der damals neuen B5-Plattform (PL45). Diese wird später ebenfalls Grundlage für den VW Passat B5 (Typ 3B), Audi A6 C5 sowie Skoda Superb I. Passat und insbesondere Superb bieten aufgrund eines anderen Aufbaus deutlich mehr Platz im Fond als der Audi A4. Die Motoren, Getriebe und Antrieb des Passat sowie Superb entsprechen jedoch dem A4 B5. Der Motor des Passat und Superb ist ebenfalls längs – wie der des A4 – eingebaut. Das Audi-Allradsystem quattro wurde im Passat übernommen.

Zurück zum Audi, den wir als Limousine bewegen, der Avant genannte Kombi erscheint Anfang 1996. Sofort fällt die hervorragende Sicht nach draußen auf, große Fenster machen es möglich. Im Fond ist das Platzangebot nur mäßig, das bemängelt die Presse bereits in den 1990er-Jahren. Unter der Haube steckt Turbo-Technik, unser Auto ist ein 1.8 T Quattro mit 150 PS, damaliger Neupreis 50.400 DM ohne Extras. 

Zeitloser Turbo

Ungleich beliebter sind die sparsamen, aber nur bedingt laufruhigen TDI-Diesel. Der 1.8 T soll eine sportliche Klientel ansprechen: 8,3 Sekunden auf 100 km/h, dazu 222 km/h Spitze. Da kann nur der 2,8-Liter-Sechszylinder im A4 mithalten, dessen kleinerer 2,6er-Bruder ist langsamer.

Audi A4 (1994) im Fahrbericht

Was fällt bei der Fahrt auf? Die Fünfgang-Schaltung lässt sich knackig dirigieren. Der A4 ist zwar straff gefedert, bietet aber immer noch genug Restkomfort. Insgesamt geht es flott vorwärts. Der Klang kann natürlich nicht mit den legendären Fünfzylindern von Audi mithalten, vermittelt aber eine nicht uncharmante Note.

Ein perfektes Langzeitauto, der Audi A4 B5. Mit dem man sich vorstellen kann, noch einmal 30 Jahre zu fahren. Die Gelegenheit ist derzeit im wahrsten Wortsinne günstig. Aufgrund der immer noch frischen Form hat fast niemand den ersten A4 als Oldtimer auf dem Schirm. Besonders billige Schnäppchen aus pflegender Rentner-Hand bieten die braven Saugbenziner 1.6 (101 PS) und 1.8 (125 PS) als Limousine.