Welche Autobauer verlieren (und wie viel) durch die US-Strafzölle?
Der wesentliche Punkt ist, woher die Komponenten der Autos stammen
Ab dem 3. April 2025 werden die USA einen Strafzoll von 25 Prozent auf alle aus dem Ausland importierten Autos und Komponenten erheben. Ein Schock für die gesamte globale Automobilindustrie, der Margen, Strategien und Geschäftsmodelle in Frage stellt.
Die globale Automobilindustrie erlebt derzeit einen Paradigmenwechsel. Die Einführung eines 25-prozentigen Zolls ist eine der schärfsten protektionistischen Maßnahmen, die es je in der Automobilindustrie gab, und sie ist dazu bestimmt, zu bleiben: Sie hat kein Verfallsdatum, keine Übergangsphase.
Nach Angaben von Bernstein Research werden die Auswirkungen enorm sein: 110 Milliarden Dollar pro Jahr an zusätzlichen Kosten oder etwa 6.700 Dollar mehr pro verkauftem Fahrzeug.
- Wer am meisten verliert: die Rangliste der am meisten gefährdeten Hersteller
- Gefährdete europäische Konzerne
- Wer könnte die Auswirkungen der Zölle am besten verkraften
- Das Ende des globalen Autos (ab 2026)
- Es kommt darauf an, woher die Teile für die Herstellung des Autos kommen
Wer am meisten verliert: die Rangliste der am stärksten gefährdeten Hersteller
Für viele Automobilhersteller werden die 25-prozentigen Zölle auf Auto- und Komponentenimporte zu sinkenden Gewinnspannen, Produktions- oder Sortimentskürzungen, Entlassungen und einem rasanten Wettlauf um die Verlagerung der Produktion in die USA führen. Auf der Grundlage von Studien von Bernstein Research sind die folgenden Automobilkonzerne am stärksten von Trumps neuen Zöllen bedroht:
Volvo und Polestar
Die schwedischen Marken sind mit am stärksten betroffen. Volvo importiert fast alle seine Modelle aus Europa oder China in die USA, wobei die Gewinnspannen bereits unter Druck stehen. Polestar, das in China produziert und über eine globale Lieferkette verfügt, ist noch stärker betroffen.
In Charleston nahm Volvo aber im Herbst 2018 mit der Produktion des S60 auf, die auf der skalierbaren Produkt-Architektur (SPA) von Volvo basiert, seine Arbeit auf. Ab 2021 sollte in dem Werk dann auch die nächste Generation des Premium-SUV Volvo XC90 vom Band laufen. Die Fahrzeuge aus Charleston sind sowohl für den US-Markt als auch für den internationalen Export bestimmt.
Hyundai und Kia
Die koreanischen Unternehmen Hyundai und Kia haben eine Produktionsbasis in Nordamerika, aber die meisten Komponenten kommen immer noch aus Asien. Ihre Spitzenmodelle sind in preissensiblen Segmenten angesiedelt, in denen es nicht einfach ist, die Kosten an die Kunden weiterzugeben.
Ford und General Motors
Obwohl es sich um amerikanische Marken handelt, sind Ford und General Motors nicht ungeschoren davongekommen. Sie stellen viele Fahrzeuge in den USA her, allerdings mit globalen Lieferketten. Komponenten aus Mexiko, Kanada und Asien werden von den Zöllen betroffen sein. Mit dem Ford Maverick könnte zudem ein in den USA beliebtes Model betroffen sein, wenn Trump Strafzölle gegen Mexiko einführt, da dieser in Mexiko gebaut wird.
Elektro-Start-ups wie Rivian, Lucid und Polestar
Internationale Lieferketten, geringe Stückzahlen und wenig Möglichkeiten, den Schock aufzufangen. Für viele neu gegründete Elektrounternehmen wie Rivian und Lucid besteht das Risiko, dass sie ihre Aktivitäten auf dem US-Markt drastisch reduzieren müssen. Gleiches gilt für Ineos.
Der Volvo EX30 wird in China hergestellt
Der Kia EV9 wird ebenfalls in den USA gebaut, allerdings mit asiatischen Komponenten
Europäische Konzerne in Gefahr
Für Europa und insbesondere für deutsche Konzerne stellen die neuen US-Zölle eine systemische Bedrohung dar. Das auf Produktionseffizienz und Export basierende Industriemodell wird in Frage gestellt. Das bedeutet, dass das historische Konzept der Produktion in Europa für den weltweiten Export in Gefahr ist und der Autoindustrie "Made in Europe" nur wenige Alternativen bleiben.
Darunter die Verlagerung der Produktion auf Kosten großer Investitionen, die Aufgabe eines Teils des US-Marktes oder die Verringerung der Gewinnspannen. Hier sind die am meisten gefährdeten Unternehmen.
Volkswagen
Volkswagen produziert SUVs in Mexiko und einige Modelle in den USA, etwa in Tennessee. Man ist aber weiterhin stark an europäische und asiatische Komponenten gebunden. Es besteht die Gefahr, dass sich die Gewinnspannen erheblich verringern. Positiv könnte die neue Marke Scout wirken, deren E-Modelle in den USA produziert werden.
Audi
Auch für Audi gilt Ähnliches wie für VW. Jedoch kommt hier verschärfend hinzu, dass man kein eigenes Werk in den USA hat. In San José Chiapa (Mexiko) läuft der Q5 für globale Märkte vom Band.
BMW
Mit seinem Werk in Spartanburg (South Carolina) ist BMW der größte Exporteur von Autos aus den USA. Viele Komponenten kommen jedoch aus Deutschland, und importierte Modelle (wie die 3er-Reihe oder Elektroautos) werden weniger rentabel.
Mercedes-Benz
Mercedes-Benz importiert viele Premium-Modelle aus Europa. Die Abhängigkeit von ausländischen Zulieferungen birgt das Risiko von Margenkürzungen oder Umstrukturierungen auf dem US-Markt. Das Mercedes-Benz Werk Tuscaloosa wurde 1995 gegründet und war das erste große Mercedes-Benz Werk außerhalb Deutschlands. Rund zwei Drittel der Jahresproduktion gehen in den Export – damit ist die dort ansässige Mercedes-Benz U.S. International (MBUSI) einer der größten Automobilexporteure der USA. Seit 1997 sind rund vier Millionen Fahrzeuge im Werk in Tuscaloosa vom Band gerollt.
Das Werk ist der traditionelle Standort der SUV-Fertigung mit den aktuellen Baureihen GLE, GLE Coupé sowie dem GLS und dem GLS Maybach. Doch auch hier gilt: Viele Komponenten stammen nicht aus den USA. Seit 2022 werden hier ebenfalls die beiden vollelektrischen Modelle EQS SUV und EQE SUV gefertigt und seit 2023 auch der neue Mercedes-Maybach EQS SUV. Die Batterien für die EQ-Modelle werden in der Batteriefabrik im nahe gelegenen Bibb County gefertigt.
Renault
Renault ist relativ geschützt, da es keine direkte Präsenz in den USA hat. Allerdings könnte das Gleichgewicht der Allianz mit Nissan beeinträchtigt werden.
Der Volkswagen ID.4 wird auch in den USA produziert, allerdings mit deutschen Teilen
Die Mercedes E-Klasse kommt direkt aus Deutschland in die USA
Wer könnte die Auswirkungen der Zölle am besten verkraften?
Zu den widerstandsfähigeren Automobilkonzernen, das heißt denjenigen, die über eine besser auf die Anpassung an Trumps Zölle vorbereitete Industrie und eine entsprechende Politik verfügen, gehören unter anderem:
Tesla
Der große Gewinner des neuen Szenarios. Tesla produziert fast alle Fahrzeuge für den US-Markt samt deren Komponenten im eigenen Haus, mit über 60 Prozent lokalem Anteil. Keine Zölle, keine Auswirkungen auf die Gewinnspannen. Damit könnte man sogar Marktanteile gewinnen. Allerdings steht die polarisierende Person Elon Musk diesem als potentieller Nachteil entgegen.
Stellantis
Stellantis hält sich gut, dank der Produktion von Jeep und Ram und eines guten Anteils an Inhalten auf der Grundlage des USMCA-Abkommens. Das Unternehmen verfügt bereits über eine flexible Struktur, die auf den nordamerikanischen Markt zugeschnitten ist. Seine Widerstandsfähigkeit ist eine der höchsten unter den großen globalen Konzernen.
Tesla Giga Texas (Tesla Gigafactory 5)
| Hersteller | Risikomargen (EBIT) | % Importierte Komponenten | US-Produktion | Anfälligkeit für Zölle |
| Volvo | bis zu -30 | Sehr hoch (China, EU) | Teilweise (Charleston) | Sehr hoch |
| Polestar | Extrem | Fast vollständig | Keine | Höchste |
| Hyundai/Kia | Hoch | Hoch (Asien) | Begrenzt | Hoch |
| Ford | Bis zu -30 | Mittel-Hoch (Mexiko) | Groß |
Mittel-hoch |
| GM | bis zu -30 | Mittel-hoch (Asien, Mexiko) | Weit |
Mittel |
| Volkswagen | Hoch | Hoch | Teilweise (Mexiko) |
Hoch |
| BMW | Mittel | EU-Komponenten, importierte Modelle | Gut (Spartanburg) |
Mittel-hoch |
| Mercedes-Benz | Hoch | Hoch (Deutschland) | Teilweise |
Hoch |
| Rivian/Lucid | Extrem | Importlastig, EV stirbt | Begrenzt |
Maximal |
| Tesla | Keine | Lokaler Anteil >60% | Insgesamt |
Minimum |
| Stellantis | Niedrig | Optimiert USMCA | Hoch (Mexiko, USA) |
Kontrolliert |
Das Ende des globalen Autos (ab 2026)
Die neuen US-Zölle sind keine bloße Klammer, sondern ein starkes und dauerhaftes Signal: Die Globalisierung des Automobils weicht einer Welt der kurzen Lieferketten, der nationalen Interessen und der lokalen Produktion.
Während 2025 ein Übergangsjahr sein wird, werden sich die wirklichen Auswirkungen von Trumps Zöllen erst 2026 zeigen. Diejenigen, die sich nicht anpassen, werden an Boden, Gewinn und Bedeutung verlieren. Für die europäischen Hersteller ist es an der Zeit, sich zu entscheiden: ändern oder aussteigen.
Das globalisierte Industriemodell, bei dem Komponenten aus der ganzen Welt in verschiedenen Fabriken zusammengebaut werden, scheint also zum Verschwinden verurteilt zu sein, da Trump immer mehr Produkte im Inland produzieren lassen will, um die lokale Industrie zu schützen.
Das Wichtigste ist, woher die Teile für die Herstellung des Autos kommen
Eine der (nur scheinbaren) Überraschungen des neuen Szenarios ist, dass viele Autos "Made in USA" weiterhin von den Zöllen betroffen sein werden. Wie ist das möglich? Der Grund ist einfach: Die eigentliche Schwachstelle liegt in den Bauteilen, nicht in der Montage.
Die Lieferketten der Autoindustrie sind stark globalisiert. Selbst wenn ein Auto in den USA zusammengebaut wird, können mehr als 50 % der Komponenten aus Mexiko, Europa, Korea oder China stammen. Motoren, Getriebe, Batterien, Elektronik: Alles reist zwischen den Kontinenten hin und her, bevor es in den USA am Fließband landet.
Der neue Zollsatz von 25 % betrifft genau das: Importierte Bauteile, selbst wenn sie für die Montage von Fahrzeugen in den USA verwendet werden. Um dies zu vermeiden, ist ein detaillierter Nachweis - Modell für Modell - über den lokalen Anteil erforderlich. Und wenn die Zollbehörden nicht zufrieden sind, kann das gesamte Fahrzeug rückwirkend besteuert werden.
Das BMW-Werk in Spartanburg, South Carolina (USA)
Ein konkretes Beispiel? Ein in den USA gebauter Ford-Geländewagen mit mexikanischem Motor und koreanischen Steuergeräten wird so besteuert, als wäre er vollständig importiert worden, es sei denn, das Unternehmen kann die Herkunft jedes einzelnen Teils nachweisen.
Das Ergebnis ist eindeutig: Es reicht nicht aus, eine Fabrik in den USA zu haben. Man braucht eine ganze lokale Lieferkette. Aus diesem Grund sind selbst amerikanische Konzerne wie GM und Ford oder europäische Konzerne mit Werken in Nordamerika einem Margenrisiko ausgesetzt. Und deshalb ist Tesla, das seine Lieferkette um die US-Gigafactory herum aufgebaut hat, jetzt am besten geschützt.
Quelle: Bernstein Research
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