Wie die IG Metall bei VW das 20.000-Euro-Elektroauto verhindert hat (Update)
Der Konzern wollte beim neuen Elektro-Twingo von Renault mitmachen. Jetzt macht das wohl Nissan
Update vom 31. Oktober 2024: Statt VW könnte Nissan beim kommenden Renault Twingo mit ins Boot kommen. das vermeldet die Elektro-Konzernsparte Ampere. dort heißt es: "Das Fahrzeug soll 2026 eingeführt werden – in unter zwei Jahren entwickelt und zu einem Verkaufspreis von unter 20.000 Euro.
Nach einer ersten erfolgreichen technischen Zusammenarbeit beim kommenden Kompakt-EV hat Nissan Ampere um Unterstützung bei der Entwicklung seines nächsten A-Segment-Elektroautos gebeten. Dieses Fahrzeug würde von neu eingeführten bahnbrechenden Prozessen, der Kostensenkungsstrategie von Ampere und der verkürzten Entwicklungszeit profitieren."
Vor der heutigen Tarifrunde von Volkswagen und der IG Metall gibt es neue Geschäftszahlen aus dem 3. Quartal 2024. Der Gewinn ist massiv eingebrochen. Während der Umsatz von VW mit 78,5 Milliarden Euro fast unverändert ist, brach der Gewinn massiv ein. Nach Steuern lag der Gewinn nur noch bei 1,58 Milliarden Euro. Das sind 63,7 Prozent weniger. Die operative Rendite verschlechterte sich von 6,2 auf 3,6 Prozent. Auf das ganze Jahr gesehen sind es sogar nur noch etwa 2 Prozent.
VW befindet sich also in der Krise. Die Gründe dafür sind mannigfaltig: Verschleppte Investitionen, teils schlechte Qualität der Fahrzeuge, Fehleinschätzungen des Marktes, das Wegbrechen des chinesischen Marktes. Aber auch eine zu teure Fertigung in den deutschen Werken dank üppiger Tarifverträge, die von der IG Metall ausgehandelt wurden.
Bildergalerie: Volkswagen ID.2all (2023)
Von dort kommt auch oft die Kritik, es fehle bei VW an bezahlbaren Elektroautos. Aus einer Pressemitteilung des IG Metall Bezirks Niedersachsen und Sachsen-Anhalt vom 21. Mai 2024: "Förderliche und planbare Rahmenbedingungen müssen dazu führen, dass die Elektromobilität attraktiver für die Durchschnittsverdienenden im Land wird."
Doch es stellt sich heraus: Die IG Metall ist selbst der Bremsklotz bei bezahlbarer Elektromobilität. So sagte VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo in einem IG-Metall-Extrablatt vom September 2024: "Für ein Herzstück unserer Elektro-Strategie, den künftigen VW-Kleinstwagen, wollte man sich dem Wettbewerb an den Hals werfen und ihn bei Dacia bauen lassen."
Bildergalerie: Renault Twingo E-Tech Electric Prototype
Was sie verhindert hat, ist eine Beteiligung von Volkswagen beim elektrischen Renault Twingo E-Tech, der ab 2026 für rund 20.000 Euro auf den Markt kommen soll. Derzeit sind die einzigen Elektroautos, die unter 20.000 Euro angeboten werden, der Dacia Spring und der Leapmotor T03, die beide aus China stammen. Der T03 wird aber im CKD-Verfahren in Polen montiert.
Oberhalb dieser Preisschwelle liegen dagegen die Vertreter der europäischen "neuen Elektro-Welle" wie der elektrische Fiat Grande Panda und der Citroën e-C3, die für 24.900 bzw. 23.900 Euro verkauft werden. Ein ID.3 kommt nur dank VW-eigener Prämie ganz knapp unter 30.000 Euro.
Die wichtigste Punkt für die günstige Fertigung des neuen Twingo ist die Verkürzung der Produktionszeit, was sich in niedrigeren Kosten für das Unternehmen niederschlagen wird. Wenn heute ein Renault Clio in etwa 14 Stunden zusammengebaut wird und der neue Renault 5 knapp 10 Stunden benötigt, wird der elektrische Renault Twingo "viel weniger als 10 Stunden" benötigen, wie CTO Gilles Le Borgne gegenüber Automotive News Europe erklärte.
Und nicht zuletzt die Tatsache, dass der Neo-Twingo in Slowenien gebaut wird, was die IG Metall wohl zu ihrer Verhinderungsstrategie veranlasste. Allerdings sollte sich Frau Cavallo besser informieren: Novo Mesto ist ein jahrzehntealtes Renault-Werk, früher lief dort auch der Smart Forfour vom Band. Autos von Dacia hingegen nie. Allerdings könnte ein potenzieller Spring-Nachfolger auf dem Twingo basieren, um mangels VW so auf Skaleneffekte zu kommen.
2025 will VW den ID.2 für rund 25.000 Euro Basispreis vorstellen. Oben sehen sie Bilder der Studie ID.2all von 2023. Er wird mit seinen Brüdern Cupra Raval und Skoda Epiq im früheren Polo-Werk in Pamplona gebaut. Der Polo wiederum kommt jetzt aus Südafrika. Was sagt Frau Cavallo eigentlich zu diesen Fakten?
Quelle: IG Metall bei Volkswagen
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