Er ist quasi der Labrador Retriever unter den Autos: Stets beliebt und oft unter den Top 3 in Deutschland und Europa. Die Rede ist vom VW Tiguan, von dem seit 2007 mehr als 7,6 Millionen Exemplare verkauft wurden. Große Fußstapfen also für die Neuauflage, die nun auf den Markt kommt. Kann die dritte Generation die Erwartungen erfüllen?

Was ist das?

Da sich der VW Tiguan wie geschnitten Brot verkauft (über 58.000 Neuzulassungen 2023 in Deutschland), mochte man in Wolfsburg natürlich nicht alles auf links drehen. Bedeutet: Keine wilden Experimente im Design, Elektro nur in verträglicher Dosis. Und so gibt es Benziner, Diesel und Plug-in-Hybride in einer gefälligen Verpackung. Die für einige Beobachter aber an günstige China-SUVs erinnert. Wir würden es so formulieren: Für erhöhten Puls sorgt die Optik nicht.  

Bildergalerie: VW Tiguan (2024) im Test

Entscheidend sind für VW-Kunden eh die inneren Werte: Der neue Tiguan ist 30 mm länger (4.539 mm), mit einem Plus von 4 mm (ohne Dachreling) aber kaum höher (1.639 mm) als der Vorgänger. Die Breite (1.842 mm) und der Radstand (2.680 mm) sind gleich geblieben. Ansonsten: LED ist das neue Chrom, Räder bis zu 20 Zoll.

Wie gut die Raumausnutzung ist, zeigt das Kofferraumvolumen der neuen Generation: Obwohl der Tiguan nur unwesentlich länger wurde, wuchs das Stauvolumen der Versionen mit eTSI-, TSI- und TDI-Antrieb um 37 Liter auf nun 652 Liter (bei Beladung bis Höhe der Rücksitzlehnen). Die Rücksitzbank ist längs verschiebbar und in der Lehnenneigung einstellbar. Wir nehmen Platz und stellen fest: Viel Beinfreiheit, aber nicht unfassbar opulent. Speziell bei der R-Line-Ausstattung knapsen die Sportsitze dahingehend einige Zentimeter ab.

VW Tiguan (2024) im Test
VW Tiguan (2024) im Test
VW Tiguan (2024) im Test

In der ersten Reihe wird sofort klar, dass Volkswagen auch das Interieur seines SUV-Bestsellers komplett neu entwickelt hat. Stilprägend ist dabei die neu konzipierte Cockpit-Landschaft mit den Komponenten des Modularen Infotainmentbaukastens der vierten Generation (MIB4), wie sie ähnlich auch der neue VW Passat Variant und der überarbeitete Golf nutzen.

Galt das legendäre "Digifiz" in den 1980ern noch als "Mäusekino", so müsste man jetzt von Kleintier-Kino sprechen. Zu den Modulen gehören entspiegelte digitale Instrumente im Tablet-Querformat, ein großer Infotainment-Screen mit 32,8-cm-Diagonale (12,9 Zoll / optional 15,0 Zoll) mit einer neuen Menüstruktur und Grafik, ein ebenfalls neues Head-up-Display und ein der multifunktionale Fahrerlebnisschalter mit integriertem TFT-LCD-Display. Hier lassen sich Fahrmodi und Lautstärke einstellen, leider nicht die Klimaautomatik. Wir können jedoch festhalten: Der 15-Zoll-Monitor taugt auch für Wurstfinger.

VW Tiguan (2024) im Test

Genauso neu: der Sprachassistent IDA. Mit ihm lassen sich zahllose Fahrzeug- und Infotainmentfunktionen spielend einfach per natürlicher Sprache bedienen. Darüber hinaus beantwortet IDA Fragen zu allen erdenklichen Gebieten. Dazu greift das System auf Online-Datenbanken und – als Novum – auf KI zu. ChatGPT wird ab Mitte 2024 als Update verfügbar sein.

Und sonst so? Gute Verarbeitung, Materialien auf ordentlichem Niveau, bequeme ergoActive-Plus-Vordersitze mit einer pneumatischen 4-Wege-Lordosenstütze und einer ebenfalls pneumatischen 10-Kammer-Druckpunktmassage. Darüber hinaus kann – abhängig von der Außentemperatur – eine automatische Aktivierung der Sitzheizung und Sitzlüftung eingestellt werden.

Wie fährt er sich?

Vier der insgesamt acht Motorversionen sind neue Hybridantriebe. Das Spektrum reicht dabei von zwei 48-Volt-Mild-Hybriden (eTSI) bis hin zu zwei Plug-in-Hybriden einer neuen Evolutionsstufe (eHybrid). Mit elektrischen Reichweiten von rund 100 km machen diese Plug-in-Hybridantriebe VW zufolge den neuen Tiguan im Alltag zum Elektroauto. Stets in allen Tiguan serienmäßig: ein automatisch schaltendes Doppelkupplungsgetriebe (DSG).

VW Tiguan (2024) im Test

Wir haben uns bei unseren Testfahrten auf die Verbrenner beschränkt. Genauer gesagt: Den 1.5 eTSI mit 150 PS und Zylinderabschaltung und den stärksten 2.0 TDI. Die TSI ohne e leisten 150 kW (204 PS) und 195 kW (265 PS), die TDI entwickeln 110 kW (150 PS) und 142 kW (193 PS). Der Tiguan 2.0 TSI sowie der stärkste 2.0 TDI haben serienmäßig den Allradantrieb 4MOTION an Bord. Bis zu 2.300 kg beträgt die maximale Anhängelast der Allradversionen. Alle anderen Tiguan besitzen Frontantrieb.

Los geht es mit dem leicht elektrifizierten Benziner. VW meint: "Die 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbomotoren verbinden ihre hohe Effizienz zudem mit einer ausgezeichneten Anfahrperformance." Wir sagen: Pustekuchen. Die 150-PS-Maschine kommt in Verbindung mit dem DSG einfach nicht aus dem Quark. Das kennen wir von älteren Turbo-1.500ern des Konzerns, überraschend ist es hier trotz 14 kW und 56 Nm Zusatzboost.

Zudem werden die sieben Gänge lang ausgedreht, was den Wagen akustisch nochmals angestrengter wirken lässt. Besonders bergauf wird das fast schon lästig. Etwas über 1,6 Tonnen wiegt dieser Tiguan, man meint, es wären mehr.

VW Tiguan (2024) im Test

Also lieber einen TSI ohne e nehmen. Oder gleich einen Diesel. Selbstzünder und Tiguan, das passt einfach, wie wir schon nach kurzer Fahrt feststellen. Wie schon beim 1.5 eTSI stimmen die grundsätzlichen Zutaten. Nur ist das Resultat hier wesentlich runder und harmonischer. Gar keine Frage: Es sind 150 Nm mehr Drehmoment an Bord, ergo ein wenig Apfel und Birne.

Trotzdem würden wir raten, etwas an der Ausstattung zu sparen (sie ist schon ab Werk durchaus reichhaltig) und sich stattdessen den 8.000 Euro teureren Top-Diesel zu gönnen. Gut gedämmt und laufruhig geht er ans Werk, bei Tempo 110 liegen 1.800 Umdrehungen an.

Was kostet er?

Preislich startet der Tiguan mit einem 96 kW (130 PS) starkem 48V-Mild-Hybridantrieb (eTSI) bei 36.600 Euro. Angeboten wird die dritte Generation des SUV in der Grundversion "Tiguan", der mittleren Ausstattung "Life" sowie den zwei Topversionen "Elegance" und "R-Line".

Im aus unserer Sicht ausreichenden Tiguan Life wird die Serienausstattung um Details wie eine 3-Zonen-Klimaautomatik, die automatische Distanzregelung ACC und den "Park Assist Plus" für das automatisierte Einparken, beleuchtete äußere Türgriffmulden und eine Motivprojektion via Außenspiegelgehäuse erweitert. Darüber rangieren die jeweils eigenständig positionierten Topmodelle Tiguan Elegance (edel) und Tiguan R-Line (sportlich). Preis für den 193-PS-Diesel: 49.055 Euro.

Nicht wenig, zumal ob der Konkurrenz aus dem eigenen Konzern. Der technisch eng verwandte, aber etwas größere neue Skoda Kodiaq kostet mit dem dicksten Diesel und etwas besserer Serienausstattung 49.700 Euro. Lieber etwas aus Korea? Bitte sehr: Kia Sportage 1.6 CRDi 48V AWD DCT mit 100 kW (136 PS) als "Spirit" für 44.550 Euro.

Fazit: 8/10

Der wohl letzte VW Tiguan mit Verbrennungsmotor dürfte wie seine Vorgänger zum Erfolg werden. Dafür sorgen das Platzangebot, die Verarbeitung und die relativ faire Preisgestaltung. Einzig das jetzt sehr digitale Cockpit bedarf der Eingewöhnung. Motorenseitig raten wir zu TSI und TDI, der eTSI wirkt mit dem SUV überfordert.  

VW Tiguan 2.0 TDI SCR 4MOTION 142 kW (2024)

Motor Vierzylinder-Turbodiesel, 1.968 ccm
Leistung 142 kW (193 PS)
Max. Drehmoment 400 Nm bei 1.750 - 3.250 U/min
Antrieb Allrad
Getriebeart 7-Gang-DSG
Beschleunigung 0-100 km/h 7,7 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
Länge 4.539 mm
Breite 1.842 mm
Höhe 1.658 mm
Kofferraumvolumen 652 - 1.650 Liter
Leergewicht 1.750 kg
Zuladung 490 kg
Anhängelast 2.200 kg
Verbrauch 6,1 LIter/100 km (WLTP)
Emission 161 g CO2/km (WLTP)
Basispreis 49.055 Euro