Mit dem Maikäfertreffen, welches traditionell immer am 1. Mai in Hannover stattfindet, beginnt für das Team von Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer (VWNO) in diesem Jahr die Campingsaison. Mit gleich drei Kultcampern der ersten Generation sind sie auf dem Messegelände vertreten.

Im Verkaufsprogramm hießen diese kompakten Campingwagen damals schlicht SO für Sonderausführung und hatten eine zweistellige Nummer dahinter. Trotz dieser nüchternen Bezeichnung sind es wohl die emotionalsten Transporter, die damals vom Band liefen. Sie fuhren mit ihren Besitzern rund um die Welt oder an den Baggersee nebenan und erzählen heute noch die abenteuerlichsten Geschichten von ihren Reisen. So auch die Modelle SO22, SO34 - und SO42 – allesamt aus den 60er Jahren - die VWNO auf ihrem Stand zeigen wird.

Bildergalerie: Drei Varianten der legendären SO-Reihe auf Basis des ersten VW Transporter

Die Ansprüche der Bullifahrer sind sehr individuell. Das war auch schon zu Beginn der "reisemobilen" Bewegung der Fall. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, gab es eine Vielzahl von verschiedenen Modellen auf dem schon damals beliebten VW T1. Nach dem Beginn mit der Campingbox wuchs das Modellprogramm an Campingfahrzeugen auf VW-Bus-Basis sehr schnell um weitere.

In Prospekten und Preislisten wurden sie nur mit der sachlichen Modellbezeichnung SO für Sonderausführung aufgeführt. Erst deutlich später sollten Namen wie Los Angeles, Madrid oder Offenbach sowie die legendären Modelle Berlin und Helsinki folgen.

In Hannover stellen die Bulli-Spezialisten von VWN Oldtimer die drei Modelle SO22, SO34 und SO42 aus. Was aber macht eben diese drei Campingbusse aus und worin unterschieden sie sich?

SO 22 von 1965 (Costa)

Zur Campingsaison Anfang 1961 präsentierte Westfalia aus Rheda-Wiedenbrück das "Mosaik"-Programm zum Selbstausbau. Parallel zu den vollausgestatteten Campingwagen ab Werk konnten Sitz-Schlafbänke, Tisch sowie die Schränke einzeln erworben und nach Wunsch eingebaut werden.

SO22

Mit eben diesen Komponenten ist auch der SO22 von VWN Oldtimer ausgestattet.
Der Innenausbau besteht aus verschiedenen Teilen des Mosaik-Programms, Schränke, Klapptisch, Sitz-Schlafbank mit Staufächern verwandeln den eher kargen Transporter Kombi in einen praktischen, bequemen Campingwagen. Sitzen, Kochen, sich waschen und natürlich schlafen sind möglich.

Für Kinder kann im Fahrerhaus ein Segeltuch eingespannt werden, auf dem ein Kind schon schlafen kann, während die Eltern den Abend im "Wohnzimmer" gemütlich ausklingen lassen. Eine Dachluke bringt Licht und Luft ins Innere; ein Vorzelt erweitert den Platz für alle. Ein unglaublicher Luxus im Vergleich zu den Autotouristen, die mit einem Zelt unterwegs waren.

SO22 Ausbau aus dem Mosaik-Programm

SO22 Ausbau aus dem Mosaik-Programm

Mit dem stärksten Motor der ersten Generation ist dieser Bulli ein echter Reisewagen. Die 32 kW (44 PS) erlauben es, die Reisegeschwindigkeit (mit etwas Geduld) auf bis zu 105 km/h zu erhöhen. Dass er ein Reisewagen ist, hat dieser Bulli auf über 160.000 km durch Europa bewiesen. Seine stolzen Besitzer reisten mit ihm durch Italien, Schweiz, Frankreich, Ungarn und Griechenland.

SO 42 von 1965 (Irene)

Mit der Sonderausführung (SO) 42 startete eine wahre Erfolgsgeschichte. Das erstmals verfügbare Hubdach (120 x 110 cm, 35 cm hoch aufstellbar) brachte zusätzlichen Platz, Licht und Luft in den Innenraum. Die neue Schlafsitzbank ließ sich mit wenigen Handgriffen zum Bett umbauen – und ist in weiterentwickelter Form bis heute im California zu finden.

Bis Produktionsende der ersten Transporter-Generation 1967 rollten mehr als 12.000 SO 42 in alle Welt. Damit war diese Version der beliebteste Grundriss und somit 42 für die meisten Käufer tatsächlich die richtige Antwort auf ihre reisemobilen Bedürfnisse. Fun-Fact am Rande: Dafür benötigten sie nicht 7,5 Mio Jahre wie der Computer im Roman, sondern nur drei Jahre.

SO42

SO42 "Irene" - Baujahr 1965

Das Erfolgsgeheimnis des SO42 war laut die verbesserte Alltagstauglichkeit: in der Woche etwa Einkauf und Personentransport, aber am Wochenende ideal für Freizeit und Erholung; vom Urlaub ganz zu schweigen. An diesen Eigenschaften hat sich bis zum heutigen California nichts geändert.

Diesen Campingbus erwarben Irene und Roland aus Wisconsin in den USA 1966 und nutzten ihn regelmäßig. Sie kümmerten sich penibel um ihr rollendes Hotel. Jede Inspektion wurde im Serviceheft festgehalten. Im harten Winter von Wisconsin wurde der Camper liebevoll auf Holzbohlen in einer lehmverputzen Garage gelagert. 62.000 Meilen fuhr er durch die Vereinigten Staaten, bevor er über die Niederlande in die Sammlung von VWN Oldtimer kam.

SO 34 von 1962 (Henrik the Red)

Schon auf dem ersten Blick fällt auf, der SO34 unterscheidet sich massiv von seinen beiden Brüdern. 1961 gab es erstmals eine weiße "Getalit"-Kunststoffoberfläche statt eher dunkles Holzfurnier. Dies polarisierte unter den Traditionalisten, aber lockte die Avantgardisten insbesondere aus Nordamerika an, sich diesen "modernen" VW-Campingwagen zuzulegen.

SO34

SO34 "Henrik the red" – Baujahr 1962

Der Innenraum wirkte trotz vieler Möbel weniger beengt und eher luftig. Denn nicht nur die Möbeloberfläche war neu, auch der Grundriss zeugte von der Kreativität der Ingenieure. Wer hätte bis dahin geglaubt, dass es gelingen kann, bis zu sieben Sitzplätze und eine vollwertige Campingausstattung in einen Campingbus zu integrieren? Der clevere Schachzug der Techniker war, die Integration des Fahrerhauses in den Wohnbereich.

Dazu konnte die Rückenlehne der Dreier-Sitzbank im Fahrerhaus gedreht werden und wurde so zusammen mit der Seitensitzbank zur Sofa-Landschaft. Gegenüber wartet zwischen den seitlich angebrachten Schränken noch ein Einzelsitz und die siebte Person darf auf einem Klappstuhl (gesichert mit einer Knebelschraube) Platz nehmen, der tatsächlich zur Fahrgastbeförderung zugelassen war.

SO34 Ausbau mit den hellem Interior

SO34 Ausbau mit hellem Interieur

Der Tisch, um den sich die Reisegruppe im Fahrzeug gesellte, konnte mit Hilfe des Reserverades als Fuß auch draußen als Campingtisch genutzt werden. Beim Bettenbau gibt es allerdings räumliche Grenzen, so dass im Fahrzeug zwei Kinder und zwei Erwachsene nächtigen können. Für die restlichen drei Passagiere blieb nur das Vorzelt.

Das Fahrzeug von VWN Oldtimer begleitete die Vorbesitzer Familien durch ganz Europa. Um mehr Gepäckraum für die langen Reisen zu haben, kaufte der Erstbesitzer einen farblich passenden Anhänger, der noch heute zuverlässig hinter dem Fahrzeug auf Reisen geht.

Gespannt sein können die Fans der Volkswagen Campervans außerdem auf den 7. Mai. An diesem Tag präsentiert VWN die nächste Generation des legendären Campingbusses "California".