Wie sieht die europäische Modellpalette von Fiat vor 30 Jahren aus? Aus heutiger Sicht eher altbacken mit Fahrzeugen wie dem ersten Panda, Cinquecento, Punto und Tipo. Auch den Tempra gibt es noch und den Croma der ersten Generation in seinen letzten Zügen. Frischer Wind muss also her. Dafür sorgen 1994 das Fiat Coupé und ein Jahr später die Barchetta. Zum runden Geburtstag blicken wir zurück auf das Coupé.

Das Fiat Coupé (Typ 175), in Italien auch als Coupé Fiat bezeichnet, debütiert auf der Bologna Motor Show im Dezember 1993 und kommt schon im Januar 1994 auf den Markt.

Bildergalerie: Fiat Coupe (1994-2000)

Zwei Entwürfe, zwei Autos

Der schnittige Sportwagen macht bereits 1992 als Erlkönig in den Autozeitschriften Schlagzeilen. Fiat plant zu jener Zeit, ein neues Coupé zu produzieren, nachdem die Pininfarina-Fabrik nach dem Scheitern des Cadillac Allanté-Projekts um 1990 plötzlich stillstand. Zwei Entwürfe werden vorgelegt, wobei das Fiat-interne Centro Stile-Team mit Pininfarina konkurriert.

Das von Chris Bangle im Namen des Centro Stile vorgelegte Konzept setzt sich unerwartet beim Fiat-Management durch. Genau: Jener Bangle, der Jahre später bei BMW für Designkontroversen sorgt. Das zuvor von Pininfarina präsentierte Design übernimmt schließlich Peugeot, wo es im Oktober 1996 als 406 Coupé debütiert.

Fiat Coupe (1994-2000)

Fiat Coupé (1994)

Peugeot 406 Coupé (1996)

Peugeot 406 Coupé (1996)

Auffällig beim Fiat sind das hochgesetzte, recht kahle Heck, der Verzicht auf sichtbare Türgriffe und eine Frontpartie, die an Schlafaugen-Scheinwerfer erinnert. der verchromte, außenliegende Tankverschluss erinnert an die 1950er-Jahre. Innen beeindruckt das Cockpit mit einer breiten Zierleiste in Wagenfarbe.

Konzernplattform und krasser Turbo

Technische Grundlage ist die sogenannte "Tipo 2"-Plattform, die bereits im Fiat Tipo und Tempra sowie beim Lancia Dedra und Alfa Romeo 155 zum Einsatz kommt. 4,25 Meter ist das Fiat Coupé lang, 1,77 Meter breit und 1,34 Meter hoch, der Radstand beträgt 2,54 Meter. Leergewicht? 1.320 Kilogramm.

Bei seiner Markteinführung im Januar 1994 gibt es das Coupé mit einem 2,0-Liter-Vierzylinder-16V-Motor, sowohl als Turbo (190 PS) und als Sauger (139 PS). Bei beiden Motoren handelt es sich um spätere Versionen von Fiats DOHC-Konstruktion, die vom im Rallyesport erfolgreichen Lancia Delta Integrale übernommen wird.

Fiat Coupe (1994-2000)

Fiat Coupe (1994-2000)

1996 ergänzen ein 1,8-Liter-16V (nicht im Vereinigten Königreich erhältlich, 131 PS), ein 2,0-Liter-Fünfzylinder-20V (147 PS) und als Highlight ein 2,0-Liter-20V-Turbomotor (220 PS) das Angebot. Das Topmodell mit Turbo beschleunigt von 0-100 km/h in 6,5 Sekunden und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h bzw. 250 km/h mit dem späteren Sechsgang-Getriebe. 

Neben den neuen Motoren nimmt Fiat auch einige kleinere Designänderungen vor, wie den Kühlergrill, das Lenkrad, die Türverkleidung mit Lederbezug, die Mittelkonsole im Innenraum und den Ersatz der Digitaluhr durch eine Analoguhr. Die Produktion der rechtsgelenkten Modelle für Märkte wie Großbritannien beginnt Anfang 1995.

Der Turbo-Vierzylinder als auch die Fünfzylinder sind mit einem sehr effizienten Viscodrive-Sperrdifferenzial ausgestattet, um dem Untersteuern entgegenzuwirken, das die meisten leistungsstarken Fahrzeuge mit Frontantrieb plagt.

Außerdem verfügt das Coupé über eine Einzelradaufhängung rundum: vorne MacPherson-Federbeine und untere Querlenker, die an einem Hilfsquerträger verankert waren, hinten Längslenker, die an einem Hilfsrahmen montiert waren und Schraubenfedern.

Kennzeichen LE

1998 kommt die Limited Edition auf den Markt, die sich äußerlich durch einen Karosserie-Kit und titangraue Details wie Räder, Tankdeckel, Rückleuchten und Spiegelgehäuse auszeichnet, während die Brembo-Bremssättel vorne nun rot lackiert sind. Jedes Limited Edition ("LE") Coupé ist mit einer Plakette am Rückspiegel versehen, die die eindeutige Nummer des Wagens zeigt.

Man munkelt, dass Michael Schumacher der ursprüngliche Besitzer von LE Nr. 0001 war, doch als man ihn persönlich darauf anspricht, bestätigt er, dass er einen besessen hat, allerdings einen roten, während LE Nr. 0001 ein Crono Grey ist. Gut 1.400 Exemplare des LE entstehen.

Fiat Coupe (1994-2000)

Fiat Coupe (1994-2000)

1998 erhält der 2,0-Liter-Fünfzylinder 20V ein variables Einlasssystem, das die Leistung auf 154 PS (113 kW) steigert. Außerdem werden die Schweller der Turbo-Version farblich an die Karosserielackierung angepasst. Fiat bringt zudem auch den 2,0-Liter-Fünfzylinder-Turbo "Plus" heraus. Dieses Modell ist mit einem Optionspaket ausgestattet, das es praktisch mit dem LE identisch machte, mit Ausnahme kleinerer Änderungen im Innenraum und ohne die einzigartige Identifikationsplakette des LE.

Günstiger als VW

Und was sagt die Presse? In Deutschland testet der ADAC den besonderen Fiat und freut sich erst einmal, nach 21 Jahren überhaupt wieder ein neues Coupé der Marke zu sehen. Unterwegs ist man im 2.0 Turbo mit 190 PS, ein "ganz heißes Eisen" mit immerhin 225 km/h Spitze und einer Beschleunigung von 7,5 Sekunden. Und zwar ohne Turboloch, leider aber mit einer hakeligen Schaltung. Man lobt das gute Fahrwerk und die direkte Lenkung, konzeptbedingt fallen der Platz im Fond und der Kofferraum (295 Liter) bescheiden aus.

Preis des 2.0 Turbo in Deutschland: 46.000 DM, das Einstiegsmodell mit 139 PS Leistung begint bei 39.000 Mark. Ein VW Corrado mit 115 PS ist teurer.  Grundpreis in Italien? 37.700.000 Lire. Als die Produktion des Fiat Coupé im Dezember 2000 ausläuft, stehen insgesamt 72.762 Einheiten zu Buche.