Der cleverste kleine Fiat aller Zeiten?

Man kennt sie. Und irgendwie auch wieder nicht. Die Rede ist nicht von den eigenen Nachbarn, sondern von Autos, die so unauffällig blieben, dass sie heute nur eingefleischte Fans noch kennen.

Solche Modelle müssen nicht zwangsläufig zu Lebzeiten Flops gewesen sein. Aber sie liefen unter dem Radar des gewöhnlichen Autokäufers. In unregelmäßiger Folge wollen wir ab sofort unter dem Titel "Kennen Sie den noch?" Old- und Youngtimer aus dem Nebel des Vergessens holen.

Wo sind eigentlich die cleveren Stadtflitzer hin? Sehr klein, aber dennoch geräumig? Gut, den Smart Fortwo gibt es noch. Aber er darf wie der VW Up und dessen Brüder nur noch elektrisch weiterleben. Der Peugeot 108 und seine Ableger dämmern ihrem Exitus entgegen. 

Moment! Fiat ist noch da. Mit dem 500, sowohl elektrisch als auch mit Verbrenner. Dabei wird aber oft vergessen, dass es viele Jahre vorher einen völlig retro-freien, aber dafür cleveren Cinquecento gab. Motto: Maximal sachlich, maximal unbekannt.

Fiat Cinquecento

Die Prämisse war eindeutig: Der Cinquecento sollte den sympathischen, aber konzeptionell veralteten Fiat 126 beerben, dessen Grundzüge noch auf den 500 von 1957 zurückgingen. Bereits beim 126 hatte man in Polen damit experimentiert, den Antrieb nach vorne zu verlegen. Doch Fiat in Italien forderte zu Recht, dass gleichzeitig eine neue Optik die Revolution unter dem Blech deutlich machen sollte.

Und so entstand im hauseigenen "Centro Stile" unter Leitung von Ermanno Cressoni ein Auto mit sehr sachlichem Design: 3,23 Meter kurz, 1,49 Meter breit, 2,20 Meter Radstand. Große Scheinwerfer vorne, horizontal tief angeordnete Rückleuchten hinten für eine große Ladeöffnung. 170 bis 810 Liter passten ins Heck, vier Erwachsene hatten an Bord keine Probleme.

Fiat Cinquecento

Weil der 1991 präsentierte Fiat Cinquecento in Polen gebaut wurde und dort den legendären 126 als "Volksauto" ablösen sollte (was ihm nicht gelang, der "Maluch" lief sogar etwas länger vom Band), gab es ihn dort auch mit dem 704-Kubik-Zweizylinder aus dem 126 BIS.

Nach Deutschland kam der Cinquecento (italienisch für "500") mit zwei Motoren zur Auswahl: Ein 0,9-Liter-Vierzylinder mit Einspritzung und 39 PS sowie im "Sporting" ein 1,1 Liter mit 54 PS Leistung. Das mag nicht nach viel klingen, traf hier aber nur auf 725 Kilogramm Leergewicht.

Fiat Cinquecento

 In 12,8 Sekunden spurtete der Cinquecento Sporting auf 100 km/h. Für die dynamische Note sorgten härtete Dämpfer, eine Tieferlegung sowie Sportsitze und rote Gurte innen. Noch wilder gerieten die Umbauten von Tunern wie Novitec oder Hörmann: Mit über 100 PS kratzten diese Sporting sogar an der 200 km/h-Marke. 

Und was sagten die damaligen Tester zum normalen Cinquecento Sporting? 15.190 DM kostete der Winzling anno 1996, als der ADAC ihn unter die Lupe nahm. "Motor und Getriebe des 55 PS starken Punto passen ihm wie angegossen", hieß es unter anderem. Weiterhin wurden die "butterweichen Schaltvorgänge" gelobt, ebenso die gute Raumausnutzung. Kritik gab es am relativ hohen Testverbrauch von 6,9 Liter, den lauten Fahrgeräuschen und der fehlenden Sicherheitsausstattung. Tatsächlich wanderte erst 1997 ein Fahrer-Airbag in den Cinquecento.

Fiat Cinquecento

Ein wenig nahm der Cinquecento übrigens auch den ganz neuen Fiat 500 Elektro vorweg: Von 1992 bis 1996 produzierte und verkaufte Fiat nämlich eine elektrische Variante des Cinquecento, den Elettra. Der Wagen wurde entweder mit einem Blei-Säure- oder NiCd-Batteriepaket angeboten, die eine Reichweite von 100 respektive 150 Kilometer ermöglichten. Im Gegensatz zu speziell angefertigten Elektroautos verwendete der Cinquecento Elettra zwei Batteriepakete, eines im Motorraum und eines hinter den Rücksitzen, die den Kraftstofftank ersetzen.

Doch der Elettra blieb selten, während der normale Fiat Cinquecento über eine Million mal vom Band lief. Als Nachfolger war ein fünftüriges Design von Giugiaro im Gespräch, aus dem schließlich der Daewoo Matiz wurde. Fiat entschied sich lediglich für eine Überarbeitung, deren Resultat 1998 in den etwas rundlicheren Seicento (italienisch für "600") mündete. Er blieb bis 2011 in der Produktion.

Bildergalerie: Fiat Cinquecento (1991-1999)