Der kompakte Japaner war in der Bundesrepublik und der DDR beliebt

Man kennt sie. Und irgendwie auch wieder nicht. Die Rede ist nicht von den eigenen Nachbarn, sondern von Autos, die so unauffällig blieben, dass sie heute nur eingefleischte Fans noch kennen.

Solche Modelle müssen nicht zwangsläufig zu Lebzeiten Flops gewesen sein. Aber sie liefen unter dem Radar des gewöhnlichen Autokäufers. In unregelmäßiger Folge wollen wir ab sofort unter dem Titel "Kennen Sie den noch?" Old- und Youngtimer aus dem Nebel des Vergessens holen.

Die 1980er waren das Jahrzehnt, in dem die Japaner in Europa durchstarteten. Mazda zum Beispiel war zwar schon seit 1973 in Deutschland präsent, doch noch waren die Fahrzeuge mehr auf den US-Markt ausgerichtet. Mit barockem Design und simpler Technik lockte man hierzulande trotz günstigen Preisen nur wenige Kunden an. 

Als erste Achtungserfolge konnte Mazda die erste Generation des 323 ab 1977 verzeichnen, auch der erste 626 fand zunehmend seine Fans. Doch die Japaner begannen zu dieser Zeit, sich intensiver mit den Vorlieben europäischer Kunden zu beschäftigen. Auch Mazda gab unumwunden zu: "Was Kritiker bemängelten, war der technische Pfiff, war deren Forderung, auch technologisch in der ersten Reihe zu stehen."

Mazda 323 (1980-1985)

Denn klar war: Preis hin oder her, europäische Kunden mochten es individueller. Genau ins Schwarze traf Mazda im Jahr 1980 mit der zweiten Generation des 323. Zum einen bot er ein gelungenes sachliches Design plus modernem Frontantrieb (der Vorgänger hatte noch Hinterradantrieb) und Einzelradaufhängung. Zum anderen wurde das Modellprogramm deutlich ausgeweitet: Ein Stufenheck ergänzte die Palette von Dreitürer, Fünftürer und Kombi. In Japan hieß der 323 übrigens Familia.

Voll ins Schwarze trafen auch die neu entwickelten "E-Motoren". Diese Vierzylinder-Benziner von 1,1 bis 1,5 Liter Hubraum (60 bis 85 PS) waren vor 40 Jahren sparsam. Mazda gab einen Stadtverbrauch von 8,4 Liter an, bei konstant 90 km/h konnte sogar eine 5 vor dem Komma stehen. Genau das Richtige nach der zweiten Ölkrise von 1979.

Mazda 323 (1980-1985)

Beeindruckt waren die Autotester seinerzeit vom Raumangebot des knapp unter vier Meter langen Mazda 323 Steilheck. Man sprach von "saalartigen" Abmessungen und lobte die große Innenraumbreite.   

Die Preise begannen bei 10.990 DM für den ziemlich mageren 1.1, deutlich üppiger waren die stärkeren Motorisierungen ausgestattet. Kein Wunder, dass der Mazda 323 (intern BD genannt) schnell zum Kassenschlager avancierte: Zeitweise betrug die Lieferzeit bis zu drei Monate, der 323 wurde in jenen Tagen zum meistverkauften japanischen Auto in Deutschland. Rund 55.000 Exemplare sollen es allein in den ersten beiden Jahren gewesen sein. 1983 folgte ein leichtes Facelift, ehe 1985 ein neuer 323 die Bildfläche betrat.

Mazda 323 (1980-1985)

Das war nicht der einzige Rekord des Mazda 323 (BD): Er war wohl das einzige japanische Auto, welches zeitgleich in der Bundesrepublik wie auch in der DDR erfolgreich war. Ab 1981 wurden Tausende Exemplare des 323 in die DDR geliefert. Sie sollten vor allem das Straßenbild von Ost-Berlin internationaler erscheinen lassen. Über den dortigen IFA-Vertrieb wurden die Autos zum Preis von 24.600 Ostmark abgegeben, eine zuteilungsreife Fahrzeugbestellung nach jahrelangem Warten natürlich vorausgesetzt. 

Neben einem Kontingent von 10.000 Mazda 323 mit 1,1 Liter gelangten auch 1.000 Fahrzeuge als 1,3 Liter, teilweise sogar mit Automatik, in die DDR. Wer nicht warten mochte, bekam seinen 323 auch über den Genex-Geschenkdienst, zahlbar in DM. Vermutlich schuf der 323-Import die Grundlage für den Erfolg der Marke Mazda nach 1990 in den dann neuen Bundesländern.

Bildergalerie: Mazda 323 (1980-1985)