Als Autos noch unter 700 Kilogramm wogen

Man kennt sie. Und irgendwie auch wieder nicht. Die Rede ist nicht von den eigenen Nachbarn, sondern von Autos, die so unauffällig blieben, dass sie heute nur eingefleischte Fans noch kennen. Solche Modelle müssen nicht zwangsläufig zu Lebzeiten Flops gewesen sein. Aber sie liefen unter dem Radar des gewöhnlichen Autokäufers. In unregelmäßiger Folge wollen wir ab sofort unter dem Titel "Kennen Sie den noch?" Old- und Youngtimer aus dem Nebel des Vergessens holen.

Wir beschweren uns heutzutage ja oft, dass moderne Autos viel zu schwer sind. Allerdings ist auch geballte Sicherheit an Bord. Was in Zeiten vor Airbags in Kleinwagen möglich war, zeigt dieses Auto: Der Citroën AX.

Der AX trat die Nachfolge der glücklosen Kleinwagen Citroën Visa und Citroën LN an. Auch die inzwischen völlig veraltete "Ente" nahmen die Entwickler ins Visier. Wie einst beim 2CV lautete die Devise: Leichtbau. Oberstes Ziel bei der Entwicklung des AX war es, einen Kleinwagen mit größtmöglichem Innenraum und kleinstmöglichem Gewicht auf die Räder zu stellen. Als Vorbild dienten dabei Erkenntnisse des Konzeptfahrzeuges ECO 2000, auf dessen Grundlage die Entwicklung der ersten Prototypen mit dem Namen S9 im Jahr 1981 begannen. An der Formgebung wirkte der Designer Nuccio Bertone mit, der mehrere Entwürfe beisteuerte. (Etwas später sollte er den Skoda Favorit zur Serienreife bringen.)

Die Basisversion AX 10 E mit absoluter Nullausstattung wog nur 640 Kilogramm, weil Citroën auf den konsequenten Einsatz leichter Materialien setzte, beispielsweise war das Unterteil der Heckklappe aus Kunststoff. Der cW-Wert von 0,31 war für diese Fahrzeugklasse ungewöhnlich niedrig. Durch den Einsatz von verzinkten Blechen, Kunststoffradhausschalen und Hohlraumversiegelung wurde eine hohe Rostbeständigkeit erreicht. Der Citroën AX wurde von Mitte 1986 bis Ende 1998 im Werk Aulnay-sous-Bois, nordöstlich von Paris, gebaut. Die Montage der Karosserie erfolgte vollautomatisch.

Citroen AX


Der 3,50 Meter lange Citroën AX wurde im Frühjahr 1986 vorgestellt. Ab September desselben Jahres wurde er in Frankreich verkauft, während die Markteinführung auf dem deutschen Markt im März 1987 erfolgte. Der ersten Serie waren eine Vielzahl an Ablagen und Staumöglichkeiten im gesamten Innenraum zu eigen. Die Vordertüren der Dreitürer hatten sogar Halter, in denen die französischen 1,5-l-Mineralwasserflaschen Platz fanden. Mit dem Namen AX wurde das Modellangebot logischer gegliedert: AX, BX, CX.

Zudem wurde beim AX eigens eine neue TU genannte Motorengeneration eingeführt, die für Robustheit und Wartungsfreundlichkeit stand und quer in vertikaler Position eingebaut war. Der TU-Vierzylindermotor wurde ursprünglich in drei Leistungsstufen angeboten: 45 PS (954 ccm), 60 PS (1.124 ccm) und 75 PS (1.360 ccm). Die anfänglichen Vergasermotoren wurden später durch moderne Einspritzaggregate mit geregeltem Katalysator ersetzt.

Citroen AX

Im Prospekt feierte Citroën den AX mit den Worten „Ein wahrer Traum auf kleinstem Raum!“ und erklärte wortreich die von Marktforschern und Ingenieuren betriebene Entwicklung. Investitionen in Milliardenhöhe seien vorgenommen worden. Das Ergebnis: „Der kleinere Bruder des BX ist ein faszinierendes Auto mit ungewöhnlichen Eigenschaften auch für anspruchsvollere Fahrer geworden.“ Nein, wir reden hier nicht von einem BMW M3 oder Porsche 959. Doch Spaß beiseite: Mit Blick auf die Verkaufszahlen von Visa und LN hatte die Geschäftsführung die eigentlich für 1986 geplante Ablösung des CX zugunsten des AX nach hinten verschoben.

Geradezu spektakulär war der Dreh eines Werbefilms für den Citroën AX, der im Sommer 1986 auf der Chinesischen Mauer stattfand. Zwei Jahre später war China erneut Schauplatz einer spannenden Werbeaktion: Im Rahmen der "Opération Dragon" legten 140 junge Europäer die 4.500 Kilometer von Shenzhen nach Peking medienwirksam im AX zurück.

Citroen AX

Dennoch weckte der normale AX keine besonderen Emotionen. Roger Gloor urteilt in seinem Buch "Alle Autos der 80er Jahre": "Markentypisch waren allenfalls die günstige Aerodynamik, das asymmetrisch auf die heruntergezogene Motorhaube gesetzte Citroën-Signet und der einarmige Scheibenwischer sowie das Einspeichen-Lenkrad."

Zur IAA 1987 wurde der bis dahin nur dreitürig lieferbare AX um eine fünftürige Variante ergänzt. Die Flaschenhalter wichen in dieser Version allerdings den Lautsprechern.

Im Juli 1991 wurden am AX einige Modellpflegemaßnahmen vorgenommen. Die augenfälligsten Unterschiede außen waren weiße Blinkergläser vorne, eine geänderte Heckklappe und das nunmehr mittig auf der Motorhaube angebrachte Markenzeichen. Umfassender fielen die Änderungen im Innenraum aus. Das von vielen Kritikern als „zerklüftet“ bezeichnete Armaturenbrett wurde stark geglättet, einige der Ablagen entfielen.

Citroen AX

Der erste AX Diesel kam im Februar 1989 mit einem neuentwickelten Vierzylinder-Aluminium-Motor auf den Markt, der bei 1,4 Liter Hubraum 53 PS leistete. Der Durchschnittsverbrauch lag bei 4,6 Liter auf 100 Kilometer. Beim AX Diesel des Jahrgangs 1992 wurde laut Verkaufsprospekt von Citroën ein Verbrauch bei 90 km/h von 3,2 Liter ermittelt, allerdings mit speziellen Leichtlaufreifen von Michelin. 1994 stellte der AX Eco (Bild unten) einen Verbrauchsweltrekord von 2,7 Liter auf 100 km auf. Der Eco war ein modifizierter Versuchsträger auf Grundlage des Dieselmodells. Der nur 672 Kilogramm schwere Wagen erhielt dazu ein lang übersetztes Getriebe und Modifikationen an der Einspritzung. Außerdem wurden leichte Karosserieteile aus Kunststoff und strömungsgünstige Verkleidungen verwendet. Die Reifen hatten einen besonders niedrigen Rollwiderstand.

Citroen AX

Der AX Sport erschien im April 1987 in Frankreich, nach Deutschland kam er mit etwa einem halben Jahr Verzögerung. Er besaß einen 1,3-Liter-Benziner Doppelvergaser, der 95 PS leistete. Er wurde jedoch nur bis zum Dezember 1988 gefertigt. Gedacht war der gemeinsam mit Danielson entwickelte AX Sport für einen Einsatz in der Gruppe A der Rallye-WM.

Ab Januar 1988 wurde parallel zum Sport der AX GT produziert. Die Motorisierung des GT lag bei 84 PS und war, wie zur damaligen Zeit noch üblich, ohne Kat. Erst als der AX im Sommer 1991 überarbeitet wurde, bot Citroën den AX GT mit Katalysator an, der dann nur noch 75 PS leistete.

Im Sommer 1991 erschien der AX GTi mit Multipoint-Einspritzanlage statt Vergaser. Bei den Fahrzeugen für den deutschen Markt lag die Spitzenleistung bei 94 PS und 117 Newtonmeter Drehmoment.

Citroen AX

Im August 1991 wurde die AX-Palette durch den allradgetriebenen AX 4×4 ergänzt. Er wurde als Drei- und als Fünftürer und mit dem 75 PS) starken Aggregat aus dem AX GT angeboten.

Von außen ist dieses Modell an starken seitlich verlaufenden Rammschutzleisten aus Kunststoff und einer um 25 Millimeter vergrößerten Bodenfreiheit zu erkennen. Der Hinterradantrieb wurde pneumatisch durch einen Schalter am Armaturenbrett zugeschaltet. Der gut ausgestattete AX 4×4 war in der Fünftürerversion mit einem Leergewicht von 840 Kilogramm der schwerste aller Großserien-AX.

Citroen AX

Der in Kleinserie im Jahre 1993 auf den Markt gebrachte AX Electrique war der erste Serien-Citroën mit Elektroantrieb. Das Elektroauto verfügte über einen 11-kW-Motor, der eine Höchstgeschwindigkeit von 91 km/h erlaubte. Die Reichweite betrug realistisch 100 Kilometer. Die Akkus mit einer Spannung von 120 Volt und einer Ladekapazität von 100 Ah waren im Motorraum und im Unterboden verteilt, wodurch der Innenraum erhalten blieb. Bedingt durch die Gewichtszunahme (das Leergewicht betrug 995 Kilogramm gegenüber dem konventionell angetriebenen Modellen) – war der Electrique nur für vier Personen zugelassen. Nur 395 Elektro-AX wurden bis Ende 1996 gebaut.

Im Dezember 1998 endete die Produktion des AX in Frankreich, nachdem 2.424.808 Exemplare unterschiedlicher Varianten und Sondermodelle das Werk verlassen hatten. Andere Quellen nennen sogar 2,57 Millionen Exemplare. In Deutschland wurden seit der Markteinführung im Frühjahr 1987 insgesamt 159.753 Zulassungen registriert. Mitte 2016 waren davon nicht einmal 4.000 mehr übrig. Nachfolger des AX war der Citroën Saxo. In Malaysia wurde der AX noch bis zum Jahr 2000 in Lizenz als Proton Tiara für den asiatischen Markt produziert.

Bildergalerie: Citroën AX (1986-1998)