Keiner mag den Facelift-Polo der zweiten Generation. Warum eigentlich?

Man kennt sie. Und irgendwie auch wieder nicht. Die Rede ist nicht von den eigenen Nachbarn, sondern von Autos, die so unauffällig blieben, dass sie heute nur eingefleischte Fans noch kennen.

Solche Modelle müssen nicht zwangsläufig zu Lebzeiten Flops gewesen sein. Aber sie liefen unter dem Radar des gewöhnlichen Autokäufers. In unregelmäßiger Folge wollen wir ab sofort unter dem Titel "Kennen Sie den noch?" Old- und Youngtimer aus dem Nebel des Vergessens holen.

Nehmen wir einmal an, Sie wären Vorstandschef eines Autokonzerns. Ihr Kleinwagen ist schon seit über acht Jahren auf dem Markt. Wäre es da nicht langsam Zeit für einen Nachfolger? Nix da! "Macht eine umfangreiche Modellpflege!", sagen Sie. Wozu ist man Boss?

Und tatsächlich wird der neue alte Wagen zum Bombenerfolg. So in etwa lässt sich die Geschichte des oft als "2F" betitelten Facelifts der zweiten Generation des VW Polo (86C) zusammenfassen. Heute stehen diese Autos etwas im Schatten. Doch gerade weil ihre Grundkonzeption fast 40 Jahre alt ist (der Polo II kam 1981 auf den Markt), sind sie als günstige Youngtimer interessant. 

Den Zeitpunkt hatte VW gut gewählt: Im Oktober 1990, pünktlich zur deutschen Einheit, erfolgte eine umfassende Modellpflege des Polo. Bereits im Mai des Jahres hatte VW im Werk Mosel bei Zwickau mit der Produktion des rund 3,70 Meter langen Polo begonnen. Auch deshalb konnte der kleinste VW als indirekter Nachfolger des Trabant gelten. 

VW Polo 2F (1990-1994)

Das Facelift des Polo II fiel ziemlich radikal aus: Beinahe könnte man von einem halben neuen Auto sprechen. Im Innenraum gab es ein neues Armaturenbrett mit mehr Ablagen, höher gelegtem Radioschacht, Drehreglern für Heizung und Lüftung und umgestalteten Instrumenten.

Außerdem wurden mit der Modellpflege neue Lenkräder, vollverkleidete Türen und hintere Seitenwände, neue Lenkstockhebel und erstmals zwei vordere Lautsprecherschächte eingebaut.

VW Polo 2F (1990-1994)

Außen wurde der Polo ebenfalls gründlich überarbeitet. Die Stoßfänger gerieten großflächiger, um sie für kleine Beschädigungen unempfindlicher zu machen. Der Vorderwagen und die Heckpartie wurden neu gestaltet, was eine Änderung der Seitenteile im Anschlussbereich an das Wagenheck bedingte.

Größere eckige Scheinwerfer sorgten für ein neues Gesicht und eine bis zu 50 Prozent höhere Fahrbahnausleuchtung, dazu kamen größere Rückleuchten für mehr aktive Sicherheit. Die Frontblinker wurden mit dem 86C "2F" neben den Scheinwerfern montiert, sodass sie auch von der Seite erkennbar wurden. 

VW Polo 2F (1990-1994)

Eines blieb aber unverändert: Nach wie vor gab es den Polo nur dreitürig mit Steil- oder Schrägheck (Coupé). Erst die dritte Generation ab 1994 bot hintere Türen. Die Einführung des Polo-86C-Nachfolgers, der Polo 6N war von VW schon früher als 1994 geplant, aufgrund des enormen Erfolges des Polo 2F wurden die Pläne aber mehrfach verschoben.

Auch bei den Motoren tat sich auf den ersten Blick nicht viel: Los ging es mit 45 PS aus 1,05 Liter Hubraum, die aber auf lediglich 770 Kilogramm Leergewicht trafen. Diesen Motor traf man oft im spartanischen Basismodell "Fox" an, meist mit Viergang-Schaltgetriebe und immer ohne Uhr (Aufpreis 154 Mark). Exakt 18.090 DM kostete der günstigste Polo im Jahr 1993.

VW Polo 2F (1990-1994)

Klimaanlage, elektrische Fensterheber oder gar Automatik? Gab es im Polo-Programm nicht für Geld und gute Worte. Dafür pries der Prospekt die gute Rostvorsorge mit einigen verzinkten Blechen und Hohlraumwachs an. Ein übler Roster ist der 2F aus heutiger Sicht zwar nicht, aber rostfreie Autos sind die Ausnahme.

Zu diesem Zeitpunkt waren alle Motoren im Polo auf Einspritzung umgestellt, auch das ein Pluspunkt für heutige Fans. (Sofern es Liebhaber gibt ...) Wer es flotter mochte, griff zu den 1,3-Liter-Benzinern mit 55 oder 75 PS. Mit selten gewählten 75 PS (1993 mindestens 22.590 DM teuer) spurtete er leichte Polo in 11,9 Sekunden auf 100 km/h, maximal waren 172 Sachen drin. Sehr selten blieb der 48-PS-Diesel.

VW Polo 2F (1990-1994)
VW Polo G40 mit dem früheren Volkswagen-Chef Carl H. Hahn am Steuer

Das heißeste Polo-Eisen in Gestalt des G40 wurde erst im Januar 1991 ins reguläre Modellprogramm aufgenommen. Der Wagen kostete zunächst 25.690 DM. Die Leistung schrumpfte bedingt durch den Katalysator von 115 PS auf 113 PS. Trotzdem reichte das noch für 8,6 Sekunden auf 100 km/h.

Erkennungszeichen des G40 waren BBS-Aluräder im 13-Zoll-Format, Rundumstoßleisten und Kotflügelverbreitungen, eine Dachantenne, rote Zierstreifen in den Stoßfängern, G40-Embleme im Kühlergrill und auf der Heckklappe, Sportsitze mit karierten Bezügen und ein Tacho bis 240 km/h. Ab August 1991 waren zusätzlich noch Nebelscheinwerfer und weiße Blinker, partiell abgedunkelte Rückleuchten, sowie Lederlenkrad und Lederschaltknauf serienmäßig.

VW Polo 2F (1990-1994)

Besonders diverse Sondermodelle wie beispielsweise der Polo "Genesis" mit einer besonders sportlichen Ausstattung ab Werk und Sonderfarben im Innenraum sorgten für hohe Verkaufszahlen. Weitere attraktive Sondermodelle waren unter anderem Polo Boulevard, Universal, Style, Scot und GT Extra. 

Am 12. September 1991 wurde in Mosel die Montage des Polo wieder eingestellt. Seit Mai 1990 liefen dort insgesamt 17.978 Polos vom Band. Der restliche Löwenanteil entstand in Wolfsburg und im spanischen Pamplona. Über zwei Millionen Polo der zweiten Generation wurden gebaut, davon rund 500.000 Facelift-Modelle in nur vier Jahren.

Bildergalerie: VW Polo 2F (1990-1994)