Man kennt sie. Und irgendwie auch wieder nicht. Die Rede ist nicht von den eigenen Nachbarn, sondern von Autos, die so unauffällig blieben, dass sie heute nur eingefleischte Fans noch kennen. Solche Modelle müssen nicht zwangsläufig Flops gewesen sein, aber sie liefen unter dem Radar des gewöhnlichen Autokäufers. In unregelmäßiger Folge holen wir hier unter dem Titel "Kennen Sie den noch?" solche Old- und Youngtimer aus dem Nebel des Vergessens.

Sie kennen den Satz: Das Auge isst mit. Doch was nutzt die schönste Optik, wenn das Resultat nicht schmeckt? So ähnlich ging es dem vor 25 Jahren vorgestellten Daewoo Matiz. Dessen Design hatte kein Geringerer als Giugiaro aus der Schublade gezogen, wo es seit 1993 lag. Damals entwarf der Meister unter dem Mamen "Lucciola" für Fiat ein Kleinwagenkonzept mit fünf Türen, um damit den Cinquecento abzulösen. Doch Fiat entschied sich anders und modifizierte bis zum Neo-Panda von 2003 den Cinquecento zum Seicento.

Italdesign Lucciola (1993)

Italdesign Lucciola (1993)

Daewoo Matiz und Chevrolet Matiz (1998-2017)

Daewoo Matiz (1998)

Wie dem auch sei: Giugiaro könnte sich bei seinem Entwurf, aus dem dann fünf Jahre später der Matiz wurde, vom ersten Renault Twingo inspiriert gefühlt haben. Auffallend sind die großen Kulleraugen des 3,49 Meter langen Matiz. Ob bei seinem Namen der Maler Henri Matisse Pate stand? Wir wissen es nicht.

Die Produktion von Daewoo Matiz begann 1998, er wurde in Südkorea und vielen europäischen Märkten unter der internen Bezeichnung M100 vermarktet. Der 0,8-Liter-Benzinmotor und das Getriebe wurden vom Daewoo Tico übernommen, aber es verwendete nun ein Mehrpunkt-Kraftstoffeinspritzsystem. Das Engineering wurde im Worthing Technical Centre von Daewoo in England durchgeführt. Das Auto wurde für die nächsten vier Jahre zum meistverkauften Daewoo-Modell in Europa und Indien.

Beim erwähnten Daewoo Tico handelte es sich um eine Lizenzversion des Suzuki Alto, mit dem sich sowohl Tico als auch Matiz Mechanik und Fahrwerk teilen. Von diesem Ursprung leitet sich seine charakteristische schmale Breite (exakt 1.495 mm) ab, die von der japanischen Kei-Autosteuerkategorie auferlegt wurde.

Daewoo Matiz und Chevrolet Matiz (1998-2017)
Daewoo Matiz und Chevrolet Matiz (1998-2017)

Der Matiz wurde ursprünglich mit nur einem 0,8-Liter-Dreizylinder auf den Markt gebracht. Es entwickelte eine maximale Leistung von 51 PS (38 kW) und ein maximales Drehmoment von 68,5 Nm  und hatte einen kombinierten Verbrauch von 6,4 Liter auf 100 km. Die Spitze betrug 144 km/h, 17 Sekunden dauerte es auf 100 km/h.

Dieser Motor wurde von Tickford, einem britischen Unternehmen mit Sitz in Milton Keynes, aus der Tico-Einheit entwickelt. Die Tickford-Verbindung wurde in den Broschüren anerkannt, die in britischen Showrooms verteilt wurden. Fun Fact: Tickford hatte einst Edelumbauten des Ford Capri verkauft.

Den Matiz gab es in drei Ausstattungsvarianten: E, S und SE. Letztere hatte eine Klimaanlage, in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger, Nebelscheinwerfer und eine Stereoanlage mit optionalen Funktionen wie Dachreling, Servolenkung, Zentralverriegelung, elektrischen Frontfenstern, Antiblockiersystem und Fahrerairbag. In bestimmten Märkten war der Matiz auch mit Automatikgetriebe erhältlich.

Daewoo Matiz und Chevrolet Matiz (1998-2017)
Daewoo Matiz und Chevrolet Matiz (1998-2017)

Im Jahr 1999 testete der ADAC den unter Beteiligung von Ex-BMW- und Porsche-Mann Ulrich Bez entwickelten Matiz. Und ließ kaum ein gutes Haar daran. Also am Matiz. Während die Optik noch für gut befunden wurde, rasierte man die Materialanmutung ("harter billiger Kunststoff") und das schaukelige Fahrverhalten im beladenen Zustand. Der kleine Motor? Sparsam, aber schlapp und laut. Kofferraum? Mickrige 155 Liter.

Immerhin: Für 16.790 DM war die Ausstattung ordentlich. Doch das rettete den Matiz in den Augen der strengen ADAC-Tester nicht mehr: "Beim Matiz handelt es sich um einen preiswerten, nett anzusehenden Mini mit eindeutig zu vielen Macken. Wer hierzulande im Kleinwagenmarkt mitmischen will, muss schon etwas mehr zu bieten haben.", so das Fazit im "ADAC Special - Auto 2000".

Wie ging es für den Matiz weiter? Ein von außen kaum sichtbares Facelift machte den M100 ab 2001 zum M150, nun passte ein 1,0-Liter-Verzalinder unter die Haube. 2005 endete de Produktion, als Chevrolet Lechi ging es in China noch bis 2012 weiter. Dort sorgte auch der dreist kopierte Chery CC für Kontroversen. 2005 kam ein neuer, dem Vorgänger ähnlich sehender Matiz, erneut mit Giugiaro-Design. Dessen Redesign wurde später zum Chevrolet Spark, der noch viel später zur Vorlage für den Opel Karl wurde. 

Bildergalerie: Daewoo Matiz und Chevrolet Matiz (1998-2017)