Zum 50. Geburtstag der Sportwagen-Legende feiern wir mit!

Wer auf einer Briefmarke abgebildet ist, der muss berühmt sein. Mehr Nachruhm geht eigentlich nicht, seitdem die Deutsche Post Anfang 2016 den Ford Capri für 70 Cent Porto verewigte. Doch eigentlich hätte es diesen Schritt kaum gebraucht: So gut wie jeder kann mit dem Namen "Ford Capri" etwas anfangen. Selbst meine Mutter, was etwas heißen will ...

Jetzt wird der Capri 50 Jahre alt. Zum runden Jubiläum stürzen sich alle Berichterstatter natürlich auf die erste Generation des Coupés, besonders beliebt ist der 1970 vorgestellte 2600 RS mit Sechszylinder, Kugelfischer-Einspritzung, Tieferlegung, mattschwarzer Haube und 150 PS Leistung. Doch die Capri-Geschichte ist in jeder Hinsicht wesentlich vielfältiger.

Bis 1986 wurde die dritte Generation des Ford Capri gebaut, zuletzt in Großbritannien, während hierzulande schon 1984 Schluss war. Von der Insel kam auch einst die Grundidee für eine Art "Euro-Mustang", der an den Erfolg des US-Vorbilds anknüpfen sollte. Und das tat der Capri: In Köln-Niehl lief 1973 nach vier Jahren schon das einmillionste Fahrzeug vom Band. Eigentlich hätte der Capri übrigens "Colt" heißen sollen, doch diesen Namen hatte sich bereits Mitsubishi gesichert. Gleichzeitig steht der Capri mit dem Escort für die Anfänge von "Ford of Europe" mit einem gemeinsamen Modellangebot. 

Fest steht: Beim Ford Capri war für jeden etwas dabei, es gab ihn zum Start angeblich in 52 verschiedenen Motor- und Ausstattungsvarianten. Das schlägt sich bis heute in der individuellen Erinnerung nieder. Der eine denkt an Oma Hildegards milden Capri mit 1,3 Liter Hubraum und eher defensiven 50 PS, der andere an eigenhändig getunte Sechszylinder-Modelle oder die krassen Zakspeed-Capri der Gruppe 5 mit 400 PS und mehr.

Die Vielfalt zeigt sich in Köln-Niehl, wo ich die Vertreter des Ford-Capri-Clubs Deutschland treffe. Auf dem Parkplatz geht es bunt zu: Vom originalen Capri 1500 L, Baujahr 1969 über Cabrio-Umbauten bis zum seltenen Capri II 2,3 Ghia Turbo May von 1976. Aber in meinen Hirn hat sich der Capri III eingebrannt: Als Teil der eigenen Kindheit und driftfreudiger Nebendarsteller der britischen Krimiserie "Die Profis" alias "The Professionals" (Bodie und Doyle lassen grüßen ...)

Ford Capri 50 Jahre

Und so steuere ich zielgerichtet auf den Ford Capri III 2.8 Injection von Edgar Seipp aus Giessen zu. Markant, aber nicht böse wie heutige LED-Gesichter guckt mich die Doppelscheinwerfer-Frontpartie des Wagens an. Streng genommen müsste ich eigentlich von "Generation Zweieinhalb" reden, denn es handelte sich 1978 lediglich um ein sehr gründliches Facelift des Capri II, der 1974 mit großer Heckklappe debütierte. 

Eine vorzügliche Arbeit: Straff und muskulös steht der weiße Capri aus dem Jahr 1983 da. Hier die lange Motorhaube, dort das rundlich geformte Seitenfenster als gemeinsames Kennzeichen aller Capri-Generationen. Innen trägt auch Edgars Auto ein Armaturenbrett, das den Geist der frühen 1970er-Jahre atmet. Vorteil: Selten habe ich mehr Platz für Beifahrer-Beine vorgefunden als hier.

Edgars Capri-Biographie ist typisch für viele Vertreter seiner Generation: Mit 19 kaufte er sich seinen ersten Capri, doch ein 2.8 Injection war damals außer Reichweite. Obwohl der Capri Platz für vier Personen bietet, zeigte die Familienplanung irgendwann die Grenzen des Konzepts auf. Notgedrungen musste ein Kombi her, doch Edgar tat sich schwer: "Ich habe einfach kein so schönes Auto wie den Capri finden können."

Ford Capri 50 Jahre

Die Capri-Sonne strahlte also weiter in Edgars Herz. Kein Wunder, dass er später mit beruflichem Erfolg und großgewordenen Kindern richtig durchstartete. Inzwischen besitzt Edgar 16 (!) Ford Capri inklusive seinen Injection-Traum von einst. In doppelter Ausführung: 1981 (grün) und 1983 (weiß). Beide Wagen hat er auf eigener Achse nach Köln mitgebracht. Ehrensache, schließlich ist der Dreier-Capri solider als sein Vorgänger, bei dem der Rost brutal durch den Bestand pflügte.

Ich mache es mir in dem bequemen Velours-Sitz von Recaro gemütlich, während Edgar den Motor anlässt: V6, 2,8 Liter Hubraum, fünf Gänge, 160 PS, acht Sekunden auf 100 km/h. Mit dem so typischen Capri-Klang, den man auch mit geschlossenen Augen erkennt, fahren wir los. Bullig, aber nicht unangenehm aufdringlich schiebt die Maschine an, 221 Newtonmeter Drehmoment treffen auf nur gut 1,2 Tonnen Leergewicht und Hinterradantrieb. Im Gegensatz zum ewigen Rivalen Opel Manta (der am Ende seiner Bauzeit 1988 ähnlich nostalgisch war), wirkt der Ford Capri durch seine Form und den fetten Motor männlicher.

Und das selbst im hochlandgrünen Capri III 1.6 L, Baujahr 1980, von Michael Wichmann. Sein Auto stellt quasi den Kontrapunkt zu Edgars 2.8 Injection dar. "L wie leer", schmunzelt Wichmann, denn sein Capri entzückt mit karger Buchhalter-Ausstattung: 73 PS, Stahlfelgen, Radio, Heckscheibenwischer, Nebelleuchte. Fertig. Ein Auto für Sparfüchse: Mit 14.600 DM Basispreis war der 1.6 L anno 1981 meilenweit von den 27.000 DM des 2.8 Injection entfernt.

Ford Capri 50 Jahre

Und genau in dem hat Edgar inzwischen bärig viel Spaß. Auf dem Rundkurs der Classic Days Schloss Dyck lässt er das Heck seines Zwo-Achters ordentlich kommen: "So ein Auto muss doch gefahren werden!" sagt er mit hessischem Zungenschlag und legt quietschfidel nach: "Quer sieht mehr!". Tatsächlich ist der weiße Capri sein Alltagsauto, wobei hier Capri und Sonne nicht nur getränketechnisch eine Einheit bilden: "Bei Regen bleibt er stehen. Das habe ich mir so angewöhnt."

Insgesamt 1,9 Millionen Capri hat Ford in 17 Jahren gebaut. Einen echten Nachfolger gab es nie. Schade eigentlich. Gebt euch einen Ruck in Detroit und Köln! Es darf auch ein Elektro-Capri sein. Mit langer Haube. 2029 wird der Capri 60. Edgar, ich und der Injection freuen uns bereits darauf.

Bildergalerie: 50 Jahre Ford Capri