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Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test: Sturm auf das C-Segment

Ist das große SUV der Rumänen ein Big Star oder doch nur ein Big-Duster?

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test
Bild von: Motor1.com

Als 2021 das Dacia Bigster Concept vorgestellt wurde, sollte dieses die neuen Gesichtszüge des kommenden Dacia Duster und damit das neue Markengesicht der Weltöffentlichkeit präsentieren. Doch schon damals maß die Karosserie des Konzeptfahrzeugs stolze 4,60 Meter. Viel zu groß für das beliebte Kompakt-SUV. Die Studie war also gleichzeitig auch ein Teaser zur Segment-Erweiterung der Marke.

Was ist das?

Aus dem Dacia Bigster Concept wurde Anfang 2024 der Dacia Bigster. Dacias Angriff auf ein lukratives Marktsegment. Denn im SUV-C-Segment tummeln sich so einige beliebte Verkaufsschlager wie der VW Tiguan. Wichtig scheint den Kunden hier aber nicht nur der Preis, sondern auch mehr Komfort und großzügige Raumnutzungseigenschaften, weshalb die Rumänen dem Bigster einige Gimmicks spendieren, die der Budget-Marke zuvor fremd waren. Wird der Bigster also zum Big Star für Dacia oder bleibt er ein Big-Duster?

Bildergalerie: Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Für etwaige Annehmlichkeiten setzt Dacia im Bigster auf teilelektrifizierte Sitzverstellung, eine elektrische Kofferraumklappe, bis zu 19-Zoll große Felgen, Panoramadach und ein großzügiges, variables Raumangebot. 

Was steckt unter der Haube?

Das Herzstück des neuen Dacia Bigster bildet der neue Vollhybrid-Antrieb. Der Hybrid 155 kommt mit einem 109 PS leistenden 1,8-Liter-Vierzylinder-Benziner und zwei E-Motoren, die zusammen noch einmal 49 PS leisten (115 kW (155 PS) Systemleistung).

Kombiniert wird der Antrieb immer mit einem elektrischen Automatikgetriebe ohne Kupplung. Vier Gänge für den fossilen, zwei Gänge für den elektrischen Antrieb. Damit kommt Dacia auch den motortechnischen Anforderungen des höheren Segments entgegen – wenn auch nicht übermäßig leistungslastig wie bei der Konkurrenz.

Dacia Bigster (2025) Launch
Bild von: Christopher Otto

Im Vergleich zum aus Jogger und Duster bekannten Hybrid 140 stehen dem Bigster so 15 PS mehr Leistung und 20 Nm mehr Drehmoment zur Verfügung. Durch weiteres drehzahloptimiertes Motorenmanagement sollen zudem sechs Prozent Kraftstoff gespart werden können. Im Bestfall fährt der Bigster Hybrid 155 durch die Nutzung von Rekuperation bis zu 80 Prozent vollelektrisch in der Stadt.

Auch die übrige Motorenpalette arbeitet immer teilelektrifiziert. Zur Auswahl stehen drei weitere Mild-Hybriden: der zuvor genannte Hybrid 140 (103 kW/140 PS), der LPG- und benzinbetriebenen Hybrid-G 140 (103 kW/140 PS) mit einer Reichweite von über 1.000 Kilometern und der Hybrid 130 (96 kW/130 PS), der immer mit dem Allradantrieb in Verbindung steht. Eine vollelektrische Version oder einen Diesel gibt es nicht. Für die Zukunft angeteasert wurde jedoch ein 4x4 mit elektrisch angetriebener Hinterachse.

Schnelle Daten  Dacia Bigster Hybrid 155
Motor Voll-Hybrid - 1,8-Liter-Vierzylinder-Benziner (80 kW / 109 PS) + zwei E-Motoren (36 kW / 49 PS) + 1,4-kWh-Batterie
Antrieb Frontantrieb
Getriebe Automatik

Systemleistung / Drehmoment

115 kW (155 PS) / 172 Nm (205 Nm E-Motor)
Beschleunigung 9,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
CO2-Emission (WLTP) 105 g/km
Verbrauch (WLTP) 4,7 Liter
Basispreis 28.590 Euro

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Exterieur

Beim flüchtigen Blick auf den Dacia Bigster kann der große Bruder seine Nähe zum Duster absolut nicht leugnen. Front, Heck, die seitliche Silhouette und etliche Linienzeichnungen sind nahezu identisch – jedoch in den Proportionen um 23 Zentimeter in der Länge und fünf Zentimeter in der Höhe gewachsen. In der Breite gibt es überraschenderweise keinen Unterschied. Beide Dacias messen 1,81 Meter.

In Natura macht sich dieses Wachstum beim Bigster jedoch bemerkbar. Er wirkt insgesamt wesentlich wuchtiger als der Duster und sorgt damit für einen tatsächlich eigenständigen Auftritt. Was Größe so ausmacht – faszinierend! (Unten sehen Sie links den Duster und rechts den Bigster)

Dacia Duster (2024) mit Sleep-Pack im Test

Dacia Duster (2024) mit Sleep-Pack im Test

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Dazu trägt auch die steil aufgestellte Front mit dem eckig eingefassten Grill und den dominanteren Lufteinlässen bei. Die Ausformungen der Haube sind noch massiver geworden und tragen damit tatsächlich zu einer besseren Übersicht bei. Ebenso wie das länger gezogenen Heckseitenfenster. 

Am Heck des Bigster dominiert die ausladende Leiste zwischen den Heckleuchten. An der C-Säule prangt ein Bigster-Schriftzug. Erstmals bei Dacia gibt es ein farblich abgesetztes Dach. Ähnlich bleiben die robusten Hartplastik-Anbauteile, die auch beim großen Bruder Robustheit suggerieren und vor eventuellen Offroad-Kratzern schützen.

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Bilder von: Motor1.com

Interieur

In Sachen Raumnutzung ist der Bigster schon jetzt ein Big Star. Mit einem Kofferraumvolumen von 667 Litern, das sich variabel über die 40-20-40 geteilte Rückbank bis auf 1.937 Liter erweitern lässt, ist der neue Bigster schon jetzt ganz oben im SUV-C-Segement angekommen. Platzhirsche wie der Tiguan (550 Liter), Opel Grandland (550 Liter), Kia Sportage (591 Liter) oder Hyundai Tucson (598 Liter) knacken die 600 nicht. Annähernd in die Richtung kommt der Ford Kuga (bis zu 645 Liter).

Genau aus diesem Grund hat sich Dacia gegen eine siebensitzige Version entschieden und setzt voll auf die optimal Raumnutzung des Fünfsitzers. Diese Herangehensweise macht sich auch auf der Rückbank bemerkbar, auf der es sich räumlich großzügig Platz nehmen lässt.

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Bilder von: Dacia

Im Cockpit sorgen teilelektrifizierte Sitzeinstellungen für das fixe Anpassen. Das schnelle Verschieben des Sitzes nach vorne und hinten erfolgt nach Dacias "Essential-but-Cool"-Philosophie weiterhin über einen robusten Bügel. Höhe und Lehne können dann elektrisch feinjustiert werden. In unteren Ausstattungen ist zudem weiterhin eine komplett manuelle Sitzeinstellung verfügbar.

Mit meiner Körpergröße von 1,76 Meter saß ich auf den elektrisch höhenverstellbaren Sitzen auf der tiefsten Stufe gefühlt recht hoch. Wer tiefe Sitzpositionen bevorzugt oder mehr als 1,90 Meter misst, dem sei zur mechanischen Verstellung geraten, denn hier sind wesentlich flachere Sitzpositionen umsetzbar. Die Übersicht bleibt dank der ausgeformten Haube immer ähnlich.

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Bilder von: Dacia
Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Außerdem bietet der Bigster das Dacia-Clip-System für individuelle Halterungen an verschiedenen Stellen des Innenraums. Für die wichtigsten Fahrerinfos sorgt ein 7-Zoll-Display (10-Zoll ab Journey-Ausstattung), alle weiteren Einstellungen werden über das 10-Zoll-Infotainment getätigt. Die Auflösung der Rückfahrkamera ist leider etwas zu grob ausgefallen. Zudem gibt es schon ab der Grundausstattung einiges an Assistenzsystemen und physischen Einstellungsmöglichkeiten.

Ansonsten dominiert Hartplastik in Kombination mit überzogenen Stoffapplikationen. Jedoch durchaus angenehm frisch gestaltet, sodass ein befürchteter Low-Budget-Charme nicht zum Tragen kommt – eher sogar eine gewisse Robustheit mit Mut zum Abenteuer und dem wiederkehrenden DC-Applikationen weiter etabliert wird.

Abmessungen Dacia Bigster Hybrid 155
Länge x Breite x Höhe 4.570 x 1.810 x 1.710 mm
Radstand 2.700 mm
Kofferraumvolumen 667 - 1.937 Liter
Leergewicht 1.487 kg
Zuladung 453 kg
Max. Anhängelast 1.000 kg 
Max. Stützlast 75 kg

Fahrbericht

Also dann, bewegen wir Dacias neuen Star mal auf die Straße. Der Hybrid 155 spricht ganz gut an und wirkt bis 100 km/h spritziger, als die Daten es suggerieren. Wer hohe Drehzahlen fordert, wird mit dem sägenden Motorgeräusch jedoch so gar nicht glücklich, was auch der kurze Sprint über die Autobahn beweist. Ab 100 km/h wird nicht nur die Beschleunigung zäh, sondern es wird auch zunehmend laut. 

Trotz besserer Dämmungsmaßnahmen gegenüber den bisherigen Modellen, kommen ab der dreistelligen Grenze massive Windgeräusche, vorwiegend an den A-Säulen, zum Tragen. Ab einer Reisegeschwindigkeit von 130 km/h wird der Geräschpegel lästig.

Der Bigster schreit mit jeder Faser seiner Karosserie: "Chill mal, ich bin ein gediegenes Reisemobil!" (Wer will, bekommt auch passenderweise ein "Sleep Pack") Wer auf Ruhe wert legt, sollte also mindestens an dieser Marke verweilen oder direkt zu anderen Herstellern wechseln. Budget kommt bei Dacia immer noch mit Abstrichen.

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Bilder von: Motor1.com
Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Dacia Bigster Hybrid 155 (2025) im Test

Dafür zeigt sich das Fahrwerk schön ausbalanciert: nicht zu hart, nicht zu weich und dennoch recht agil. Einige Kurven können demnach auch mal sportlicher genommen werden. Wechselt die Richtung jedoch häufig aufeinanderfolgend, wankt die Karosserie unentschlossen indirekt hin und her. Natürlich gibt es sportlichere Vertreter, doch im Segment macht der Dacia Bigster fahrwerksseitig eine gute Figur und hält Karosserie sowie Insassen sicher in der Spur. 

Wer sich auf ökonomisch, vorausschauende Art bewegt, wird Dacias Großen als angenehmen Reisebegleiter wahrnehmen. Im Test mit sehr forsch gefahrenen Anteilen lag der Verbrauch bei knapp 5,5 Liter. Da ist also noch realistische Luft nach unten. Dennoch zeigte die Reichweitenanzeige über 900 Kilometer. Das ist durchaus stattlich.

Preise

Unser gefahrener Dacia Bigster Hybrid 155 mit dem neuen Voll-Hybrid-System startet in der Expression-Version bei 28.590 Euro. Als Essential mit dem bekannten Mild-Hybrid 140 ist das neue C-Segment-SUV der Rumänen bereits ab 23.900 Euro zu haben. Wer lieber auf Allrad setzt, muss 27.990 Euro für den Mild-Hybrid 130 4x4 ebenfalls in der Expression-Version einplanen.

Die Top-Ausstattung Extreme geht bereits bei 26.990 Euro los – in Kombination mit dem neuen Hybrid 155 knackt diese mit 30.590 Euro knapp die 30.000er Marke. Mit an Bord ist dann aber auch das zu öffnende Panorama-Dach. Die auf dem Markt versammelte Konkurrenz und ihre Preise können Sie hier einsehen.

Spoiler: keiner ist dermaßen günstig! Preise ab 30.000 Euro sind die Norm. Zum Vergleich: Der VW Tayron beginnt bei 45.475 Euro. Also beinahe zwei Bigster.  

Fazit: 8,5/10

Der Dacia Bigster punktet mit guter Raumnutzung, guten Fahreigenschaften, pfiffigen Innenraumlösungen, einem guten Verbrauch und robusten Eigenschaften. Der Einstiegspreis von 23.990 Euro ist mit etwaigen angebotenen Komforteigenschaften von der Preis/Leistung her im Segment unschlagbar. Der günstigste Konkurrent beginnt mit dem Citroën C5 Aircross bei 33.770 Euro. Selbst mit Top-Ausstattung liegt der Bigster immer noch 3.000 Euro darunter.

Wer mehr Schnickschnack, Leistung oder Ruhe sucht, sollte sich in einer eher Premium-orientierten Richtung umsehen, muss dann aber entsprechend mehr Scheine auf die Ladentheke legen. Für alle anderen ist der Dacia Bigster eine ernstzunehmende Alternative zum bisherigen Marktangebot. Eventuell sogar für Menschen, die eigentlich ein kleineres Vehikel ins Auge gefasst hatten. A Big Star is born!